Pandemie

Corona in Deutschland: Wann endet die Maskenpflicht?

Seit mehr als einem Jahr muss in Deutschland ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Inzidenzen sinken, nun kommt die Frage auf: Wann entfällt die Maskenpflicht?

Kassel – Im März 2020 informierten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Professor Wieler gemeinsam über die Corona-Pandemie in Deutschland. Das ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her. Seitdem hat sich vieles geändert. Während zu Beginn der Pandemie noch Abstand und Händewaschen als die wichtigsten Maßnahmen gegen das Virus galten, sind es nun FFP2-Masken und Impfungen.

Vor mehr als einem Jahr sagte Jens Spahn (CDU), dass Schutzmasken nicht jeder brauche. Anfang April 2020 wollte die deutsche Politik auch noch nichts von einer Maskenpflicht wissen. In diesem Punkt seien sich Bund und Länder einig, verkündete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) damals.

Mund-Nasen-Schutz: Wann entfällt die Corona-Maskenpflicht in Deutschland?

Mund-Nasen-Schutz in der Corona-Pandemie in Deutschland: Erst Stoff- dann FFP-2-Masken

Dann wurden immer mehr Stoffmasken genäht, weil die industriell gefertigten Masken rar und teuer waren. Mehr und mehr Menschen trugen Schals, Tücher und selbstgenähte Masken um sich vor Covid-19 zu schützen. Jetzt ein Jahr später und um einige Erkenntnisse weiser sieht die Lage anders aus. Die selbstgenähten Masken sind mittlerweile passé – und werden wohl auch nie wieder genutzt.

Mit den einzelnen Corona-Wellen verschärfte die Politik die Auflagen, medizinische und FFP2-Masken wurden Pflicht. Die neuen Verordnungen trafen in Deutschland teilweise auf Unverständnis. In einigen Städten gingen Menschen auf die Straße und demonstrierten. Angesichts sinkender Inzidenzwerte und im Hinblick auf den Sommer wird nun bei vielen der Ruf nach dem Ende der Maskenpflicht laut. Auch in anderen Ländern wie in den USA wurde die Maskenpflicht gelockert. Wer vollständig gegen das Virus geimpft ist, muss fortan im Freien und in Innenräumen keine Maske mehr tragen.

Abschaffung der Corona-Maskenpflicht in Niedersachsen gescheitert

Die Reaktionen auf das zeitweise Vorhaben von Niedersachsen, die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 fallenzulassen, zeigen allerdings: So schnell wird das wohl nichts. Nach breiter Kritik auch aus der Bundesregierung machte das Land einen Rückzieher. Und aus Expertensicht ist dies auch gut so. „Frühestens, wenn wir Impfquoten von 70 bis 80 Prozent erreicht haben, könnte man darüber nachdenken“, sagt der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen. Damit meint er vollständig Geimpfte. „Wir haben immer noch eine Pandemie mit einem unklaren weiteren Verlauf unter anderem durch Virusvarianten.“

Der eingeschlagene Weg sollte aus Webers Sicht beibehalten werden. „Eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel wäre gerade das völlig falsche Signal und sehr kurzsichtig gedacht.“ Zumal der Aufwand, Maske zu tragen, gering sei – der Gewinn für die Pandemie-Bekämpfung hingegen groß. „Die Maske tut doch niemandem weh“, betont Weber. Zudem liegt, einer im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie des Virologen Christian Drosten, das Maximum der Virusausscheidung ein bis drei Tage vor Beginn der Symptome. Der Infizierte merkt also noch gar nicht, dass er krank ist und andere anstecken könnte. Eine Maske kann da viel ungewolltes Ungemach verhindern.

Mund-Nasen-Schutz: Wann entfällt die Corona-Maskenpflicht in Deutschland?

Außerdem ist die Infektionsgefahr in Innenräumen nach Einschätzung von Aerosolforschern deutlich höher als an der frischen Luft. Daher sollte die Maskenpflicht nach Meinung von Gerhard Scheuch, dem früheren Präsidenten der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, auch zuerst bei Outdoor-Aktivitäten wie etwa Zoobesuchen aufgehoben werden, bevor man den Einzelhandel wie kleine Souvenirläden angeht.

Auch in großen Theatern und Museen, Freibädern, Schwimm- und Sporthallen sei das Ansteckungsrisiko nicht so hoch, weil dort sehr viel Raum und Luft seien. „Da reicht die Aerosolkonzentration kaum aus, um andere zu gefährden.“ Doch auch dabei gibt es Tücken – denn selbst in vermeintlich Frischluft-durchfluteten Freibädern gibt es enge Umkleiden. „Da muss man schauen, dass die super belüftet sind.“

Mund-Nasen-Schutz: Wann entfällt die Corona-Maskenpflicht in Deutschland nun?

Gerade in kleinen, engen, unbeelüfteten Räumen sei die Gefahr am höchsten, sagt Scheuch. Als weiteres Beispiel nennt er Aufzüge. „Hier sind oft nur zwei bis vier Kubikmeter Luft. Wenn Leute drin sind, noch weniger.“ Schon während einer kurzen Fahrt könne man sich anstecken, auch wenn man alleine ist. „Die Wolke bleibt drin.“

Daher sollten wir uns wohl oder übel darauf einstellen, dass die Maskenpflicht wohl noch eine ganze Weile gilt. Der Leiter des Forschungsbereichs Pneumologie an der Charité Berlin, Christian Witt, prognostiziert: „Masken werden eine wichtige Schutzmaßnahme gegen Sars-CoV-2-Infektionen bleiben – sogar für geimpfte Personen, speziell, wenn der Impfschutz mit der Zeit nachlässt.“ (Luisa Ebbrecht mit dpa)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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