Dritte Welle

Corona-Welle: Mediziner warnen vor Katastrophe - Intensivstationen bald voll?

Mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen warnen Mediziner vor einer Überlastungen der Intensivstationen. Seitens der Krankenhausgesellschaft gibt es dafür Kritik.

Kassel – Nachdem Christian Karagiannidis bereits im März auf die drohende Gefahr der dritten Corona-Welle* aufmerksam gemacht hatte, legt der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters nun nach. Der Mediziner warnt vor einer Überfüllung der deutschen Intensivstationen binnen vier Wochen.

„Seit Mitte März sind unterm Strich 1000 Intensivpatienten zusätzlich in den Krankenhäusern gelandet. Wenn sich diese Geschwindigkeit fortsetzt, sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte Karagiannidis der Rheinischen Post. Aktuell seien in Deutschland noch 1500 Intensivbetten für Corona-Patienten frei.

Mediziner fordern harten Corona-Lockdown in Deutschland

„Wir malen keine Schreckensbilder, unsere Warnungen sind von den Zahlen gedeckt. Es braucht jetzt dringend einen harten Lockdown für zwei Wochen, verpflichtende Tests an Schulen zweimal in der Woche und deutlich mehr Tempo bei den Impfungen in den Zentren und Arztpraxen“, so Karagiannidis, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin ist.

Während die Corona-Zahlen in Deutschland steigen, warnen Mediziner vor Überlastungen der Intensivstationen. (Symbolfoto)

Ebenfalls gegenüber der Rheinischen Post äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß. Dieser wiederum kritisiert Aussagen wie die von Karagiannidis und bezeichnet diese als „Schreckensszenarien“. Solche Äußerungen würden laut Gaß „weder in der Politik noch in der Bevölkerung zu den damit wahrscheinlich beabsichtigten Reaktionen“ führen.

Intensivstationen in Deutschland deutlich höher belastet als zur ersten Welle

Das Divi-Register hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass die derzeitige Belastung der Intensivstationen bereits zum letztwöchigen Zeitpunkt so hoch gewesen sei, wie selbst zu den heftigsten Zeiten der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 nicht. Dies sei besorgniserregend, da die Zahl der belegten Intensivbetten sich noch steigern dürften.

Virologen warnten wiederholt davor, dass das Impfen der ältesten Jahrgänge allein noch keine Entspannung für die Krankenhäuser in Deutschland bringe. Denn schon in der ersten Welle war lediglich etwa ein Viertel der Intensivpatienten über 80 Jahre alt. So starben etwa viele Altenheimbewohner in ihren Einrichtungen und befanden sich nicht auf Intensivstationen. (Nail Akkoyun) *hna.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Max Stein/Imago

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.