Prognose zur Pandemie-Entwicklung

Corona-Inzidenz unter 50? Forscherin aus Göttingen rechnet mit enormen Rückgang

Eine Wissenschaftlerin aus Göttingen macht jetzt Hoffnung auf eine Entspannung der Infektionslage in Deutschland.

Göttingen - Die Corona-Lage in Deutschland ist weiterhin angespannt. Die Infektionszahlen, Inzidenzwerte und belegte Intensivbetten sind während der dritten Welle rapide angestiegen. Doch Forscher machen nun Hoffnung auf eine Trendwende.

Nach Einschätzung mehrerer Wissenschaftler in Deutschland werden die Corona-Fallzahlen in Deutschland kaum noch steigen. Seit Mittwoch (27.04.2021) deutet sich bei den Neuinfektionen bereits eine Abwärtskurve an. Inzidenzen von deutlich unter 50 wie im vergangenen Sommer seien wahrscheinlich in den nächsten Wochen zu erreichen, so die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Grund dafür sei vor allem der Impffortschritt. Sie warnte gleichzeitig vor zu frühen Öffnungsschritten.

Corona in Deutschland: Fallzahlen in Deutschland könnten wie in Israel und England sinken

Würde man etwas langsamer Öffnen als es der Impffortschritt vielleicht erlauben würde, „sinken die Fallzahlen, wie in Israel und England zu sehen“, sagte Priesemann bei der Anhörung. „Lockern wir aber etwas zu früh, können wir noch über Wochen volle Intensivstationen haben“, betonte sie. Gemeinsam mit drei weiteren Wissenschaftlern beantwortete Priesemann am Donnerstag im Bundestag Fragen zur weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie. Im Januar forderte die Forscherin aus Göttingen einen harten Corona-Lockdown.

Die Physikerin Viola Priesemann aus Göttingen rechnet mit einer Inzidenz von deutlich unter 50 - wenn man nicht zu schnell lockert. (Archivbild)

„Ich rechne nicht mehr mit einer Zunahme, aber auch nicht mit einer schnellen Abnahme“, so die Einschätzung des Mobilitätsforschers Kai Nagel von der TU Berlin. Von Aufenthalten in Parks, geöffneter Außengastronomie sowie Freiluftkonzerten – „mit gültigem Schnelltest oder Impfung“ – sei laut Nagel keine starke Infektionswirkung zu erwarten. Anders sehe das bei Innengastronomie, Kneipen, Clubs sowie Feiern in privaten Innenräumen aus. Er schlug bei der Anhörung als Konzept eine Zertifizierung für geeignete Innenräume je nach Nutzung vor.

Zudem sprach sich der Forscher auch für die Etablierung sozialer Normen aus - zum Beispiel, vor privaten Treffen als nette Geste Schnelltests zu machen. Impfungen, FFP2-Masken, Stoff- oder OP-Masken und Schnelltests sind laut Nagel Faktoren, die die erwartete Anzahl der Infektionen ebenso senken wie eine geringere Personendichte.

Corona-Entwicklung in Deutschland: Verbot von Großveranstaltungen effektiv

Zwei weitere Wissenschaftler antworteten bei der Anhörung im Parlamentarischen Begleitgremium Covid-19-Pandemie des Bundestags auf die Fragen der Abgeordneten. Laut Eva Grill, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, hängt die Übertragung der Infektion auch vom sozioökonomischen Status der Betroffenen an. Das Übertragungsrisiko steige, „je geringer das Haushaltseinkommen und je enger die Wohnsituation ist.“ Sie riet dazu, mobile Impfteams in sozial schwachen Stadt- oder Ortsteilen einzusetzen. Man müsse diesen Service zu den Menschen tragen, um sie zu erreichen, sagte sie.

In Großbritannien ist die Außengastronomie wieder geöffnet. Forscher rechnen wegen der Fortschreitenden Impfkampagne in Deutschland ebenfalls mit sinkenden Infektionszahlen.

Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sieht im Verbot von Großveranstaltungen den größten Einzeleffekt von Schutzmaßnahmen jenseits der Impfungen. Alles andere habe im Vergleich dazu nur eine rund halb so große Schutzwirkung, sagte er. Mit dem heutigen Wissen seien aber Differenzierungen möglich.

Mit klaren Konzepten seien kleinere Veranstaltungen draußen möglich. Das funktioniere auch in großen Sälen mit hohen Decken - aber wenig Leuten. Auch gegen Außengastronomie mit Konzepten sei für ihn wenig einzuwenden. Für Innengastronomie aber bleibe das Ansteckungsrisiko weiter zu hoch. Für Epidemiologin Grill macht ein Ausprobieren von Öffnungsstrategien bei hohen Inzidenzen noch keinen Sinn. (sne mit dpa)

Rubriklistenbild: © Jürgen Heinrich/Imago

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