Corona-Lockerungen in Deutschland

Kritik an Spahns Plänen: Große „Verunsicherung“ durch neue Inzidenzmarke

Eine 7-Tage-Inzidenz von 20 für einen unbeschwerten Corona-Sommer: Das strebt Jens Spahn an. Auch sein Vorstoß zur Impfpriorisierung stößt auf Kritik.

Kassel/Berlin – Die Corona-Fallzahlen in Deutschland zeigen weiterhin einen Abwärtstrend. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz liegt am Dienstag (25.05.2021) bei 58,4. Laut Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollte Deutschland für einen unbeschwerten Sommer und weitere Corona-Lockerungen eine Inzidenz von unter 20 erreichen – ähnlich wie im vergangenen Jahr. „Das sollten wir wieder anstreben“, sagte der Minister der Bild-Zeitung. Dieser Vorstoß erntet nun jedoch massiv Gegenwind.

„Mit seinen Spekulationen verbreitet Herr Spahn nur öffentliche Verunsicherung“, erklärte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer gegenüber der Zeitung Welt. „Die Intensivbetten leeren sich, die schweren Verläufe werden deutlich seltener. Die Gefährdungslage aus einer spezifischen Zahl, sei es 20, 35, 50 oder 100, ist inzwischen eine ganz andere, als das noch Anfang des Jahres der Fall war“, so Theurer

Corona in Deutschland: Linksfraktion sieht Spahn-Vorschlag skeptisch

Auch die Linke zeigte sich wenig begeistert von Spahns Idee und übt scharfe Kritik. Linkenfraktionschefin Amira Mohamed Ali forderte „konkrete Problemlösung anstatt schwurbeliger Ankündigungen.“ Probleme würden sich vor allem auf ineffektive Testsituationen in Schulen, Wechselunterricht sowie den Mangel an Corona-Impfstoff beziehen, so die Fraktionschefin. „Willkürliche Inzidenz-Ziele aus dem Hut zu zaubern, hilft erst einmal niemandem“, ergänzte sie. Gleichzeitig kritisierte sie „ein auf Profit getrimmtes und unterfinanziertes Gesundheitssystem, dem die Pflegekräfte weglaufen.“

Für einen unbeschwerten Corona-Sommer: Jens Spahn strebt eine Inzidenz in Deutschland von 20 an.

„Allein auf die Inzidenz zu schauen, wird in den nächsten Wochen nicht reichen“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt etwas zurückhaltender. Dennoch halte sie die Strategie, niedrige Infektionszahlen zu erreichen, grundsätzlich für richtig., betonte sie

ErregerSars-CoV-2
KrankheitCovid-19
Erklärung zur Pandemie11. März 2020

Das Infektionsschutzgesetz solle allerdings keinesfalls geändert werden, betonte Unionsfraktionsvize Stephan Stracke von der CSU. Die festgesetzten Grenzwerte von 100, 50 und 35 sollten weiterhin bestehen bleiben. Dennoch vermeide man mit einem niedrigen Inzidenzwert Situationen, „in denen Öffnungsschritte bei Überschreiten der gesetzlichen Grenzwerte wieder zurückgenommen werden müssen.“

Corona: Aufhebung der Impfpriorisierung in Deutschland „sofort zurücknehmen“

Auch die Kritik zur Aufhebung der Impfpriorisierung in Deutschland reißt nicht ab. „Bei gerade jetzt knappen Vakzinen für Impfberechtigte der Priorität zwei und drei wächst die Verzweiflung“, äußerte sich Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, gegenüber der Zeitung Rheinische Post kritisch. Eine verantwortungsvolle Politik müsse nach seinen Angaben die Aufhebung der Priorisierung für Corona-Impfungen am 7. Juni „sofort zurücknehmen“.

„Es kann nicht sein, dass Patienten mit Krebs, Bluthochdruck, Asthma oder Diabetes immer noch keinen Impftermin haben“, kritisierte Brysch weiter. Spahn könne den aktuellen Bedarf an Impfdosen aktuell nicht decken. (Karolin Schaefer)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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