Entzündungsreaktion „PIMS“

Bei Kindern: Schwere Komplikationen nach Corona-Infektion bringt Forscher zum Rätseln

Immer mehr Kinder sind nach einer überstandenen Corona-Infektion von dem sogenannten „PIMS“-Syndrom betroffen. Forscher rätseln über die genaue Ursache.

Kassel - Bislang haben Kinder in der Entwicklung der Corona-Pandemie keine große Rolle gespielt. Während der dritten Welle infizierten sich aber auch zunehmend junge Menschen mit dem Virus. Einige von diesen zeigten nach der überstandenen Infektion schwere Entzündungsreaktionen, die Wissenschaftler nun rätseln lassen.

Ein schwerer Covid-Verlauf ist bei Kindern sehr selten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) wurden bis zum 21. April insgesamt 1373 Kinder und Jugendliche mit dem Virus in einer Klinik aufgenommen (Stand: 30.04.2021). Davon wurden fünf Prozent auf der Intensivstation medizinisch behandelt - acht Kinder sind verstorben. Eine Virologin hat unter anderem darüber aufgeklärt, ob Kinder die Corona-Pandemie weiter antreiben würden.

Nach einer Corona-Infektion: Einige Kinder von Entzündungsreaktion „PIMS“ betroffen

Wie merkur.de berichtet, entwickelt sich jedoch bei manchen Kindern eine schwere Entzündungsreaktion mit dem Namen „PIMS“ (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome). Diese tritt vereinzelt einige Wochen nach einer Corona-Infektion auf. Die teils schweren Symptome des Syndroms reichen von hohem Fieber, Hautausschlägen, starken Bauchschmerzen bis zu einem Kreislaufkollaps und Lungenversagen.

Wie der Kinder- und Jugendmediziner Reinhard Berner verkündet, seien bisher 281 PIMS-Fälle in deutschen Kliniken gemeldet worden. Über den Auslöser der Reaktion sind sich die Forscher allerdings noch nicht einig. Es gäbe aber zwei mögliche Erklärungsansätze, die derzeit von einem Teil des Intensivteams im Freiburger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin diskutiert werden.

Nach einer Corona-Infektion: Erhöhtes Fieber ist nur eins der Symptome von PIMS bei Kindern. (Symbolbild)

Corona: Rätselhaftes „PIMS“-Syndrom bei Kindern - Forscher diskutieren Ursache

Zum einen die Superantigen-Hypothese. Sie geht davon aus, dass das Spike-Protein des Coronavirus bei einigen Kinder-Patienten sehr viele T-Zellen aktiviere. T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und zerstören von einem Virus befallene Zellen. Die Immunreaktion würde schließlich zu stark ausfallen und eigene Körperzellen werden somit angegriffen, was den Körper schwächt.

Die zweite Theorie ist die Autoantikörper-Hypothese. Dabei würden sich nach einem milden Corona-Krankheitsverlauf B-Zellen bilden, die die eigenen Strukturen angreifen. Dadurch werde insbesondere den Blutgefäßen und dem Herzmuskelgewebe teils enorm geschadet. Bei B-Zellen handelt es sich um weiße Blutkörperchen, die Plasmazellen bilden. Diese Plasmazellen sind wiederum in der Lage Antikörper auszuschütten.

Kinder leiden unter PIMS-Syndrom: Mediziner erwarten Folgeschäden nach Erkrankung

Trotz der Uneinigkeit über den Auslöser der Krankheit würden Ärzte und Pflegekräfte mittlerweile wissen, wie PIMS-Fälle zu behandeln sind. Rund die Hälfte aller Kinder, die einen schweren Verlauf des Syndroms aufweisen, können auf Intensivstationen angemessen und effektiv versorgt werden. Die „Mehrheit der PIMS-Fälle in Deutschland konnte mit entzündungshemmenden Mitteln gut behandelt werden“, erklärt Berner. Todesfälle gab es demnach noch keine, jedoch werden bei circa fünf Prozent der Erkrankten Folgeschäden erwartet. (Alina Schröder)

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

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