Clarita von Trott zu Solz ist gestorben

Letztes Zusammensein: Clarita und Adam von Trott zu Solz Pfingsten 1944 in Imshausen.

Clarita von Trott zu Solz war 26, als ihr aus dem nordhessischen Imshausen stammender Mann Adam nach dem missglückten Attentat auf Hitler 1944 hingerichtet wurde. Er hatte als Diplomat des Auswärtigen Amtes Kontakte der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis ins Ausland angebahnt.

Ihre Töchter Verena und Clarita, zweieinhalb Jahre und neun Monate alt, wurden nun von der Gestapo unter falschem Namen in ein Heim verschleppt, sie selbst kam in Sippenhaft. In ihren Erinnerungen notierte sie, der Abgrund des Entsetzens, der sich damals aufgetan habe, „hat sich nie wieder ganz geschlossen“.

Im Alter von 95 Jahren ist Clarita von Trott zu Solz, wie die Stiftung Adam zu Trott erst gestern mitteilte, bereits am Gründonnerstag in Berlin gestorben. Sie war die letzte all der starken Ehefrauen der Verschwörer vom 20. Juli 1944, die Zeugnis ablegen konnte vom Wollen und Handeln ihrer Männer. Bis in die 50er-Jahre hinein verweigerte man den Witwen staatliche Versorgungsleistungen, wurden ihre Männer als „Verräter“ geschmäht.

„Vergib mir für all den tiefen Schmerz, den ich Dir verursachen musste“, bat Adam von Trott Clarita vor seinem Tod. „Verzage nie (in allem Schweren, das gewiss noch kommen wird).“ Die Witwe, 1917 in Hamburg geborene Anwaltstochter, packte ihr Leben an, studierte Medizin, promovierte, wurde Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie mit eigener Praxis als Psychotherapeutin.

"Mein Leben war ungewöhnlich reich als Mutter meiner Töchter und ihrer Familien, durch Freundschaften und den ärztlichen Umgang mit Menschen in psychischer Not“, schieb sie 1987. „Aber in der Mitte der Existenz blieb Adams Platz leer.“ Die Erinnerung an ihn hielt sie wach, seiner Botschaft fühlte sie sich verpflichtet.

Als Ehrenvorsitzende der Trott-Stiftung kam die beeindruckende alte Dame zuletzt 2011 zu den 20.-Juli-Gedenkfeiern am „Trottenkreuz“ bei Imshausen. „Meine vier Ehejahre - gleichzeitig Kriegsjahre - waren trotz allem die glücklichsten Jahre.“

Von Mark-Christian von Busse

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