Corona-Krise

Höchststand an Corona-Intensivpatienten bald erreicht? Mediziner mit dramatischer Prognose

Die Zahl der Corona-Intensivpatienten steigt - somit auch die Auslastung der Betten. Intensivmediziner in Deutschland geben jetzt eine bedrohliche Prognose ab. 

Update vom Donnerstag, 15.04.2021, 8.26: Wegen der enormen Auslastung von Intensivstationen in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie warnt der Marburger Bund vor der Triage. Der Berufsverband für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland hält die geplante Bundes-Notbremse von Angela Merkel und der Bundesregierung für längst überfällig.

Update vom Dienstag, 13.04.2021, 11.33 Uhr: Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland erwartet die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) den bisherigen Höchststand an Intensivpatienten nun schneller als erwartet - nämlich noch im April.

Gegenüber der Augsburger Allgemeinen äußerte DIVI-Präsident Gernot Marx, dass bereits Ende April eine Größenordnung von 6000 und mehr Corona-Intensivpatienten erreicht werden würde: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir deutschlandweit jetzt jeden Tag zwischen 50 und 100 neue Covid-Intensivpatienten aufnehmen müssen“.

Die Zahl der Corona-Intensivpatienten steigt: Nun schlägt neben der Berliner Charité auch die DIVI, eine Frankfurter Virologin und der Marburger Bund Alarm. (Symbolbild)

Wegen Corona-Intensivpatienten in Deutschland: DIVI-Chef für strengen Lockdown

Derzeit seien es in Deutschland rund 4600 Corona-Intensivpatienten. Marx appelliert angesichts der dramatischen Entwicklung an die Politik, schnell bundeseinheitliche Regelungen zu treffen und einen strengen Lockdown zu verhängen. „Bis die Gesetzesmaßnahmen umgesetzt sind, und wir auf den Intensivstationen einen Effekt merken, vergehen 12 bis 14 Tage“, so der DIVI-Präsident.

Sollte die Zahl von Intensivpatienten weiter steigen, wäre dies ein „Stresstest nicht nur für die Intensivstationen, sondern für das gesamte Gesundheitssystem“, warnte Marx. Nun könnte es ganz schnell gehen, denn am Dienstag hat das Kabinett dem „Notbremse-Gesetz“ von Angela Merkel zugestimmt - nun muss das Gesetz noch Bundestag und Bundesrat passieren, dann hätte die Bundesregierung künftig mehr Rechte bei der Umsetzung bundeseinheitlicher Corona-Regeln.

Marx unterstütze auch die Forderung, den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfungen auszudehnen. Dies hat zuletzt auch SPD-Politiker Karl Lauterbach gefordert. Schwere Verläufe könnten so verhindert werden. „Wir wissen, dass etwa 12 bis 14 Tage nach einer ersten Impfung ein gewisser Schutz besteht“, sagte er. „Mehr Erstimpfungen in kürzerer Zeit könnten deshalb eine klare Entlastung der Intensivstation bedeuten, wenn sich diese Studienergebnisse in der Praxis bestätigen“.

Intensivbetten-Auslastung in Corona-Krise auf dem Höhepunkt - Experten warnen

Update vom Sonntag, 11.04.2021, 9.30 Uhr: Die Lage der Corona-Pandemie verschärft sich immer weiter - nun schlagen auch Christian Karagiannidis, der wissenschaftliche Leiter der DIVI, und die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek Alarm. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete am Samstag (10.04.2021) einen neuen „Höhepunkt der Auslastung aller Intensivbetten.“

Christian Karagiannidis schrieb auf Twitter: „Wir haben seit Beginn der Pandemie heute den Höhepunkt der Auslastung aller Intensivbetten erreicht. Das Personal bricht weg: Selbst wenn es zu einem harten Lockdown kommt, steigen die Zahlen weiter für 10-14 Tage. Es muss jetzt was passieren.“

Virologin Sandra Ciesek, hatte bereits im Vorfeld vorschnelle Lockerungen kritisiert retweetete die alarmierenden Corona-Zahlen von Karagiannidis mit dem Hinweis: „Mir fehlen die Worte - ich kann das hier nur erneut teilen“, berichtet fr.de. Auch Christian Drosten beteiligte sich erneut an der Debatte um die Intensivbetten in Deutschland und machte klar: „Dies ist ein Notruf.“ Wo im Ruhrgebiet die Intensivbetten knapp werden, erklärt Ruhr24.*

Zahl der Corona-Intensivpatienten steigt enorm - Charité in Berlin warnt vor „kritischer Situation“

Update vom Samstag, 10.04.2021, 14.13 Uhr: Zahlreiche Intensivmediziner sind derzeit über die aktuelle Corona-Lage in Deutschlands Krankenhäusern besorgt. Besonders die Berliner Charité beunruhigen die Entwicklungen in der dritten Welle der Pandemie. „Wenn die Anzahl schwer kranker Covid-Patienten die zweite Welle übertrifft, kommen wir in eine kritische Situation“, sagte Martin Kreis, Vorstand für die Krankenversorgung in der Uniklinik.

Wie Ntv berichtet, habe die Charité bereits Anfang des Jahres aufgrund der hohen Anzahl an schweren Covid-19-Fällen in Intensivstationen die Belastungsgrenze überschritten. Daher konnten nicht alle Patienten aus überlasteten Kliniken anderer Bundesländer aufgenommen werden. Doch Bürger Berlins sollen auf keinen Fall vernachlässigt werden. „Wir werden weiter alles daran setzen, Patienten aus der Region auch in Berlin zu versorgen“, so Kreis.

