Corona-Pandemie

Deutschland und EU: Was Sie über den neuen, digitalen Impfpass wissen müssen

In Deutschland soll es einen digitalen Impfpass geben. EU-weit ist zur Ermöglichung von Auslandsreisen ein Zertifikat geplant. Alle Infos im Überblick.

Kassel - Der digitale Impfpass ist in Zeiten der Corona-Pandemie immer wieder im Gespräch. Dabei soll er eine zusätzliche Möglichkeit bieten, Impfungen zu dokumentieren. „Geimpfte sollen damit Informationen wie Impfzeitpunkt und Impfstoff künftig auch personalisiert bequem auf ihren Smartphones digital speichern können“, so das Bundesgesundheitsministerium.

Den gelben analogen Impfausweis wird es weiterhin geben. Die digitale Möglichkeit ist lediglich ein freiwilliges Angebot. Doch wie funktioniert der digitale Nachweis? Zunächst wird dieser in einer Arztpraxis oder einem Impfzentrum generiert. Nutzer erhalten einen 2D-Barcode, den sie entweder direkt oder später einscannen können.

Gesteuert werden kann der Impfpass dann über eine kostenfreie App auf dem Smartphone. Die Bescheinigung wird lokal auf dem Handy gespeichert und dadurch auch an das Smartphone gebunden. Der Barcode ist nur einmalig einlesbar.

Digitaler Impfpass: EU-weiter Nachweis für Corona-Schutzimpfung geplant

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufolge soll der digitale Corona-Impfpass spätestens Ende Juni einsatzbereit sein. Anspruch darauf haben alle Impfberechtigen unabhängig ihrer Staatsbürgerschaft. Es zentrales Impfregister ist dabei nicht geplant. Nach Informationen des Gesundheitsministeriums soll jeder selbst seine Daten verwalten oder löschen können.

Neben dem bundesweiten digitalen Impfpass hat die EU-Kommission einen Entwurf für ein digitales Corona-Zertifikat auf den Weg gebracht. Dadurch sollen künftig Auslandsreisen erleichtert werden. Laut Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas könnte das schon im Sommer so weit sein. Allerdings soll der Nachweis keinesfalls „Voraussetzung für die Ausübung der Freizügigkeit sein“. Neben der Information über eine mögliche Corona-Impfung sollen auch PCR- und Schnelltestergebnisse sowie Angaben über eine überstandene Covid-19-Infektion enthalten sein.

Corona-Pandemie
ErregerSars-CoV-2
KrankheitCovid-19
Erster bekannter Fall1. Dezember 2019

Corona-Nachweis für EU geplant: Zertifikat soll Urlaubsreisen erleichtern

Das sogenannte „Grüne Zertifikat“ ist für Ende Mai geplant. Das bestätigte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß (CDU). „Das heißt: Jeder Bundesbürger kann Ende Mai eine App oder eine Chipkarte bekommen. Auf einem QR-Code wird gespeichert, ob der Reisende schon eine Impfung hatte, negativ getestet wurde oder genesen ist“, sagte Bareiß am Montag (03.05.2021) im rbb-Inforadio. Kommission, Parlament und Bundesregierung nennen als frühst möglichen Zeitpunkt allerdings Ende Juni.

Am Mittwoch (05.05.2021) soll das EU-Parlament mit den Mitgliedsstaaten tagen und dann soll es anschließend in die finalen Verhandlungen gehen. Mit dem kostenlosen Zertifikat könnten die Behörden dann bei Einreise auf bestehende Test- oder Quarantänepflichten verzichten. Möglich wäre auch der Besuch von Restaurants, Kinos oder Museen. Darauf deutete auch der Bundestourismusbeauftragte Bareiß hin: „Man kann diesen QR-Code als Grundlage für viele Freiheiten wieder nehmen.“

Digitaler Corona-Impfpass: Einige Länder bieten schon jetzt Vorteile für Geimpfte

Was der digitale Impfnachweis für die Bewegungsfreiheit der Bürger bedeutet, müssen die EU-Staaten noch klären. Zudem sollen sie selbst entscheiden, ob Corona-Impfstoffe anerkannt werden, die nur in bestimmten Ländern und nicht EU-weit zugelassen sind, wie in Ungarn. Dort werden auch das russische Vakzin Sputnik V und das des chinesischen Herstellers Sinopharm verabreicht. In der gesamten EU sind die Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca* und Johnson & Johnson zugelassen.

Griechenland und Zypern haben bereits Vereinbarungen mit Israel hinsichtlich der Einreise von Geimpften getroffen. Andere EU-Staaten wie Polen und Rumänien gewähren vollständig Geimpften einige Vorteile, unter anderem bei der Einreise. Das teilt deutschlandfunk.de mit.

In Deutschland soll es spätestens bis Ende Juni einen digitalen Impfpass geben. Um im Sommer Reisen ins Ausland zu ermöglichen, ist auch ein digitales EU-Zertifikat in Zeiten der Corona-Pandemie geplant. (Symbolbild)

Nachweis für Corona-Impfung: „Grünes Zertifikat“ funktioniert bereits in Israel

In Israel gilt das „Grüne Zertifikat“ seit dem 21. Januar. Dieses ermöglicht von einer Corona-Infektion Genesenen oder Geimpften mehr Freiheiten, etwa der Besuch von Restaurants, Fitnessstudios, Schwimmbädern und Sportstätten. Reisende aus dem Ausland müssen auch nicht mehr in Quarantäne. Auch in Deutschland sollen gegen das Coronavirus Geimpfte* mehr Vorteile erhalten.

Wer einen digitalen Corona-Impfausweis hat, lässt den QR-Code durch zum Beispiel einen Flughafenmitarbeiter scannen. Mithilfe einer Überprüfungs-App kann dann geprüft werden, ob die Signatur mit einem digitalen Schlüssel aus der Liste übereinstimmt. Um das in der gesamten EU zu gewährleisten, muss jeder Mitgliedststaat die digitalen Schlüssel über eine Schnittstelle an die anderen Länder weitergeben.

Kritik um digitalen Impfpass: Sicherheitsforschering äußert Bedenken

Zunehmend werden allerdings die Sicherheit eines solchen Impfpasses kritisiert. Sicherheitsfragen seien bei der Entwicklung weitgehend unbedacht geblieben, beispielsweise bei der Datenübertragung, so zdf.de. Dadurch könne der digitale Nachweis mit nur wenig Aufwand gefälscht werden. Bereits jetzt seien im Internet zahlreiche Bestellungen für gefälschte Impfpässe entgegengenommen worden.

„Damit das System funktioniert, dürfen diese digitalen Schlüssel nicht entwendet, die IT-Systeme und Server der Spitäler und Impfzentren nicht gehackt werden und keiner, der Impfungen verabreicht, bestechlich sein - in jedem Land, das bei dem Programm mitmacht“ , erklärt Sicherheitsforscherin Carmela Tronsoco gegenüber der „Neuen Züricher Zeitung“. (Karolin Schaefer)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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