News-Ticker

Corona in Deutschland: Sprunghafte Urlaubsbuchungen bereiten Sorgen - Bundesregierung warnt

Wegen steigender Corona-Zahlen ruft die Bundesregierung in Deutschland zum Verzicht von Urlaubsreisen auf. Alle Informationen im News-Ticker.

  • Die Impfungen gegen Corona in Deutschland kommen nur langsam voran.
  • Das Risiko einer starken Zunahme der Corona-Fallzahlen ist laut RKI in Deutschland deutlich erhöht.
  • Intensivärzte fordern sofortige Rückkehr zum Lockdown.
  • Dieser Ticker zu Corona in Deutschland ist beendet, folgen Sie dem Link für aktuelle Informationen.

+++ 21.29 Uhr: Die Corona-Fallzahlen steigen wieder sprunghaft in Deutschland. Gleichzeitig wird der Impfstoff von Astrazeneca ausgesetzt, was die geplanten Impfungen bundesweit verlangsamt. Deshalb hat die Bundesregierung zum Verzicht auf Urlaubsreisen aufgerufen. Grund dafür seien die zahlreichen Buchungen für das beliebte Reiseziel Mallorca. Die Insel gilt nicht mehr als Risikogebiet.

„Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten“, äußerte sich Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Auch Maria Adebahr, Sprecherin des Auswärtiges Amts, warnt: „Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen.“

Reiseforscher Jürgen Schmude glaubt, dass die zahlreichen Urlaubsbuchungen für das Feriendomizil Mallorca „ein zweites Ischgl“ sein könnten. „Grundsätzlich ist dieser Ansturm eine Katastrophe. Wir haben gesehen, was bei Reise-Großereignissen passieren kann - Stichwort Ischgl“, erklärte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Corona-Reisewarnung ist aufgehoben. Die Nachfrage zu Flügen nach Mallorca ist sprunghaft angestiegen. Die Bundesregierung in Deutschland warnt dennoch vor Reisen (Symbolbild).

Corona in Deutschland: Intensivärzte fordern sofortigen Lockdown

Update vom Montag, 15.03.2021, 13.23 Uhr: Deutschlands Intensivärzte fordern wegen steigender Corona-Zahlen eine sofortige Rückkehr zum Lockdown. „Von den Daten, die wir jetzt haben und sehen und mit dem Durchsetzen der britischen Mutante würden wir sehr stark dafür plädieren, jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen, um einfach eine starke dritte Welle zu verhindern“, sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, am Montag im rbb-Sender „Radioeins“. DIVI ist die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Karagiannidis sagte, er hoffe sehr, dass die Länder die beschlossene Notbremse eines Inzidenzwerts von 100 durchsetzen. Bund und Länder hatten sich auf eine Rückkehr in den Lockdown geeinigt, wenn in einer Region die Zahl der Neuinfektionen wieder die Marke von 100 pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen erreicht. „Ansonsten würden wir jetzt noch einmal 5000, 6000 Patienten auf der Intensivstation sehen“, sagte Karagiannidis.

Corona in Deutschland: Immer mehr Menschen suchen sich Hilfe beim Psychotherapeuten

Update vom Montag, 15.03.2021, 9.25 Uhr: Nach Einschätzung der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK) suchen wieder mehr Menschen Hilfe bei Psychotherapeuten. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 war es zunächst zu einem Rückgang bei Beratungen gekommen. Jetzt meldeten die Psychotherapeuten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuletzt wieder mehr Beratungen, wie die OPK laut der dpa mitteilte. Konkrete Zahlen sollen aber erst im April vorliegen.

