Pandemie

Debatte um „Freedom Day“ in Deutschland: Laufen die Corona-Regeln bald aus?

Werden die Corona-Maßnahmen in Deutschland bald schon aufgehoben? Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung rechnet fest mit einem „Freedom Day“.

Kassel – In Großbritannien hat man im Juli 2021 bereits den sogenannten „Freedom Day“ und somit die Aufhebung jeglicher Corona-Regeln gefeiert, in Dänemark im September. Auch Island plane im November sämtliche Maßnahmen zu kippen, darüber berichtet merkur.de. Nun werden in Deutschland die Forderungen nach einem baldigen Ende der Auflagen laut.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KV), Andreas Gassen, rechne laut eigener Aussage fest damit, dass die Corona-Regeln demnächst auslaufen werden. Bereits Anfang September forderte er einen solchen Stichtag für Ende Oktober. Nun sprach er dieses Thema in einer Show des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) erneut an.

„Freedom Day“ in Deutschland? Jens Spahn plant Ende der Corona-Auflagen

„Man braucht für einen „Freedom Day“ eine Vorlaufzeit von sechs bis sieben Wochen, damit sich mehr Menschen impfen lassen können und das angesichts der Lockerungen der Maßnahmen auch tun würden“, sagte Gassen. In Deutschland sind aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge 66 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Laut Virologe Christian Drosten sei der prozentuale Anteil der Corona-Geimpften allerdings noch zu gering. Er rechnet mit einer weiteren Infektionswelle im Herbst. Wie das RKI mitteilt, steigen in Deutschland derzeit die Corona-Fallzahlen tatsächlich seit einigen Tagen wieder an.

Doch Andreas Gassen zufolge deute jetzt schon einiges darauf hin, dass ab Ende November alle Covid-Maßnahmen entfallen könnten. Zudem rechne er im kommenden Monat mit einem deutlichen Anstieg der Impfquote unter den Erwachsenen von bis zu 85 Prozent. Auch habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits angekündigt, die „epidemische Lage nationaler Tragweite“ auslaufen zu lassen. Ein Sprecher des Ministeriums habe zudem bestätigt, dass Spahn solch einen Schritt in Erwägung ziehe. Schrittweise nähere man sich damit einem „Freedom Day“ in Deutschland.

Teilnehmende der Corona-Beratungen der Länder berichteten der Bild-Zeitung zufolge, dass die epidemische Lage angesichts der aktuellen Impfquote laut Spahn schon am 25. November bundesweit beendet werden könnte. Ausschlaggebend dafür sei, dass das RKI „das Risiko für geimpfte Personen als moderat“ einschätze.

Experte warnt vor „Freedom Day“ wegen niedriger Corona-Impfquote in Deutschland

Ob zeitnah alle Corona-Auflagen aufgehoben werden sollen, entscheidet jedoch letztendlich der Bundestag. Einige Experten halten dies allerdings für fahrlässig. Unter anderem mahnt der Infektiologe Tom Lüdde in der Debatte um den „Freedom Day“ zu besonderer Vorsicht. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, sei die hohe Anzahl Ungeimpfter ihm zufolge noch zu hoch. Saisonale Effekte im Herbst und Winter könnten bei einer Beendigung der Covid-Auflagen dann zu zahlreichen Intensivpatientinnen und -patienten sowie Todesfällen führen.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KV) rechnet mit einem baldigen Ende aller Corona-Maßnahmen in Deutschland. (Symbolbild)

Laut Lüdde könne man Covid-19 ohne Risiko jetzt noch keinen „freien Lauf“ lassen. Ein „Freedom Day“, wie in Dänemark oder Großbritannien, in Deutschland käme daher im November schlichtweg noch zu früh. (Alina Schröder)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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