Pandemie

Corona in Deutschland: RKI-Chef warnt vor dritter Welle: „Hat schon begonnen“ - WHO sieht neue Gefahr

Vor einem Jahr wurde die Pandemie ausgerufen. RKI-Chef Lothar Wieler zeigt sich besorgt vor einer dritten Corona-Welle in Deutschland. Alle News im Ticker.

  • Die Impfungen gegen Corona kommen in Deutschland bislang langsam nur voran - jetzt gehen einige Bundesländer einen Sonderweg.
  • Sieben große Open-Air-Festivals wurden für 2021 nun abgesagt.
  • RKI-Präsident Lothar Wieler ist alarmiert. Die dritte Corona-Welle habe schon begonnen.

Update vom Donnerstag, 11.03.2021, 09.30 Uhr: Noch immer hat das Coronavirus die Welt im Griff. Inzwischen ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie ausgerufen hat. Mittlerweile haben sich weltweit 120 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, 2,6 Millionen sind im Zusammenhang einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Doch ein Ende scheint nicht in Sicht. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler ist überzeugt, dass in Deutschland „die dritte Welle schon begonnen“ hat. „Ich bin sehr besorgt“, äußert er sich gegenüber der UN-Journalistenvereinigung (ACANU) in Genf.

Trotz der in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffen seien weiterhin die Hygienemaßnahmen etwa eine Maske tragen und Abstand halten unerlässlich. Dennoch scheint Wieler zuversichtlich. Wenn alles gut läuft, könnten bis Herbst rund 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland immun gegen das Coronavirus sein. „Wenn das der Fall ist, können alle Maßnahmen aufgehoben werden“, so Wieler nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Gleichzeitig vermutet er, dass nach den ersten Impfungen Auffrischungen nötig sind.

Auch die WHO zeigt sich besorgt - vor allem in Hinblick auf die ungleiche Verteilung der Impfdosen. Sollte sich das Coronavirus in Regionen auf der Welt ausbreiten, in denen weniger Impfstoff verfügbar ist, kann es leichter mutieren. Demnach könnten die Mutanten „wieder für die ganze Welt zur Bedrohung werden“, erklärt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Reiche Länder haben direkte Verträge mit den Pharmakonzernen vereinbart. Dadurch gebe es weniger Impfdosen für die solidarische Impfinitiative Covax, so die dpa. Covax ist eine Initiative, die sich weltweit für den gleichmäßigen und gerechten Zugang zu Corona-Impfstoffen einsetzt.

Corona in Deutschland: Lothar Wieler warnt vor der dritten Welle. (Archivbild)

Corona-Pandemie in Deutschland: Ab wann in Arztpraxen geimpft werden soll

+++ 20.40 Uhr: Die Gesundheitsminister von Bund und Länder haben sich auf einen Start der Corona-Impfungen in den Arztpraxen geeinigt. Sie peilen dafür spätestens Mitte April an. Das Ziel der Ministerinnen und Minister sei es aber so früh wie möglich damit zu starten.

Nach ihren Beratungen am Mittwoch (10.03.2021) beschlossen die Minister und Ministerinnen, mit den Impfungen in den Hausarztpraxen spätestens in der Woche vom 19. April 2021 zu beginnen. Dafür brauche es aber auch eine gewisse wöchentliche Mindestmenge an Impfstoff, hieß es im Bundesgesundheitsministerium.

Corona-Impfungen in den Arztpraxen sollen spätestens am 19. April starten

Aufgrund des Wunsches der Länder, ihre Impfzentren wie bisher auszulasten, könnten die Praxen wohl erst Mitte April starten. Die Gesundheitsminister hatten die Einbeziehung der Praxen zunächst schon für Anfang April angedacht.

Die Gesundheitsminister von Bund und Länder haben sich auf einen Start der Corona-Impfungen in den Arztpraxen geeinigt. Sie peilen dafür spätestens Mitte April an (Symbolbild).