Einen Anstieg registrierten demnach insbesondere Kinder- und Jugendpsychologen. „Häufig ging es um Fragen des Kinderschutzes, zum Beispiel, wenn es zu Gewalt in der Familie kam“, sagte OPK-Sprecherin Antje Orgass. „Vermutlich, weil andere Institutionen wie Schulen und Kitas und Beratungsstellen, die nur eingeschränkt arbeiten konnten, fehlten.“ Doch auch in der Erwachsenentherapie haben die Stellen der Pressemitteilung zufolge einen Anstieg gemeldet. Dabei müsse es sich aber nicht immer um Psychotherapie handeln, so Orgass. „Viele Menschen brauchen während der Corona-Pandemie einfach mal einen Rat.“

Corona in Deutschland: Mehr Beratungen für Kinder und Jugendliche

Ende April 2020 hatte eine Umfrage der Kammer unter fast 1200 Mitgliedern ergeben, dass die Zahl der Anfragen in mehr als die Hälfte der Praxen gesunken ist. Viele Therapien seien unter- oder sogar abgebrochen worden. Die Kammer führt diesen Rückgang auf eine allgemeine Verunsicherung zurück, ob die Therapeuten ihre Leistung nach anbieten.

Im zweiten Quartal 2020 hatte auch die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg einen Einbruch bei psychotherapeutischen Behandlungen registriert, sagte Sprecher Christian Wehry. Vor allem Gruppentherapien hätten zum Vergleichszeitraum im Vorjahr um zwölf Prozent abgenommen. Zahlen für die Entwicklung in den ersten Monaten dieses Jahres lagen zunächst nicht vor.

Corona in Deutschland: Virus-Übertragungen nehmen rasch zu - Bundesländer reagieren auf Astrazeneca-Kürzungen

+++ 23.17 Uhr: Die Zahl der Übertragungen von Sars-CoV-2 in der Bevölkerung nimmt in Deutschland deutlich zu, das teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Lagebericht vom Sonntagabend (14.03.2021) mit. In den letzten Tagen habe sich der Anstieg der Fallzahlen deutlich beschleunigt. „Das Risiko einer weiteren starken Zunahme der Fallzahlen ist deutlich erhöht“, betont das RKI.

Der 7-Tage-R-Wert in Deutschland liegt am Sonntagabend (14.03.2021) bei 1,19, ebenso wie am Vortag. Dieser Wert spiegelt das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen. Rein rechnerisch bedeutet der Wert, dass 100 Infizierte 119 weitere Menschen anstecken. Die 7-Tage-Inzidenz stieg am Sonntag (14.03.2021) in Deutschland auf 79 (Vortag 76,1).

Das Risiko einer starken Zunahme der Corona-Fallzahlen ist laut RKI in Deutschland deutlich erhöht. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), bereiten besonders die Mutationen Sorgen.

Corona in Deutschland: Bundesländer reagieren auf die Lieferschwierigkeiten von Astrazeneca

Unterdessen haben mehrere Bundesländer Konsequenzen aus den Kürzungen der Impfstofflieferungen durch den Pharmakonzern Astrazeneca angekündigt. Thüringen stoppte die Terminvergabe für Impfungen und verschob den geplanten Start von Impfungen bei Hausärzten. Auch in Hamburg können unter 80-Jährige nun keine Impftermine mehr vereinbaren, teilt die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag (14.03.2021) mit.

In Berlin sollen neue Impftermine gestreckt werden, wie ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung sagte. In Brandenburg sollen alle bisher online gebuchten Impftermine stattfinden - die längerfristigen Folgen seien aber noch offen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Astrazeneca hatte am Freitag (12.03.2021) angekündigt, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern. Der Konzern begründete dies unter anderem mit Exportbeschränkungen anderer Länder.

Corona in Deutschland: Ausschreitungen in Dresden - Zahl der Verletzten steigt - Fast 1000 Platzverweise

Update vom Sonntag, 14.03.2021, 10.28 Uhr: Die Polizeidirektion Dresden hat mittlerweile die abschließenden Zahlen zum gestrigen Polizeieinsatz (13.03.2021) veröffentlicht. Bei einer „Querdenken“-Demonstration in Dresden kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Demonstration fand trotz Verbot statt.

Insgesamt wurden während des Einsatzes 12 Polizisten verletzt. Es kam des Weiteren zu 47 Straftaten: Bei diesen handelte es sich in 17 Fällen um „Widerstand gegen Vollzugsbeamte“. Außerdem gibt die Polizei Dresden an, das es zu sieben Beleidigungen, zwei Verstößen gegen das Waffengesetz und zwei Verstößen gegen das Versammlungsgesetz kam. In 943 Fällen wurden Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstößen gegen die sächsische Corona-Schutz-Verordnung eingeleitet.

