PEI untersucht Verdachtsfälle

Astrazeneca: Thrombose nach Corona-Impfung – Zahl der Verdachtsfälle aktualisiert

Das Paul-Ehrlich-Institut informiert über neue Erkenntnisse zu den Thrombose-Fällen. Die EMA untersucht derweil eine weitere mögliche Astrazeneca-Nebenwirkung.

Update vom Samstag, 10.04.2021, 11.45 Uhr: Dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden bis zum 2. April insgesamt 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung gemeldet - darüber berichtet auch fr.de. Bei 23 Personen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an roten Blutplättchen, nachgewiesen worden.

35 der 42 Fälle seien Frauen zwischen 20 und 63 Jahren. Jedoch wurden diese auch öfter mit dem britisch-schwedischen Vakzin geimpft als Männer. Die sieben männlichen Personen, die diese Art von Hirnvenenthrombosen entwickelt haben, seien zwischen 24 und 58 Jahren. Trotz allem wurden bei Frauen zwischen 20 und 59 Jahren deutlich mehr Thrombosen beobachtet, als zunächst erwartet wurde.

Astrazeneca: Thrombosen nach Corona-Impfungen – Zahl der Fälle aktualisiert

Acht Personen, bei denen eine Sinusvenenthrombose nach einer Astrazeneca-Impfung* erkannt wurde, verstarben - darunter fünf Frauen und drei Männer. Auch nach Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer wurden sieben Thrombosen der gleichen Art gemeldet. Jedoch seien diese im Vergleich zur gewöhnlichen Zahl der Thrombose-Fälle nicht erhöht. Ende März hatte das Paul-Ehrlich-Institut von 31 Verdachtsfällen einer Sinusvenenthrombose nach Verabreichung des Astrazeneca-Impfstoffs berichtet.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat die Zahl der Verdachtsfälle aktualisiert und informiert über Erkenntnisse zu den Thrombose-Fällen nach Astrazeneca-Impfungen. (Symbolbild)

EMA untersucht Astrazeneca: Mögliche Gefäßerkrankung als Nebenwirkung?

+++ 16.45 Uhr: Aktuell untersucht die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) einen möglichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und dem sogenannten Kapillarlecksyndrom. Derzeit gebe es fünf Verdachtsfälle der Gefäßerkrankung, das berichtet die Agence France-Presse (AFP). Das Syndrom ist eine sehr seltene, aber schwerwiegende Erkrankung. Dabei ist die „Durchlässigkeit der Kapillargefäße zu hoch, so dass Plasma austritt und es zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks kommt“, so AFP.

Gleichzeitig empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Kreuzimpfungen mit dem Impfstoff. Wie WHO-Sprecherin Margaret Harris der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte, lägen noch keine ausreichenden Daten für mögliche Risiken einer ersten Impfdosis mit Astrazeneca und einem anderen Mittel als Zweitimpfung vor. Vorläufig soll also das gleiche Vakzin für beide Corona-Impfungen verabreicht werden. „Ohne ausreichende Daten über mögliche Risiken darf es keine Zweitimpfung mit anderen Impfstoffen geben“, erklärte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Eine Entscheidung zu den Kreuzimpfungen ist allerdings noch nicht gefallen.

Corona: Astrazeneca-Impfung nur für Menschen ab 60: Mehr Sinusvenen-Thrombosen als üblich

Mittlerweile wird eine Impfung des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahren empfohlen. Grund dafür ist ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Bei Frauen zwischen 20 und 59 Jahren wurden nach Verabreichung des Impfstoffs zwanzigmal mehr Sinusthrombosen entdeckt als bisher erwartet.

„Wir haben in Deutschland im Lauf der Zeit eine kontinuierliche Zunahme der Fälle von seltenen Sinusvenenthrombosen nach einer Astrazenca-Impfung gesehen und damit ein klares Sicherheitssignal“, erklärt Christian Bogdan von der Ständigen Impfkommission (STIKO). Bisher wurden 31 Verdachtsfälle derartiger Thrombosen in Deutschland in Zusammenhang mit der Impfung gemeldet, so das Paul-Ehrlich-Institut.

Astrazeneca: Karl Lauterbach berichtet von Corona-Impfung

Update vom Freitag, 09.04.2021, 10.38 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bestätigte am Mittwoch (07.04.2021), dass er am Dienstag (06.04.2021) mit Astrazeneca gegen das Corona-Virus geimpft wurde. An diesem Tag habe der 58-Jährige den ganzen Tag im Impfzentrum Leverkusen ausgeholfen, wo er schließlich auch das Vakzin verabreicht bekommen habe.

Wie auch merkur.de* berichtet, bestätigte Lauterbach nun Nebenwirkungen nach der Astrazeneca-Impfung. „Ich habe den Impfstoff gut vertragen. Es hat ein bisschen Fieber und Schüttelfrost gegeben, aber das ist ja zu erwarten“, so der SPD-Politiker. Obwohl das Vakzin in Deutschland derzeit nur an Personen über 60 Jahre verabreicht wird, habe er sich ganz bewusst dafür entschieden. „Ich bin zwar noch keine 60 aber ich habe das auf meine eigene Kappe genommen. Der Impfstoff ist definitiv ein sehr guter Impfstoff. Es ist kein Impfstoff zweiter Klasse, er wirkt sehr zuverlässig“.

