Corona-Pandemie

Robert-Koch-Institut in der Kritik: Wichtige Corona-Daten „nicht veröffentlicht“

Die DKG kritisiert das RKI und stellt ein Konzept vor, das die Corona-Lage in Deutschland besser dokumentieren soll. Die Inzidenz allein sei nicht aussagekräftig.

Kassel – In sämtlichen Ländern Europas sorgt die Delta-Variante für erhöhte Corona-Inzidenzen. In einigen Hotspots wie in Großbritannien überschritten die Sieben-Tage-Inzidenzen zuletzt Werte von über 500 Infektionen pro 100.00 Einwohner. Doch wie aussagekräftig sind diese Zahlen noch, wenn ein Großteil der Bevölkerung bereits geimpft oder genesen ist?

Neben Großbritannien haben auch Portugal und Dänemark weitere Lockerungen eingeführt, da die Bedrohungslage trotz hoher Zahlen geringer eingeschätzt wird, als noch in den vergangenen Wellen der Pandemie. Auch in Deutschland stellte man sich zuletzt die Frage, wie aussagekräftig die Inzidenzzahlen eigentlich noch sind. Wie Focus Online berichtet, hat die vierte Corona-Welle nach Einschätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Bundesrepublik bereits begonnen.

Die DKG kritisiert das RKI und stellt ein Konzept vor, welches die Corona-Lage in Deutschland besser aufzeige. Der Inzidenzwert sei nicht mehr aussagekräftig.

Nur auf die Inzidenzzahl zu schauen, halten viele Experten inzwischen für falsch: „Allein die Inzidenz noch als Maßgabe dafür zu nehmen, wann Beschränkungen von Grundrechten im Herbst erfolgen könnten, ist absolut nicht mehr ausreichend“, kritisiert etwa Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Corona in Deutschland: DKG fordert Indikatorenmix anstelle von Inzidenzwert

Gegenüber Focus Online erklärt Gaß weiter, dass „die Corona-Situation in Deutschland“ heute eine „völlig andere, als noch vor der zweiten oder dritten Welle“ sei. Dementsprechend würden Erfahrungswerte der Vergangenheit nicht mehr passen. Inzidenzwerte müssten daher „anders“ bewertet werden, unter anderem auch aufgrund der hohen Covid-19-Impfquote. Es bräuchte neben der Inzidenz jetzt eine Ergänzung durch verschiedene Indikatoren, sagte Gaß weiter.

Deshalb hat die DKG in einer Pressemitteilung ein Konzept vorgestellt, wie sich die Pandemie künftig besser bewerten lassen soll. Dabei sei vor allem wichtig, die Daten altersspezifisch in den Gruppen 0 bis 12 Jahre, 12 bis 17 Jahre, 18 bis 35 Jahre, 36 bis 65 Jahre sowie über 65 Jahre in den folgenden drei Bereichen aufzubereiten:

  • Infektionslage und Anzahl der Testungen
  • Anzahl der Impfungen
  • Anzahl der Hospitalisierung (schwere Verläufe)

Scharfe Kritik am RKI: Neue Indikatoren sollen Corona-Lage verständlicher machen

Altersbezogene Daten seien wichtig, um das Infektionsgeschehen in Deutschland wirklich analysieren zu können. Dies würde beispielsweise aufzeigen, ob es durch Schulöffnungen tatsächlich zu einem erhöhten Infektionsgeschehen innerhalb der jüngeren Altersgruppe komme – oder gar zu schweren Verläufen, argumentiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Auch Jens Spahn hat sich inzwischen zu den Corona-Indikatoren geäußert.

„Wir haben heute eine Impfquote bei den über 60-Jährigen von rund 80 Prozent. Genau diese Gruppe war es, die in den ersten Wellen besonders gefährdet war, besonders häufig im Krankenhaus versorgt werden musste und in der die meisten Todesopfer, rund 95 Prozent aller registrierten Covid-19-Todesfälle, zu beklagen waren“, erklärt Gaß weiter im Gespräch mit Focus Online. Eine zielgruppengenaue nach Alter und Impfstatus geordnete Analyse der Situation sei darum enorm wichtig.

Entscheidende Daten lägen den Gesundheitsämtern und dem RKI auch längst vor, diese wurden laut Gaß bisher aber „nicht veröffentlicht“. Anhand dieser Zahlen könne man mithilfe des entwickelten Indikatorensets nachvollziehbar und transparent die Pandemielage darstellen, schreibt das DKG. Gerald Gaß und seine Verbandskollegen argumentieren abschließend, dass durch eine klare Darstellung der Lage mehr Akzeptanz für politische Maßnahmen entstehen würde. (Nail Akkoyun)

Inzwischen haben Forschende mithilfe einer Studie drei Faktoren ausfindig gemacht, die darauf hinweisen, welche Personen mögliche Corona-Superspreader sind.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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