Corona in Deutschland: Fast 1000 Platzverweise in Dresden

In Dresden wurden bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen ganze 915 Platzverweise ausgesprochen, so die Polizei Dresden. Nach Angaben der Polizei wurde ein 36-Jähriger in Gewahrsam genommen. Zudem kam es zu drei vorläufigen Festnahmen. Hier wurden drei Deutsche im Alter von 16, 41 und 50 Jahren festgesetzt.

  • Zusammenfassung Polizeieinsatz in Dresden am 13.03.2021:
  • Verletzte Polizisten: 12
  • (Vorläufige) Festnahmen: 3
  • Ingewahrsamnahmen: 1
  • Platzverweise: 915
  • Verstöße gegen die Corona-Verordnung: 943
  • Straftaten: 47

Allen drei Personen wird nach Polizeiangaben tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Der 41-Jährige wurde von der Polizei zudem als Wortführer einer Gruppe ausgemacht, welche von Polizeikräften gestoppt werden musste.

Deutschland während Corona: Gewalt und Beleidigungen bei „Querdenken“-Demonstration in Dresden.

Corona in Deutschland: Inzidenz von 350? RKI mit heftiger Oster-Prognose

+++ 21.04 Uhr: In Dresden haben sich am Samstag (13.03.2021) trotz des Verbots einer „Querdenken“-Demonstration nach Polizei-Angaben hunderte Kritiker der Corona-Maßnahmen in der Stadt versammelt. „Wir waren seit den frühen Morgenstunden unterwegs, um das Versammlungsverbot durchzusetzen“, sagte ein Polizeisprecher. In der Innenstadt lieferten sich die Demonstranten mit den Polizisten teils ein „Katz-und Maus“-Spiel - mehrmals wurden Polizeiketten überlaufen.

Vier Polizisten wurden nach Polizeiangaben vom Samstagabend (13.03.2021) verletzt. Zudem wurden bisher 32 Straftaten registriert - unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Beleidigung. Insgesamt wurden 49 Platzverweise erteilt sowie knapp 400 Anzeigen wegen Verstoßes gegen die sächsische Corona-Schutzverordnung gefertigt. Die Zahl werde sich noch erhöhen, weil am Abend noch rund 200 Menschen an der Magdeburger Straße kontrolliert wurden, hieß es.

Auch in Stuttgart kam es während einer „Querdenken“-Demonstration zu Ausschreitungen und Angriffe auf Pressevertreter.

Corona in Deutschland: Inzidenz von 350? RKI mit heftiger Oster-Prognose

+++ 14.28 Uhr: Die Corona-Lage ist in Deutschland nach wie vor angespannt. Derzeit liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 76,1. Zum Vergleich: Am Vortag hatte die Inzidenz noch bei 72,4 gelegen. Das Robert-Koch-Institut warnt nun, dass die dritte Welle der Pandemie bereits begonnen hat.

RKI-Chef Lothar Wieler hält die Coronavirus-Mutationen weiterhin für besonders „besorgniserregend“, da sie „möglicherweise zu höherer Ansteckungsfähigkeit mit schnellerer Ausbreitung oder zu begrenzter Wirksamkeit einer Komponente der Immunantwort führen können“.

Corona in Deutschland: Britische Mutante weiter auf dem Vormarsch

Die sogenannte britische Corona-Mutante B.1.1.7 ist demnach weiter auf dem Vormarsch in Deutschland. Sie wurde in allen Bundesländern nachgewiesen. In der vergangenen Woche gingen nach RKI-Angaben knapp 55 Prozent der untersuchten positiven Proben auf die britische Variante zurück. Vor drei Wochen lag der Anteil noch bei 22 Prozent.

Nach Angaben des RKI steigt die isolierte Inzidenz der Variante B.1.1.7 seit der Kalenderwoche zwei exponentiell an. Etwa alle zwölf Tage habe sich diese Inzidenz verdoppelt. Demgegenüber würden die Inzidenzen aller anderen Varianten sinken. Diese Trends überlagern sich, „was insgesamt zu der nur langsam ansteigenden 7-Tage-Inzidenz der letzten 4 Wochen (Kalenderwoche 06 bis 09) führte“, so das RKI.