Trotz uneingeschränkte Astrazeneca-Empfehlung der EMA: Stiko bleibt bei Bewertung

Update vom Donnerstag, 08.04.2021, 13.32 Uhr: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) befürwortet trotz der aufgetretenen Thrombose-Fälle einen uneingeschränkten Gebrauch von Astrazeneca. Jedoch wird das Corona-Präparat in Deutschland und anderen Ländern auch weiterhin nur an ältere Bürger verimpft. Dies geht aus einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hervor.

Selbst in Großbritannien, wo der Impfstoff bislang ohne Einschränkung zum Einsatz gekommen ist, hat die dortige Impfkommission mittlerweile empfohlen, ihn nur noch bei Menschen über 30 Jahren zu impfen. Laut einem Bericht von NTV seien dort nach Impfungen 79 Thrombose-Fälle gemeldet worden, 19 Menschen seien gestorben.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland hatte den britisch-schwedischen Corona-Impfstoff vor kurzem nur für über 60-Jährige empfohlen. Dass die EMA aber nun anderer Meinung ist, werde respektiert. „Aber das, was die Stiko gemacht hat, kann man sicherlich genauso rechtfertigen“, sagte Christian Bogdan, Infektionsimmunologe und Mitglied der Stiko. Das Thema werde laut Bogdan in der nächsten Sitzung der Stiko besprochen.

Astrazeneca-Stopp: Virologe Hendrik Streeck irritiert von Stiko-Empfehlung zur Zweitimpfung

Derweil rief EU-Gesundheitskommissarin Stelle Kyriakides in einer Konferenz mit den nationalen Gesundheitsministern am Mittwochabend (07.04.2021) zu einer einheitlichen und abgestimmten Vorgehensweise auf. Somit soll das öffentliche Vertrauen gestärkt werden. Derzeit gelten in vielen Ländern noch unterschiedliche Richtlinien bezüglich der Astrazeneca-Impfungen. Beispielsweise impft Italien derzeit auch ausschließlich Menschen über 60 Jahren - Österreich orientiert sich wiederum an der EMA-Empfehlung.

Virologe Hendrik Streeck zeigt sich unterdessen überrascht über die Aussage der Stiko*, jüngere Personen in Deutschland nach der ersten Astrazeneca-Impfung eine zweite mit mRNA-Wirkstoffen wie Biontech/Pfizer oder Moderna anzubieten. „Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind“, so Streeck gegenüber der Fuldaer Zeitung. Für ihn sei es jedoch nachvollziehbar, Menschen unter 60 Jahren mit dem Corona-Vakzin nicht mehr zu impfen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich mit Astrazeneca impfen lassen.

Trotz Thrombosen: EMA empfiehlt Astrazeneca-Impfungen weiterhin ohne Einschränkungen

+++ 16.19 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll es zu Thrombosen gekommen sein, jetzt hat sich die EU-Arzneimittelbehörde EMA erneut zu den Vorfällen geäußert: Trotz sehr seltener Fälle von Thrombosen empfiehlt die EMA die Anwendung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca ohne Einschränkungen.

Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die EMA am Mittwoch (07.04.2021) in Amsterdam. Demnach sollen Blutgerinnsel als seltene Nebenwirkung des Impfstoffs gelistet werden.

Verwirrung um Astrazeneca-Impfstoff: EMA rudert zurück - und ändert Aussage zu Thrombose-Fällen

Erstmeldung vom Mittwoch, 07.04.2021, 15.50 Uhr: Kassel - Bereits seit Wochen sorgt der Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca für Schlagzeilen. Wegen des Verdachts von schweren Nebenwirkungen wurde im März die Verabreichung des Vakzins in Deutschland sogar kurzerhand ausgesetzt.

Mittlerweile werden nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) hierzulande nur Personen die älter sind als 60 Jahre mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca geimpft. Nun sorgen Medienberichte erneut für Verwirrung um das umstrittene Vakzin.

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Astrazeneca-Impfstoff und Thrombose: Vertreter der EMA bestätigt Verdacht

Nachdem Forscher bereits erklärt hatten, es würde nachweislich einen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und den schweren Thrombose-Fällen geben, bestätigte diesen Verdacht am Dienstag (06.04.2021) auch ein Vertreter der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA).

Der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, erklärte im Gespräch mit der italienischen Zeitung Il Messaggero: „Wir können mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt.“ Jedoch sei die genaue Ursache für die schweren Nebenwirkungen noch nicht geklärt.

Verwirrung um Astrazeneca-Impfstoff: EMA ändert Aussage zu Thrombosefällen erneut

Doch nun rudert die EMA zurück und ändert die Aussage zum Thrombose-Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff erneut. Die EU-Arzneimittelbehörde hat nun klar gestellt, dass sie in der Sache noch keine Entscheidung getroffen hat, die Prüfung laufe derzeit weiter, teilte die EU-Behörde der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag (06.04.2021) mit. Noch am Mittwochnachmittag (07.04.2021) will die EMA in einer Pressekonferenz eine offizielle Einschätzung abgeben.

Nachdem Impfungen gegen das Coronavirus mit dem Mittel von Astrazeneca für Personen unter 60 Jahren vorerst gestoppt wurden, beraten sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über ein weiteres Vorgehen in der Impfkampagne. In Großbritannien und Frankreich treten unterdessen weitere Thrombose-Fälle im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung auf. (Helena Gries und Alina Schröder) *fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

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