Debatte in ZDF-Sendung

Lindner enthüllt bei Lanz: An diesem Merkel-Fehler scheiterte Jamaika

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Markus Lanz entlockte FDP-Chef Christian Lindner das ein oder andere interessante Detail.

In der ZDF-Sendung Markus Lanz spricht FDP-Chef Christian Lindner offen über die gescheiterten Jamaika-Koalition. Er erklärt seine Wahrheit der letzten Verhandlungsstunden und plaudert über seinen verwehrt gebliebenen Ministerposten.

München - „Warum scheiterte die Jamaika-Koalition, Herr Lindner?“ Nach fast vier Monaten sorgt diese Frage bei den meisten mittlerweile für Gähnen, anstatt für aufmerksames Stirnrunzeln. Zumal zu später Stunde.

Doch was FDP-Chef Christian Lindner am Donnerstag kurz vor Mitternacht zu diesem Thema von sich gab, war tatsächlich mal wieder etwas brisanter. Denn Lindner, an dem seit dem Aus für die Jamaika-Koalition der Vorwurf des Drückebergers haftet, redete sich in Rage. „In Wahrheit wurde vier Wochen lang nicht verhandelt, es wurde nur immer aufgeschrieben, was uns trennt", schimpfte er. Es sei während der Gesprächsrunden immer nur darum gegangen, "Papiere aufzuschreiben, in denen nichts drin steht". (Zur Sendung von Markus Lanz)

Lindner bei Markus Lanz: „Einer muss sein Wort brechen und sein Gesicht verlieren“

„Wir hätten gern regiert", erklärte Lindner weiter. „Aber nach vier Wochen war klar: Einer muss sein Wort brechen und sein Gesicht verlieren: entweder die Grünen oder die FDP." Die Programme seien einfach zu unterschiedlich gewesen und im Laufe der vier Wochen immer größer geworden. Die FDP verabschiedete sich daraufhin aus den Sondierungen von schwarz, gelb und grün, um die eigenen Prinzipien nicht zu verraten.

Lindner schildert die letzten Stunden der Jamaika-Verhandlungen mit dem entscheidenden Fakt so: Seiner Meinung nach müsse jedes Mitglied der EU finanzpolitisch eigenständig sein. Schulden sollten demnach nicht vergemeinschaftet werden. Bayern übernehme ja schließlich auch nicht die Schulden Nordrhein-Westfalens, so Lindner. Dies sei eine „Rote Linie“ für die Liberalen gewesen. Ein Kompromiss mit der Union bahnte sich Lindner nach an, da machte Merkel offenbar in den letzten Stunden des letzten Verhandlungstages dieses Thema noch einmal auf und „holte die Position der Grünen ins Boot. Dadurch wurde die FDP rausgedrängt“ so Lindner.

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Hätte Lindner Schäubles Erbe verspielt?

Und dann sagt Lindner: „Ich wäre der Finanzminister gewesen, der in Brüssel das Erbe von Wolfgang Schäuble verspielt hat. Das war jetzt nicht die verlockendste Karriereperspektive.“

Zwar hatte FDP-Vize Wolfgang Kubicki bereits im November angedeutet, dass er selbst oder Lindner das Finanzressort im Falle eines jamaika-Bündnisses übernehmen würden, doch so deutlich hatte Lindner das öffentlich wohl noch nicht gesagt. 

Bei Lanz bestritt der FDP-Chef zudem Berichte, nach denen Merkel bereits per SMS von außen über den unmittelbar bevorstehenden Jamaika-Ausstieg der Liberalen erfahren haben sollte. In der ZDF-Sendung sagte er: „Die Nachricht, dass wir eine Erklärung abgeben werden, wurde erst öffentlich, als die anderen Bescheid wussten.“

Welt-Journalist Robin Alexander behauptet das Gegenteil.

Ein Teil der Jamaika-Verhandlungen wird wohl nie mit letzter Sicherheit aufgeklärt werden.

Video: Deshalb ist Jamaika laut Lindner gescheitert

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