Wie Regierungssprecher Steffen Seibert angekündigt hatte, soll die Empfehlung der Fachminister nun Basis für Entscheidungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder sein. Noch vor der nächsten Bund-Länder-Beratung solle dies „zeitnah“ geschehen. Die nächste Beratungsrunde zum weiteren Vorgehen in der Coronakrise ist für den 22. März 2021 geplant.

Corona in Deutschland: Sieben große Musik-Festivals abgesagt - Homeoffice-Pflicht verlängert

+++ 15.30 Uhr: Festival-Fans müssen sich weiterhin gedulden: Auch dieses Jahr fallen mehrere große Open-Air-Festivals in Deutschland und der Schweiz aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser. Darüber informiert das Veranstaltungs-Unternehmen Eventim. Die Tagesschau berichtet, dass gekaufte Tickets auch für das Jahr 2022 gültig seien.

Folgende Musik-Veranstaltungen wurden für den Festival-Sommer 2021 bisher abgesagt:

  • „Deichbrand-Festival“ in der Nähe von Cuxhaven.
  • „Hurricane-Festival“ zwischen Bremen und Hamburg.
  • „Southside-Festival“ in Neuhausen ob Eck.
  • „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring in der Eifel.
  • „Rock im Park“ in Nürnberg.
  • „SonneMondSterne-Festival“ bei Saalburg-Ebersdorf.
  • „Greenfield-Festival“ bei Interlaken (Schweiz)
Auch für dieses Jahr wurden viele große Musik-Festivals in Deutschland abgesagt. Das Bild zeigt feiernde Menschen auf dem „Hurricane-Festival“ 2019.

Corona in Deutschland: Bundesarbeitsminister empfiehlt weiterhin Home-Office

+++ 12.54 Uhr: Angesichts der Corona-Pandemie werden Arbeitgeber in Deutschland weiterhin dazu aufgerufen, ihren Beschäftigten bis mindestens Ende April die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen. Wie die Tagesschau berichtet, billigte das Kabinett eine entsprechende Verordnung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), die am 15. März eigentlich ausgelaufen wäre.

Darin heißt es: „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen.“ Laut Heil sei Homeoffice ein entscheidender Faktor, um Kontakte zu reduzieren und die Pandemie einzuschränken.

Corona in Deutschland: Mehr Impfstoff für die EU - auch für Deutschland?

Darüber hinaus will Biontech/Pfizer die geplanten Lieferungen an die EU ausbauen. So sollen in den nächsten beiden Wochen zusätzliche vier Millionen Dosen Corona-Impfstoff geliefert werden. Wie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU) erklärt, habe man das Zusatzpaket ausgehandelt, damit die EU-Staaten gezielt in Covid-Hotspots impfen und die Ausbreitung der Mutanten weiter verhindern können.

Von dem Zuschlag könnte Deutschland 18,6 Prozent bekommen, also rund 740.000 Impfdosen, so die Tagesschau. Ob von dieser Option Gebrauch gemacht wird und wie die Verteilung auf die Bundesländer aussehen würde, liegt nun in den Händen der Bundesregierung.

Corona in Deutschland: Hausärzte sollen Impfpriorisierung selbst bestimmen

Update vom Mittwoch, 10.03.2021, 09.30 Uhr: Laut Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, sollten niedergelassene Ärzte selbst über die Impfreihenfolge ihrer Patienten entscheiden: „Zu viele Vorgaben und Prüfverfahren halten uns nur unnötig auf. Das sollten wir unbedingt vermeiden“, so Reinhardt gegenüber Rheinischen Post.

Demnach wüssten Haus- und Fachärzte am besten, welche ihrer Patienten besonders gefährdet seien. Millionenfach würden die Praxen die Bevölkerung jedes Jahr in kürzester Zeit gegen die Grippe impfen, weshalb das Vorgehen auch bei der Corona-Impfung klappen dürfte. Weiter seien Strukturen und das nötige Know-How vorhanden, um schnell und in hoher Frequenz mit dem Impfen zu beginnen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen am Mittwoch (10.03.2021) den genauen Starttermin für Coronavirus-Impfungen in deutschen Arztpraxen bestimmen.

