Corona-Pandemie

Viele Bäckereien in Hessen und Niedersachsen kämpfen um Existenz

Ein Mitarbeiter einer Bäckerei schüttet gebackene Vollkornbrote in einen Korb.
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Die Lage für viele Bäckereien in Hessen und Niedersachsen ist sehr kritisch. 2020 verlor die Branche 10.000 Arbeitsplätze.

Die Corona-Pandemie macht auch vor den örtlichen Bäckereien nicht Halt. 2020 verloren 10.000 Bäckerei-Mitarbeiter ihren Job.

Kassel – Für viele Bäckereien haben die langen Pandemie-Monate die ohnehin heikle Lage noch einmal schwieriger gemacht. Etliche von ihnen konnte sich jedoch auch mit Corona-Angeboten für Stammkunden im Homeoffice behelfen oder von der Öffnung der Supermärkte profitieren.

Die Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord schätzt die Umsatzeinbußen der Bäckereibetriebe in Niedersachsen im 2020 auf durchschnittlich zehn bis zwölf Prozent. „Das klingt einigermaßen akzeptabel, war allerdings in den einzelnen Gebieten Niedersachsens sehr unterschiedlich“, sagt Verbandsgeschäftsführer Jan Loleit.

Örtlich seien die Verkaufserlöse durch pandemiebedingt um bis zu 30 Prozent abgerutscht – etwa dort, wo der Tourismus wegen der Corona-Beschränkungen komplett ausfiel. „Wir hoffen, dass jetzt wieder breiter geöffnet wird“, so Loleit

Corona in Hessen: Bäckereien kämpfen um Existenz - 10.000 Arbeitsplätze weniger

Auch Stefan Körber, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Hessen, sieht die Lage kritisch. „Wir hatten Mitte 2020 noch 270.000 Angestellte in den Bäckereien, im Dezember waren es nur noch 260.000.“ So einen Einbruch habe es laut Körber seit Jahrzehnten nicht gegeben. Man könne die Lage jedoch nicht wirklich auf alle Bäckereien beziehen. „Bäckereien mit einem großen gastronomischen Angebot sind deutlich stärker betroffen als das klassische Backwarengeschäft auf dem Land.“ Das betreffe etwa Bäckereien und Cafés in Fußgängerzonen, welchen durch den Corona-Lockdown die hohe Kundenfrequenz fehle.

„Zum Problem wird das natürlich, wenn eine Bäckerei beispielsweise in der Innenstadt einer Großstadt ein Café betreibt, aber auf dem Land mehrere Filialen führt. Die Klasse 3 der Überbrückungshilfe greift erst bei Umsatzeinbußen über 30 Prozent. Es kann also sein, dass das Café diese 30 Prozent erreicht, die Landfilialen aber nicht.“ Da nicht die Corona-Einbußen des Standorts, sondern des Betriebs zählen, hätten viele nicht die Chance, die teilweise sehr hohen Mieten der Räumlichkeiten in der Innenstadt erstattet zu bekommen, betont Körber.

Corona-Pandemie: Aufträge aus Schulen, Kantinen oder Hotels fehlen den Bäckereien

Ein Problem seien für zahlreiche Bäckereien neben den Schließungen ihrer eigenen Café-Bereiche auch die fast komplett weggebrochenen Aufträge von Hotels, Kantinen, Schulen oder der Gastronomie. „Da haben die Betriebe schon ganz schön gelitten“, berichtet Loleit. Durch den Zwang, sich auf die neue Lage einzustellen, hätten indes etliche Bäckereien umgekehrt Chancen ergriffen.

„Dabei kamen die Kleineren manchmal sogar besser weg“, so Körber. „Betriebe auf dem Land, aber auch in städtischen Wohngebieten haben ihre Kundschaft oft halten können. Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen durch Corona im Homeoffice arbeiten und ihre Backwaren wieder vor der Haustüre und nicht in der Mittagspause in der Innenstadt holen“, so Körber.

Bäckerei-Schließungen: Es „geht immer ein Stück Handwerkskunst verloren“

Wichtig sei es laut Loleit besonders für die Größeren gewesen, als systemrelevante Versorger offen bleiben zu dürfen. Das gelte nicht zuletzt für die Verkaufsstellen im Eingangsbereich von Supermärkten – wenngleich es hier oft schwierig gewesen sei, alle Corona-Standards der Betreiber im Wartebereich vor den Kassen umzusetzen.

Die Konzentration in der Branche hielt im Jahr 2020 an. Zum Jahreswechsel waren in Niedersachsen und Bremen insgesamt 886 Betriebe bei den Handwerkskammern registriert – nach 917 vor einem Jahr und 960 vor zwei Jahren. Seither nahm die Zahl stetig ab. „Aus unserer Sicht wird das wohl noch eine Zeit lang so weitergehen“, schätzt Loleit. Dabei müsse man bedenken: „Mit jedem Betrieb, der aufgibt, geht immer ein Stück Handwerkskunst verloren.“

Die regionalen Bäckereien Apel und Thiele sind künftig Teil des „Haus der Bäcker“. Die Heinrich Apel GmbH wurde an das Frankfurter Unternehmen verkauft, wie sowohl Apel als auch Thiele bekannt gaben. (Luisa Weckesser mit dpa)

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