Corona-Pandemie

Vierte Welle für Kinder verheerend: „Werden erneut Corona-Verlierer sein“

Die Delta-Variante des Coronavirus verbreitet sich rasant in Deutschland. Karl Lauterbach und weitere Fachleute warnen vor den Folgen der Mutante für Kinder.

Berlin - Mehr und mehr breitet sich die Corona-Variante Delta aus – auch in Deutschland steigen die Fallzahlen. Sie ist wesentlich ansteckender als die Ursprungsvariante des Coronavirus. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* teilt hierzu auf Twitter ein Schaubild von The Economist und erklärt: „Delta Variante ist 1,8-4 fach ansteckender als Ursprungsvariante. Das lässt ahnen, welche Katastrophe wir erlebt hätten, wenn die Pandemie mit der Delta Variante begonnen hätte.“ Die Pandemie sei noch lange nicht vorbei, denn noch immer gebe es zu viele ungeimpfte Menschen.

Kinder leiden besonders unter den folgen der Corona-Pandemie, warnen Experten. (Archivbild)

Treffen könnte es auch die Schulen wieder massiv. So hatte Gesundheitsminister Jens Spahn in der Sendung Bericht aus Berlin in der ARD am Wochenende betont, dass im Herbst und Winter wieder weitere Maßnahmen gegen Corona für Schüler notwendig sein könnten. Er nannte unter anderem die Maskenpflicht und den Wechselunterricht. Mittlerweile scheint der Gesundheitsminister wieder zurückzurudern. Laut Deutschlandfunk sagte er während des Tages der Industrie, dass normaler Schulunterricht so lange wie möglich bewahrt werden solle und Wechselunterricht nicht angestrebt werde.

Delta-Variante des Coronavirus: Kinderschützer befürchten massive Nachteile für Kinder

Düstere Aussichten für die kommenden Monate, besonders für Schülerinnen und Schüler. Denn angesichts der neuen Varianten könnte für sie vor allem eines auf dem Spiel stehen: ihre Schulausbildung. So mahnt der Kinderschutzbund dringend zu einem besseren Schutz und mehr Vorbeugung an Schulen. Politisch werde erneut nicht genug unternommen, weder gebe es bessere Digitalausstattung noch einen rechtzeitigen Einbau von Lüftungen, bemängelte der Verbandspräsident Heinz Hilgers gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Hilgers betont: „Ich fürchte, die Kinder werden erneut die Verlierer der Pandemie sein.“

„Das ist ein einziges Trauerspiel“, resümiert Hilgers. Er findet es insgesamt bedenklich, wie viele Freiheiten jetzt schon wieder gewährt werden. „Da werden Feste mit 1000 Menschen gefeiert, die Fußball-Stadien werden immer voller. Mein Rat wäre deshalb, es mit den Freiheiten nicht zu übertreiben, um im Herbst nicht in eine neue Krise hineinzurutschen“, erklärt er gegenüber dem RND.

Vierte Corona-Welle: Distanzunterricht so effektiv wie Sommerferien

Gerade der Distanzunterricht gerät mehr und mehr in die Kritik. Forscher der Goethe-Universität haben in einer Studie die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen in Schulen untersucht. Das Ergebnis ernüchtert. „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien“, erklärt Andreas Frey, einer der Verfasser der Studie, in einer Mitteilung. Besonders bei schwächeren Schülern führe der Corona-Distanzunterricht* zu Problemen, mahnte bereits vor Kurzem der stellvertretende Leiter einer Nachhilfeeinrichtung.

Auch Karl Lauterbach betrachtet diese Erkenntnisse mit Sorge. Auf Twitter betont er: „Ergebnis der Studie hat selbst Kinder nicht überrascht. Da wir nie echten Distanzunterricht aufgebaut haben lief oft das Programm: ‚Screenshot der Aufgaben‘ (sic). Wir können uns keinen Wechselunterricht mehr leisten. Kinder, die wollen, sollten geimpft werden.“ Die Meinungen anderer Experten und auch von Eltern zum Impfen von Kindern sind in Deutschland* sehr gespalten.

Delta-Variante des Coronavirus – Kinder als Verlierer: Stellungnahme der Leopoldina

Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, hat in einer Ad-hoc-Stellungnahme mehrere Empfehlungen im Kontext der Pandemie veröffentlicht. Denn die Situation von Kindern und Jugendlichen solle auch an Schulen nach der Corona-Pandemie nicht schlechter, sondern besser sein, als zuvor. Unter den sieben Stellungnahmen, finden sich auch folgende:

  • „Offenhalten von Bildungseinrichtungen unter Berücksichtigung geeigneter Schutzmaßnahmen und Ermöglichen eines Präsenzbetriebs, da für nahezu alle Kita-Kinder und Schulkinder der Präsenzbetrieb in Kitas und Schulen die effektivste Art des Lernens ist.“
  • „Beschleunigung des Ausbaus der digitalen Infrastruktur der Bildungseinrichtungen, die Hardwareausstattung, IT-Fachkräfte sowie Aus- und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte in Kitas und Schulen umfasst“

Vierte Corona-Welle vor allem für Kinder verheerend: Politiker kritisieren Regierung

Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt betonte, dass weiterhin große Vorsicht im Pandemie angebracht sei. „Deshalb ist es aber der Job der Bundesregierung, das Land auf diese Entwicklungen vorzubereiten“, erklärte sie gegenüber der Welt. Für Kinder aus einkommensschwachen Familien forderte sie zusätzliche Unterstützung mit Sprachförderung, Sport- und Erlebnisangeboten sowie besserer Beratung und Einzelfallhilfe für die Schüler.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Thomas Sattelberger, sagte, vor allem Kinder aus armen Familien müssten es jetzt ausbaden, dass die Verantwortlichen die Digitalisierung der Schulen haben schleifen lassen. (Sophia Lother) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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