Drastischer Anstieg der Corona-Intensivpatienten - Berliner Charité an der Belastungsgrenze

In den letzten Wochen seien die Zahlen der Neuzugänge auf den Intensivstationen der Charité enorm angestiegen. Besonders betroffen sei die Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren. Eine Reserve-Intensivstation wurde nun wieder vollständig geöffnet und nicht dringende sowie planbare Operationen aufgeschoben. Ein großer Teil des Krankenhaus-Personals wurde bereits geimpft, doch bei einigen Mitarbeitern gebe es Anzeichen von Erschöpfung und Trauer über die Corona-Toten. Schließlich seien laut Kreis bisher rund ein Drittel der beatmeten Patienten verstorben.

Notfall-Mediziner haben aufgrund der steigenden Infektionszahlen vor einer drohenden Überbelastung in Berliner Intensivstationen gewarnt. In Berlin seien in den vergangenen drei Wochen 100 zu beatmende Patienten in die Intensivstationen eingeliefert, weshalb die Anzahl auf insgesamt 280 wächst (Stand: 10.04.2021). Allein in der Charité, in der die schwersten Fälle behandelt werden, befinden sich 90 davon.

„Es brennt, jeder Tag zählt“: Intensivmediziner fordern harten Corona-Lockdown

Update vom Freitag, 09.04.2021, 11.53 Uhr: „Es ist eine sehr enttäuschende Situation, dass die Ministerpräsidentenkonferenz abgesagt wurde“, sagt Gernot Marx, Chef der deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) . „Wir brauchen Entscheidungen. Wir brauchen einen harten Lockdown, mindestens zwei bis drei Wochen.“ Am Freitag wurde bekannt, dass der Corona-Gipfel von Angela Merkel und den Länderchefs, der für Montag geplant war, abgesagt wurde.

„Es brennt. Die Lage ist sehr dramatisch. Jeder Tag zählt“, sagt der Divi-Chef eindringlich. In der dritten Welle gebe es einen ungebremsten und dramatischen Anstieg von Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Und die würden immer jünger. Aktuell liege das Alter zumeist zwischen 40 und 70. Bei den unter 50-Jährigen sterbe jeder fünfte Intensivpatient, bei den Älteren im Schnitt jeder zweite, sagte Marx. Portugal und Griechenland hätten gezeigt, dass ein harter Lockdown einen positiven Effekt habe.

Wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen würden, wachse die dritte Pandemiewelle über die zweite hinaus, mahnte Marx. Wie die dpa berichtet, rechne die Divi bis Ende April bundesweit mit mehr als 5000 Covid-Patienten. „Die Kliniken gehen in einen katastrophenähnlichen Zustand“, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters. 500 Kliniken in Deutschland könnten bereits jetzt schon keine Covid-Patienten mehr aufnehmen.

Intensivmediziner schlagen Alarm: „Dies ist ein Notruf“ – Virologe Drosten teilt alarmierenden Bericht

Erstmeldung vom Donnerstag 08.04.2021, 13.07 Uhr: Kassel - „Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor Ihr reagieren wollt?“ Diese eindringlichen Worte schreibt der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, auf Twitter. Städte wie Bonn, Bremen und Köln hätten kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Corona-Patienten, fügt er an. Der Charité-Virologe Christian Drosten leitete den Tweet des Intensivmediziners am Donnerstag bei Twitter mit dem Kommentar „Dies ist ein Notruf“ an seine mehr als 700.000 Follower weiter.

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Die dritte Welle hat Deutschland fest im Griff - und die Zahlen der Covid-Patienten steigen kontinuierlich an. Am Donnerstag (08.04.2021) meldete das RKI nach den Osterfeiertagen wieder einen rasanten Anstieg mit über 20.000 Neuinfektionen. Aktuell werden mehr als 4400 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt (Stand 07.04.2021), davon müssen über die Hälfte (rund 2500) invasiv beatmet werden, berichtet fr.de*. Von den insgesamt etwa 20.800 Intensivbetten in Deutschland sind aktuell noch 3100 frei, das geht aus dem täglichen Report des Divi-Intensiv-Registers hervor.

Corona in Deutschland: Intensivmediziner in Sorge – bald keine Intensivbetten mehr?

In der zweiten Welle zu Jahresbeginn wurden in der Spitze 5800 Covid-Erkrankte auf Intensivstationen behandelt. „Wenn das so weiter geht, werden wir in Kürze auch leider Gottes über 5000 Covid-19 Patienten haben“, sagt der ehemalige Divi-Präsident Uwe Janssens am Mittwoch den Sendern RTL und NTV, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Ab einer Zahl von 5000 bis 6000 Intensivpatienten könne es sein, dass einige Krankenhäuser wieder auf den Notbetrieb umstellen müssten. Berlins Universitätsklinikum Charité kündigte am Donnerstag bereits an, ab kommender Woche wieder die Zahl planbarer Eingriffe zurückzufahren.

Corona in Deutschland: Intensivmediziner fordern dringend einen harten Lockdown

Als Nadelöhr bei der Versorgung gilt vor allem die Verfügbarkeit von Pflegepersonal. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die die Belegungszahlen täglich herausgibt, warnt seit vielen Wochen vor den Folgen der hohen Corona-Infektionszahlen und forderte zuletzt einen harten Lockdown.

Den wünscht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel - laut einer Recherche der Bild soll bereits an einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes gearbeitet werden, damit der Bund künftig mehr Kompetenzen erhält und einheitliche Regelungen durchsetzen kann. Manche Länderchefs empfinden das Vorgehen als Drohung seitens Angela Merkel und sind wütend und empört über den Lockdown-Plan der Kanzlerin. (dir mit dpa) *fr.de und ruhe24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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