Handel muss sich umstellen

Media Markt, Douglas und Co.: Hunderttausende Läden vor dem Aus - Drohen leere Innenstädte?

Unter der Corona-Pandemie leiden sogar große Ketten wie Media Markt und Saturn. Experten befürchten jetzt drastische Veränderungen in deutschen Innenstädten.

Kassel - Große Handelsketten wie Media Markt, Saturn, Douglas oder auch Esprit zieren seit Jahren die deutschen Innenstädte. Aufgrund der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Boom des ohnehin schon starken Onlinehandels dürften künftig allerdings immer mehr Lücken in viele Stadtbilder gerissen werden.

Wie nun bekannt wurde, plant die Media-Markt-Saturn-Gruppe, Deutschlands größter Elektronikhändler, bis zum Herbst nächsten Jahres 13 seiner insgesamt 419 Märkte zu schließen. Damit würden bis zu 1000 Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Wie merkur.de berichtet, erklärte dies die Geschäftsführung des Unternehmen in einem Brief an die Mitarbeiter.

Während Corona: Immer mehr Online-Kundschaft bei Media Markt und Saturn

Das Einkaufsverhalten sei durch die Corona-Pandemie nachhaltig verändert worden, begründet die Geschäftsleitung die Einschnitte. Demnach würden immer mehr Kunden ihre Einkäufe im Internet erledigen. Laut einem Unternehmenssprecher sei in Deutschland zuletzt mehr als die Hälfte des Umsätze von Media Markt und Saturn online gemacht worden.

„Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Geschäftsführung unumgänglich, von den derzeit 419 Märkten in Deutschland voraussichtlich 13 Märkte zu schließen“, heißt es in dem Schreiben. Daher sei man gezwungen, Anzahl und Größe der Filialen entsprechend anzupassen. Von Schließungen betroffene Märkte seien nach sorgfältiger Analyse nicht dauerhaft wirtschaftlich rentabel.

In deutschen Innenstädten stehen viele Geschäfte vor dem Aus. Auch einzelne Filialen von großen Ketten wie Douglas und Media Markt sind betroffen. (Symbolfoto)

Nicht nur Media Markt: Auch Douglas spürt die Auswirkungen der Corona-Pandemie

Doch auch andere Händler müssen den Gürtel enger schnallen. Deutschlands größte Parfümeriekette, Douglas, plant beinahe jede siebte Filiale im Land zu schließen. Konkret würde dies für 60 der mehr als 430 Parfümerien das Aus bedeuten. Genau wie die Media-Markt-Saturn-Gruppe reagiert man damit auf die Verlagerung der Umsätze. Generell schwebt Douglas-Chefin Tina Müller laut businessinsider.de eine Digitalisierung vor: Weg von den stationären Läden und hin zum Online-Handel.

Für rund 600 Menschen würde diese durch die Corona-Pandemie ins Rollen gebrachte Umstrukturierung aber auch einen Jobverlust bedeuten. Ketten wie Galeria Karstadt Kaufhof, Esprit oder Gerry Weber mussten ihr Filialnetz hingegen bereits im vergangenen Jahr, teilweise im Rahmen von Insolvenzverfahren, kräftig ausdünnen, so merkur.de.

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Media Markt, Douglas und Co.: Forschende erwarten veränderte Innenstädte nach Corona

Viele Experten gehen davon aus, dass neben Douglas, Saturn und Media Markt auch viele weitere Ketten betroffen sein werden. Durch die Corona-Pandemie habe sich der Strukturwandel im Handel um rund sieben bis acht Jahre beschleunigt, heißt es in einer aktuellen Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). „Bis zu einem Fünftel der stationären Läden“ werden laut Kölner Forschenden bis 2023 ihre Pforten schließen müssen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet sogar für bis zu 120.000 Geschäfte den endgültigen Schlussstrich.

Weiter gehen Branchenkenner davon aus, dass sich deutsche Innenstädte in den kommenden Jahren dramatisch verändern werden. Auch in Kassel rechnet man damit. Wo heute noch pure Einkaufsstraßen dominieren, könnte schon bald ein bunter Mix aus Einkaufen, Wohnen, Gewerbe, Kultur und Bildung entstehen. Das hält zumindest Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, für nötig. Das Modell der Innenstadt habe noch lange nicht ausgedient, „aber es wird anders aussehen“, so Genth. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Marcel Lorenz/Imago

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