Corona in Deutschland: 7-Tage-Inzidenz von 350?

Ab dieser Woche erwartet das RKI nun, dass sich ein „deutlich steilerer Anstieg (der Inzidenz, Anm. d. Red.) zeigen wird“. Bereits in Kalenderwoche 14 nach Ostern (5. April bis 11. April) rechnet das RKI damit, dass die Corona-Fallzahlen über dem Niveau von Weihnachten sind. Für die Woche ab dem 12. April hält das RKI demnach eine 7-Tage-Inzidenz von um die 350 für möglich - wobei der Wert je nach Verlauf von 220 bis 500 schwanken kann.

Laut einer Berechnung vom Spiegel würde dies knapp 41.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag entsprechen. Natürlich sind in dieser Prognose keine Lockdown-Lockerungen miteinbezogen. Es handelt sich hierbei lediglich um eine mathematische Rechnung auf Basis der bisherigen Zahlen.

RKI-Chef Lothar Wieler zeigt sich besorgt wegen der Corona-Lage in Deutschland. (Archivbild)

Corona in Deutschland: Soziologe will Änderung der Impfreihenfolge

Update vom Samstag, 13.03.2021, 12.37 Uhr: Heinz Bude, Soziologe an der Universität Kassel, spricht sich im Spiegel-Interview für eine neue Impfreihenfolge aus. So könnten die 30- bis 50-Jährigen eine vorgezogene Corona-Impfung erhalten. Der Grund: Laut Bude verhält sich diese Generation in der aktuellen Pandemie „ziemlich gut“.

Viele Menschen der Altersgruppe würden in den eigenen vier Wänden Homeoffice betreiben und pflegebedürftige Angehörige versorgen. Die meisten seien nicht verzweifelt und würden sich über die derzeitige Situation kaum beschweren. Ihr Verhalten könne man mit einer vorgezogenen Impfung belohnen.

Im weiteren Verlauf des Interviews wehrt sich der Kasseler Soziologe gegen den Vorwurf, dass seine Idee unsolidarisch sei. Er fragt: „Warum sollte man nicht einmal jenen Leuten etwas geben, die seit Monaten eine Hauptlast dieser Krise tragen und sich dabei gut geschlagen haben?“

Unterdessen hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Samstag (13.03.2021) 12.674 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt in Deutschland weiter auf 76,1. Dieser Wert hatte am Freitag 72,4 betragen.

Mehrere Länder stoppen Corona-Impfungen mit Astrazeneca

+++ 17.12 Uhr: Einige Länder haben die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorerst pausiert, da es zu Fällen von schweren Blutgerinnseln kam. In Deutschland würde man über einen solchen Schritt jedoch nicht nachdenken. Das Vakzin soll auch weiterhin verimpft werden - das teilte das Paul-Ehrlich-Institut laut einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.

Bisher gäbe es keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Thrombose-Fällen und einer Astrazeneca-Impfung. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) halte weiter an dem britisch-schwedischen Wirkstoff und seiner positiven Wirkung gegen das Corona-Virus fest.

Corona in Deutschland: Ärzte und Politiker kritisieren späte Praxis-Impfungen

Update vom Freitag, 12.03.2021, 11.30 Uhr: Die ersten Corona-Impfungen in Arztpraxen sollen wohl erst ab Mitte April möglich sein – doch dies stößt auf Kritik vonseiten der Hausärzte. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, fordern diese eine zügige Verlegung der Impfungen aus den Impfzentren in die Praxen. Allerdings sei dafür aktuell noch zu wenig Impfstoff verfügbar.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet ab frühestens Mitte April mit Lieferungen des erst kürzlich zugelassenen Vakzins von Johnson & Johnson. Jedoch soll verfügbarer Impfstoff zunächst an die regionalen Impfzentren verteilt werden. Der CDU-Gesundheitsexperte Erwin Rüddel sieht das kritisch. „Wir müssen jetzt alles verimpfen, was geht. Das klappt nur in Verbindung mit den Arztpraxen“, sagte er gegenüber der Bild.

