Corona-Lage

Stiko ändert die Empfehlung für Corona-Impfungen: Ärzte beklagen sich

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlung für die Corona-Impfung mit Astrazeneca wegen der Delta-Variante geändert. Ärzte klagen jetzt über Mehrarbeit.

Update vom Samstag, 03.07.2021, 17.15 Uhr: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte vor kurzem unabhängig vom Alter eine Kreuzimpfung mit einem mRNA-Wirkstoff, wie Biontech/Pfizer oder Moderna, nach einer Astrazeneca-Erstimpfung empfohlen. Nun klagen etliche Hausärzte über einen „enormen Mehraufwand“. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, seien die Patienten laut Bundesvorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, bezüglich der Zweitimpfung jetzt verunsichert.

Aufgrund der Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoff, wird der Abstand zwischen den zwei Spritzen auf vier Wochen verkürzt. Allerdings bleibt die Kreuzimpfung lediglich eine Empfehlung: Wer möchte, kann sich auch ein zweites Mal mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen lassen. Die Anpassung der Impfempfehlung habe jedoch bereits in den ersten Tagen für eine erhebliche Mehrarbeit in den Praxen gesorgt. Viele Patientinnen und Patienten würde im Hinblick auf die anstehenden Sommerferien ihre Impfung vorziehen wollen.

Die Stiko empfiehlt seit kurzem eine Corona-Kreuzimpfung von Astrazeneca und Biontech oder Moderna. Ärzte beklagen nun dadurch „enorme“ Mehrarbeit.

Andere wiederum, besonders in Impfzentren, lassen ihre Termine ohne abzusagen verstreichen. Nach Angaben des Präsidenten des Berliner Roten Kreuzes (DRK), Mario Czaja, würden Berliner Impfzentren inzwischen fünf bis zehn Prozent der vereinbarten Impftermine nicht wahrgenommen werden - geahndet wird ein solches Verhalten allerdings noch nicht. Einige, darunter auch Czaja, schlagen in solchen Fällen Bußgelder von 25 bis 30 Euro vor. Das DRK in Sachsen entwickelt einem Sprecher zufolge derzeit ein Bonussystem, um die Impfbereitschaft hochzuhalten. Wer zur Impfung ins Impfzentrum kommt, soll Rabatte für Dienstleistungen oder Produkte bekommen.

Wegen Delta: Stiko ändert Corona-Impfempfehlung - Keine Zweitimpfung mit Astrazeneca

Erstmeldung vom Freitag, 02.07.2021, 8.38 Uhr: Berlin - Aufgrund der schnellen Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland passt die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Corona-Impfempfehlung an. Die als sehr ansteckend geltende Variante könnte laut dem Robert-Koch-Institut in Deutschland bereits die Hälfte aller Corona-Infektionen ausmachen. Eine vollständige Impfung durch eine zweite Impfdosis und eine starke Immunantwort gelten als wichtig zum Schutz vor einer Ansteckung mit der Delta-Variante.

Alle Personen, die bislang eine erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, sollen daher künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von Biontech oder Moderna erhalten, teilt das Gremium in einer Mitteilung mit Verweis auf einen Beschlussentwurf mit. Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis wird im Vergleich mit dem Impfabstand zwischen den Astrazeneca-Impfdosen deutlich verkürzt und soll mindestens vier Wochen betragen. Als Abstand zwischen zwei Astrazeneca-Impfdosen empfiehlt die Stiko aktuell neun bis 12 Wochen.

Die Stiko ändert ihre Impfempfehlung. Künftig sollen alle Personen nach einer ersten Astrazeneca-Impfung eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten.

Delta-Variante – Stiko ändert Empfehlung für Corona-Impfungen

Die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten sei im Vergleich zur Immunantwort nach zwei Dosen Astrazeneca „deutlich überlegen“, begründen die Expertinnen und Experten ihre Entscheidung. Bisher hatte die Stiko nur jüngeren Menschen nach einer Astrazeneca-Impfung zu einer Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff geraten. Die neue Empfehlung gelte laut dem RKI nur für Erstgeimpfte und nicht für Menschen, die bereits zwei Dosen Astrazeneca bekommen haben, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Ob und wann eine Auffrischimpfung für vollständig Geimpfte nötig ist, ist demnach noch nicht klar.

Comirnaty (BioNTech/Pfizer)3-6 Wochen
Spikevax (Moderna)4-6 Wochen
Vaxzevria (AstraZeneca)9-12 Wochen
Heterologes Impfschema (Vaxzevria/mRNA-Impfstoff)ab 4 Wochen
Quelle: rki.de

Auch bei den Impfintervallen der mRNA-Impfstoffe heißt die Stiko nun kürzere Abstände gut. Die Empfehlung gelte „vorbehaltlich der Rückmeldungen aus dem noch zu eröffnenden Stellungnahmeverfahren“, teilte die Stiko mit. Daran seien Bundesländern und Fachkreise beteiligt. Als Impfabstand zwischen den Impfdosen von Biontech/Pfizer und Moderna hatte die Stiko bislang sechs Wochen empfohlen.

Keine Zweitimpfung mit Astrazeneca – Stiko ändert Corona-Impfempfehlung

Für einen möglichst schnellen vollständigen Impfschutz kann der Zeitintervall laut der Stiko auf drei Wochen bei Biontech und vier Wochen bei Moderna verkürzt werden. Diese Zeiträume sind im Rahmen der Impfstoff-Zulassung gedeckt und wurden teils auch schon von Impfzentren oder Ärzten umgesetzt. Die bisherige Stiko-Empfehlung hatte auch mit knappen Impfstoffmengen zu tun. Die wissenschaftliche Begründung der Stiko wird nach RKI-Angaben für die nächste Woche erwartet.

Angesichts der deutlich ansteckenderen Delta-Variante sei es wichtig, die zweite Impfstoffdosis „zeitgerecht wahrzunehmen“, betont die Stiko. Der Schutz gegen die Delta-Variante scheine nach nur einer Impfstoffdosis „deutlich herabgesetzt“ zu sein. Der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta sei nach vollständiger Impfung im Vergleich zum Schutz vor anderen Corona-Varianten ähnlich gut, hieß es unter Berufung auf Daten aus dem Vereinten Königreich.

Ob eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen wird, werde weiter genau geprüft, sagte Stiko-Leiter Thomas Mertens in einem Interview für die ZDF-Sendung Maybrit Illner. Die Stiko hatte Corona-Impfungen für Kinder zunächst nur in Ausnahmefällen empfohlen. (sne/dpa)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.