Corona

Soziologin kritisiert Politik und spricht Klartext: „Es kommt rüber, als wären...“

Wegen Corona: In Berlin gilt seit Samstag (10.10.2020) die Sperrstunde. Eine Soziologin kritisiert den politischen Schritt.

  • Seit Samstag (10.10.2020) gilt in Berlin eine Sperrstunde.
  • Der Grund ist die Corona-Krise.
  • Eine Soziologin kritisiert den Schritt.

Berlin - Berlin verschärft im Kampf gegen das Coronavirus die Regeln. In Deutschlands Hauptstadt gelten seit Samstag (10.10.2020) wieder strengere Vorgaben. Die neue Corona-Verordnung in Berlin regelt unter anderem die erlaubte Anzahl von Menschen auf privaten Feiern. Aber auch Restaurants und Kneipen sind von den Regeln betroffen. Die Inhaber müssen ihre Läden nun zwischen 23 und 6 Uhr schließen.

Soziologin kritisiert Corona-Sperrstunde in Berlin

Die Soziologin Talja Blokland sieht die Corona-Sperrstunde in Berlin sehr kritisch. Nach ihrer Meinung unterschätzt die Politik die Bedeutung von Kneipen für das gesellschaftliche Zusammenleben. „Es kommt rüber, als wären Bars und Cafés zum Feiern da und nichts Notwendiges“, erklärt Blokland gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Soziologin ist Professorin am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung an der Humboldt-Universität in Berlin.

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Wegen des starken Anstiegs der #Corona-Infektionen gelten in #Berlin bald eine nächtliche #Sperrstunde und strengere Kontaktverbote für drinnen und draußen: Die meisten Geschäfte sowie alle Restaurants und Bars müssen von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr schließen. Das hat der Senat beschlossen. Ausnahmen sind demnach etwa für Apotheken oder Tankstellen geplant. Im Freien dürfen sich von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten versammeln. An privaten Feiern in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal 10 statt bisher 25 Personen teilnehmen. Die Maßnahmen zielen vor allem auf private Feiern und illegale Partys, die die Berliner Behörden als Treiber des Infektionsgeschehens sehen. Sie sollen ab Samstag gelten - und sind zunächst bis 31. Oktober befristet. Auch #Frankfurt am Main führt voraussichtlich ab Freitag neue Beschränkungen ein. Unter anderem wird eine Sperrstunde von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr gelten, der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum verboten und private Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen werden auf höchstens 25 Teilnehmende beschränkt. In Einkaufspassagen und großen Einkaufsstraßen werde eine #Maskenpflicht eingeführt. In den vergangenen sieben Tagen lag die Zahl der Neuinfektionen in Frankfurt bei 46,5 Fällen je 100.000 Einwohner.

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Wenn man sich frage, wie man lerne, wie man von einer Jobmöglichkeit erfahre oder politisch etwas höre, was anders als zu Hause sei, dann passiere das dort, wo man neue Menschen treffe. „Für das soziale Gefüge der Stadt sind das wichtige Orte“, so die Berliner Soziologin. Daher leide das gesellschaftliche Zusammenleben unter den verschärften Corona-Regeln in Berlin.

Corona in Berlin: Sperrstunde könne sich auf das Sicherheitsgefühl auswirken

Laut Blokland kann sich die Corona-Sperrstunde auch auf das Sicherheitsgefühl der Menschen in Berlin auswirken. „Wir brauchen volle U-Bahnhöfe, um abends das Gefühl zu haben, sicher nach Hause zu kommen“, sagt die Berliner Professorin. Wenn Berlin um 23 Uhr zumache, sei das nicht mehr gegeben.

Die Sperrstunde in Berlin mache manchen Menschen laut Blokland nichts aus. Diese Gruppe sei in der Nacht draußen aber eh nicht unterwegs. Die beschlossene Corona-Verordnung treffe beispielsweise Menschen, die nachts ihr Geld verdienen müssten - wie Restaurantbetreiber, Taxifahrer und Tellerwäscher.

Sperrstunde in Berlin: Studie erforscht Einschränkungen wegen Corona

Blokland hinterfragt, ob Partys tatsächlich ein Grund für die steigenden Infektionszahlen seien. „Das braucht in der Öffentlichkeit klare Belege“. Diese fordert die Berliner Wissenschaftlerin nun von der Politik. Mit einer aktuell noch laufenden Umfrage will ihre Universität erforschen, was die Menschen während der Pandemie vermissen und wie sich Einschränkungen auf das Vertrauen in Behörden und Politik auswirken. (Jan Wendt mit dpa)

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa

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