Corona in Deutschland: Spahn rechnet ab Mitte April mit Impfungen in Arztpraxen

Nach Vorstellungen ihres Verbandes sollten die Hausärzte in Zukunft komplett anstelle der Impfzentren die Corona-Schutzimpfungen verabreichen. „Man mag die jetzt dort noch gebuchten Impftermine ja abarbeiten, aber parallel dazu muss das Feld der Impfungen endlich den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten überlassen werden“, sagte Verbandspräsident Ulrich Weigeldt.

Allerdings würden die verfügbaren Impfdosen laut Spahn dafür bisher noch nicht ausreichen. „Wir brauchen eine gewisse Mindestmenge, ab der es Sinn macht“. Er erwartet zu einem Zeitpunkt im Mai, Juni oder Juli, dass dann etwa zehn Millionen Impfungen pro Woche in den Praxen stattfinden können.

Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit Lieferungen des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson ab Mitte April.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt sogar, dass die ersten Corona-Impfungen in Arzt-Praxen erst ab Mai durchgeführt werden können. In der Hauptstadt Berlin hat nun ein Pilotprojekt für Impfungen in mehr als hundert Hausarztpraxen bereits begonnen - das berichtet der rbb.

Corona in Deutschland: KBV rechnet mit Verzögerungen der Praxis-Impfungen

+++ 21.38 Uhr: Impfungen in Arztpraxen sollen spätestens am 19. April 2021 beginnen. So haben es die Gesundheitsminister und -ministerinnen der Länder bereits am Mittwoch (10.03.2021) empfohlen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnte nun vor Verzögerungen bis in den Mai.

„Wir befürchten, dass mit diesem Beschluss das wohnortnahe, flächendeckende und schnelle Impfen in den Praxen im April nicht mehr stattfinden wird“, so Gassen. Ihm zufolge sei ein rasches Durchimpfen der Bevölkerung nicht zu erreichen, selbst wenn es mehr Impfzentren gebe. Das gehe nur mit den Praxen. „Fünf Millionen Impfungen in der Woche sind dort absolut machbar“, sagt der KBV-Chef.

Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) befürchtet, dass Impfungen beim Hausarzt erst im Mai beginnen würden (Symbolbild).

Corona in Deutschland: Kritik an kompliziertem Verfahren für Impfungen beim Hausarzt

Zudem kritisierte der KBV, dass zuerst die Impfzentren Impfstoffe bekommen und dann die Praxen mit den übrig gebliebenen Resten folgen sollten. So könne man den Impfturbo „noch nicht auf Straße bringen“. Die Länder hätten das Verfahren unnötig verkompliziert.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, äußerte sich zustimmend im Deutschlandfunk: „Wir sind nicht nur bereit, wir scharren seit Wochen ungeduldig mit den Hufen.“

Corona in Deutschland: Erstes Bundesland hebt Impfreihenfolge auf – es hagelt Kritik

Update vom Donnerstag, 11.03.2021, 17.42 Uhr: Sachsen hat als erstes Bundesland in Deutschland die Corona-Impfreihenfolge aufgehoben. Die Ausbreitung des Coronavirus soll eingedämmt werden, indem in Hotspot-Regionen wie das Vogtland alle über 18-Jährigen ein Impfangebot erhalten. Dafür tritt auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping ein.

Man müsse in besonders betroffenen Regionen anders aktiv werden, so die SPD-Politikerin nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Schon in der Vergangenheit soll sie gefordert haben, dass Bundesländer mit einem hohen Anteil älterer Menschen bei der Corona-Impfstoffvergabe anders berücksichtig werden. Dieser Vorschlag sei aber im Herbst abgelehnt worden.

„Wenn ich das aber alleine mache, ohne dass es eine Impfstoff-Umverteilung gibt, bedeutet das, dass ich anderen Impfstoff wegnehme“, erklärte Köpping zu Sachsens Strategiewechsel. Das sei nicht gerechtfertigt, weshalb man die bundesweiten Prioritäten anders setzen müsse.

