Schleppender Start

Corona-Impfung: Leopoldina-Mitglied sieht „grobes Versagen“ der Bundesregierung

Eine Medizinerin wirft der Bundesregierung vor, bei der Beschaffung von Corona-Impfstoff versagt zu haben. Auch aus der Politik wird die Kritik lauter.

  • In Deutschland haben die Impfungen zum Schutz vor dem Coronavirus begonnen.
  • Eine Medizinerin der Leopoldina wirft der Bundesregierung „grobes Versagen“ vor.
  • Auch aus der Politik gibt es wegen der Beschaffung von Corona-Impfstoff Kritik an der Regierung und der EU.

Berlin – In Deutschland haben die Impfungen zum Schutz vor dem Coronavirus begonnen. Seit Ende Dezember sind vor allem mobile Teams unterwegs, die sowohl Bewohner:innen als auch das Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie Kliniken impfen. Wenige Tage nach Beginn der Impf-Kampagne melden die Länder bei der Auslieferung von Impfstoff durch den Bund bereits Schwierigkeiten. Ein Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sieht die Verantwortung für den schleppenden Corona-Impfstart bei der Bundesregierung und wirft ihr schwere Versäumnisse bei der Beschaffung von Dosen vor.

Der Corona-Impfstart in Deutschland verläuft schleppend. Die Kritik wird lauter. (Symbolbild)

Corona-Impfung: Leopoldina-Mitglied wirft Bundesregierung Versagen bei Beschaffung vor

„Ich halte die derzeitige Situation für grobes Versagen der Verantwortlichen“, sagte die Neurologin Frauke Zipp der Zeitung „Die Welt“. „Warum hat man im Sommer nicht viel mehr Impfstoff auf Risiko bestellt?“, hob Zipp hervor, die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ist und die rheinland-pfälzische Landesregierung berät.

„Vor kurzem gab es noch offizielle Totengedenken, jetzt zählt offenbar nicht mehr jeder Tag, an dem Menschenleben gerettet werden könnten. Jetzt wird Geduld eingefordert“, kritisierte Zipp mit Blick auf die Corona-Impfungen. In Deutschland könne bei genügend verfügbarem Impfstoff eine Durchimpfung von 60 Prozent der Bevölkerung in zwei bis drei Monaten gelingen, meinte Zipp.

Auch aus der Politik häufen sich die Vorwürfe. FDP-Generalsekretär Volker Wissing sagte, dass die Kritik an der Impfstoff-Beschaffung „sehr ernst zu nehmen“ sei: „Wir sehen am Beispiel Israels und anderer Länder, dass es möglich ist, schneller zu impfen. Die Bundesregierung muss sehr gut erklären, warum das in Deutschland so schleppend läuft.“ SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach spricht gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ von einer „unbefriedigenden“ Situation. Die EU habe bei den Corona-Impfstoffen seiner Meinung nach „falsch eingekauft“ und zu zögerlich agiert.

Vorwürfe gegen Bundesregierung: Zu wenig Corona-Impfdosen zum Start

Neben Biontech-Vorstand Ugur Sahin zeigte sich auch Linken-Vorsitzender Bernd Riexinger „ein wenig verwundert, wie wenig Impfdosen die EU bestellt hat“. Die Bundesregierung sollte nun „schnell Lizenzen zur Nachproduktion des Biontech/Pfizer Impfstoffes vergeben“. Das liege direkt in der Hand von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Virusmutation in Großbritannien mache deutlich: „Eine erfolgreiche Impfstrategie ist eben auch ein Wettlauf gegen die Zeit.“

Kordula Schulz-Asche von der Grünen-Bundestagsfraktion sagte der „Welt“, dass es „aus heutiger Sicht sicher besser gewesen wäre, mehr und verschiedene Corona-Impfstoffe bei den über 100 Entwicklern auf Risiko zu bestellen“. Allerdings verwies sie darauf, dass sich im Sommer auch das Biontech-Vakzin noch in den Testphase befunden habe. (lrg mit AFP)

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa

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