Im CO2-Gas erstickt

Vor einem Jahr starben drei Kali-Kumpel in Unterbreizbach

Erinnert sich an schwere Tage: Produktionsleiter Hartmuth Baumert.

Unterbreizbach. Nach einer Sprengung tobte am 1. Oktober 2013 eine gewaltige Kohlendioxid-Explosion durch die Grube: Drei von sieben Bergleuten eines Voraustrupps konnten sich nicht retten. Inzwischen gelten neue Vorschriften. Jetzt müssen alle Kumpel während der Sprengung übertage sein.

Mit zerstörerischer Wucht rast die gewaltige Druckwelle durch das riesige Bergwerk. Sie presst eine Wolke aus Salz und Staub zu den Ausgängen der Schächte im südthüringischen Unterbreizbach, die sich über das Kali-Werk legt. „Es war wie ein mächtiger Sandsturm“, sagt einer der Bergleute, der vor einem Jahr bei dem Grubenunglück  dabei war. Eigentlich sollte es eine Routinesprengung zur Kali-Gewinnung sein. Stattdessen schrillen Sirenen. Das war heute vor einem Jahr.

Sieben Kumpel sind als Voraustrupp in 700 Metern Tiefe unterwegs. Nur vier von ihnen konnten sich retten, drei Männer im Alter von 24, 50 und 56 Jahren erstickten an hochkonzentriertem Kohlendioxid (CO2). Explosionsartig hatte sich das Gas aus dem Gestein gelöst.

Heute werden die K+S-Bergleute jeweils vor Schichtbeginn der getöteten Kumpel gedenken. Außerdem werden sie über den Stand der Sicherheitstechnik informiert.

Noch sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Unterbreizbach (Wartburgkreis) nicht abgeschlossen. Staatsanwalt Jochen Grundler spricht von einem Unglück. „Es gibt nach wie vor keine Anhaltspunkte auf ein Verschulden Dritter.“ Aufwendige Untersuchungen hat auch das Landesbergamt nach der verhängnisvollen Sprengung in 900 Metern Tiefe vorgenommen. „Der Kohlendioxid-Ausbruch war intensiver und heftiger als alles, was wir bisher aus Kali-Gruben kennen“, sagt der Leiter des Landesbergamtes, Hartmut Kießling. Wegen der geologischen Besonderheiten - durch Vulkanausbrüche ist in der Region im Gestein CO2 eingelagert - seien die Bergleute speziell geschult.

Bei Sprengung über Tage

Bis zu dem Unglück sei der Einsatz kleiner Voraustrupps, die für die Abbauteams die Lage nach einer Sprengung erkunden, als sicher eingeschätzt worden. Diese Trupps warteten bereits während der Sprengung im oberen Bereich der Grube - die Bergleute starben auf einer Sohle 200 Meter über der Sprengung und mehrere Kilometer von ihr entfernt. Diese Arbeitsweise gebe es so nicht mehr. Jetzt müssten alle Bergleute während der Sprengung über Tage sein. Das sei nur eine von mehreren Änderungen bei den Sicherheitsregeln. „Niemand will so weitermachen, als wäre nichts passiert“, sagte Kießling. Nach seinen Angaben steht der Untersuchungsbericht des Bergamtes für die Grube kurz vor dem Abschluss.

Der Produktionsleiter in Unterbreizbach, Hartmuth Baumert, erinnert sich an schwere Monate für die Bergleute. Rund 300 Einsätze musste die Grubenwehr fahren, bis das giftige Gas aus der Tiefe verschwunden war. Erst seit April laufe die Produktion wieder zu 100 Prozent.

„Zur Trauer um die Toten kam die Sorge, wie geht es weiter mit der Grube“, sagt Baumert. Es gebe auch Angst vor Abbau von Arbeitsplätzen. Das zum DAX-Konzern gehörende Unternehmen K+S Kali GmbH beschäftigt im Werra-Revier nach eigenen Angaben 4400 Mitarbeiter, davon insgesamt 1000 auf Thüringer Seite. Durch den Produktionsausfall in Unterbreizbach entstand nach K+S-Schätzung ein Schaden von rund 30 Millionen Euro. (dpa)

Von Simone Rothe

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