Wer zuerst eine Corona-Impfung in Deutschland erhält, ist durch die Priorisierung der Bundesregierung klar geregelt. Sachsen entscheidet sich jetzt für einen anderen Kurs. (Symbolbild)

Coronavirus in Deutschland: Sachsen hebt Impfreihenfolge auf

Erstmeldung vom Donnerstag, 11.03.2021, 14.06 Uhr: Kassel – Laut der Bundesregierung ist die Corona-Impfreihenfolge in Deutschland eindeutig geregelt. Das bedeutet, solange noch nicht genügend Impfstoff vorhanden ist, erfolgt die Vergabe nach Prioritäten. Demnach sollen kranke und ältere Menschen zuerst ihre Impfungen erhalten. Doch ein Bundesland weicht komplett vom bisherigen Fahrplan ab und ändert die Strategie.

Die Corona-Fallzahlen in Sachsen sind weiterhin hoch. Vor allem der Landkreis Vogtland gilt als Hotspot. Aus den aktuellen Daten der Robert Koch-Instituts (RKI) geht für den Kreis eine Inzidenz von 227,4 hervor (Stand: 11.03.2021). Damit zählt die Region zu den am stärksten betroffenen Gebieten in Deutschland. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert nun für stark betroffene Regionen in Sachsen ein Impfangebot für alle Erwachsenen ab 18 Jahren.

Corona in Deutschland: Sachsen fährt neue Impfstrategie

Damit könne dem Ministerpräsidenten zufolge die Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden. „Mit den jetzigen Werkzeugen kann die Corona-Situation in den Grenzregionen nicht gelöst werden“, so der CDU-Politiker. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) verlangt auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein neues Impfkonzept von der Bundesregierung. So soll der Corona-Impfstoff von Astrazeneca* künftig nicht nur in Impfzentren, sondern auch von Haus-, Betriebs- und Schulärzten injiziert werden. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) habe sich ebenfalls dafür ausgesprochen.

Wie Sachsens Sozialministerin Petra Köpping ankündigte, soll schon am Donnerstag (11.03.2021) die neue Corona-Regel umgesetzt werden. Dennoch warnt sie die Bevölkerung, dass sich nicht alle gleichzeitig auf den Impfstoff stürzen sollten. Neben einem weiteren Impfzentrum kommen nun auch Impfbusse und Impfteams zum Einsatz, so das Sozialministerium gegenüber dem Spiegel. In erster Linie soll der Impfstoff von Astrazeneca verabreicht werden.

Corona-Pandemie in Deutschland: Aufweichung der Impfreihenfolge problematisch

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stimmte Sachsens Plänen zu. „Wir haben vereinbart, dass in der Grenzregion zu Tschechien, wo wir sehr hohe Infektionszahlen haben, eine sogenannte Schutzregel gemacht werden kann, damit sich das nicht weiter ins Land reinträgt“, erklärte der Politiker im ZDF. Allerdings soll die Priorisierung der Gruppen grundsätzlich eingehalten werden.

Sachsens Alleingang spricht aber deutlich gegen die Impfreihenfolge des Bundes. Das ist dem Spiegel zufolge aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdig und „gefährdet im schlimmsten Fall Menschenleben“. Auch der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO) Thomas Mertens steht dem skeptisch gegenüber. Problem sei nicht die Priorisierung, sondern der fehlende Corona-Impfstoff in Deutschland. Denn wenn in Hotspots geimpft wird, fehlt der Impfstoff an anderen Stellen. Mit der Aufweichung der Impfreihenfolge rücke die Regierung von ihrem Ziel ab, die Schwächsten und Gefährdetsten vor schweren Covid-19-Verläufen zu schützen, so Mertens.

Corona-Pandemie
Erster bekannter Fall1. Dezember 2019
Erklärung zur Pandemie11. März 2020

Coronavirus in Deutschland: Auch Karl Lauterbach skeptisch

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) sieht die Abweichung von der Priorisierung ebenfalls kritisch. Er empfiehlt auf Twitter keine Experimente bei der Impfreihenfolge vorzunehmen. „Wenn man Tote vermeiden will und impft 30- statt 80-Jährige, braucht [man] viel mehr Impfstoff, als wir haben“, äußert er sich auf der Plattform.

Die Impfverordnung in Deutschland soll nun am Donnerstag (11.03.2021) um eine Hotspot-Regelung erweitert werden, wie der Spiegel berichtet. Entsprechend könnten Sachsens Beispiel bald auch weitere Bundesländer folgen. (Karolin Schaefer) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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