Corona in Deutschland: Pollenflug begünstigt Infektionen

+++ 19.01 Uhr: Einer Studie zufolge kann ein starker Pollenflug das Risiko einer Corona-Infektion erhöhen. Gebe es viele Pollen in der Außenluft, stiegen die Infektionszahlen. Das berichten Forscher der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München gegenüber dem Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Science (PNAS).

In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum teilweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen - die Infektionsraten seien dabei um mehr als 20 Prozent gestiegen. Laut den Forschern reagiert die Körperabwehr während des Pollenflugs in abgeschwächter Form auf Viren der Atemweg. Dann produziere der Körper unter anderem weniger antiviraler Interferone.

Corona in Deutschland: Erstmals Kombi-Mutante nachgewiesen

+++ 16.31 Uhr: In Deutschland haben sich inzwischen mehrere Corona-Varianten verbreitet. Jetzt wurde am Flughafen BER in Berlin bei einem Reisenden aus Sachsen eine neue Corona-Mutante nachgewiesen.

Die Mutante B.1.525 ist eine Kombination aus der britischen und südafrikanischen Variante. Nach Spiegel-Informationen wurde sie bereits in mehreren Ländern nachgewiesen, darunter Dänemark, Italien, Nigeria, Norwegen, Kanada, Großbritannien und den USA. Der Fall am Berliner Flughafen scheint nun der erste in Deutschland zu sein. Das teilt das Unternehmen Centogene mit, welches die Probe analysiert hat.

Corona in Deutschland: Kombi-Mutante enthält bedenkliche Mutation

Zusätzlich enthält die Kombi-Mutante die Mutation E484K. Diese Corona-Mutation soll dafür verantwortlich sein, dass sich Antikörper nicht mehr so stabil an das Virus binden. Das könnte die Wirksamkeit der Impfungen beeinträchtigen. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass sich Menschen, die sich bereits mit dem Coronavirus infiziert haben, wiederholt anstecken können.

Am Flughafen BER wurde eine neue Corona-Mutante entdeckt. (Symbolbild)

Dass Corona-Viren mutieren, hat die Vergangenheit gezeigt und ist nichts Ungewöhnliches. Doch wie gefährlich die Kombi-Mutante wirklich ist, kann zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer eingeschätzt werden. „Sollte sie sich in den kommenden Wochen sprunghaft ausbreiten, wäre das ein Indiz dafür, dass Viren mit diesen Genveränderungen im Vorteil sind“, so der Spiegel.

Corona in Deutschland: Bundesländer setzen sich über Impfreihenfolge hinweg - es hagelt Kritik

+++ 14.27 Uhr: Die Bundesländer geraten in Hinblick auf die Corona-Impfungen in die Kritik. Sie würden sich über die Impfverordnung des Bundes hinwegsetzen. Das bemängelt Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko).

„De facto wird in den Ländern schon lange gegen die Priorisierung verstoßen“, erklärte der Virologe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Schon jetzt seien viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht dran wären. Dazu zählen auch Lehrkräfte, Erzieher und Polizisten. Damit rücke die Regierung von ihrem Ziel ab, die Schwächsten und Gefährdetsten vor schweren Covid-19-Verläufen zu schützen.

Auch der Strategie mit den im April beginnenden Corona-Impfungen in Arztpraxen steht der Virologe skeptisch gegenüber. Das würde die Impfreihenfolge aufweichen und eine „Priorisierung möglicherweise schwieriger machen.“ Denn bislang würde die Priorisierung in der Impfverordnung die gewünschte Wirkung zeigen. Daten aus Mecklenburg-Vorpommern legen laut Mertens dar, dass inzwischen weniger schwere Covid-19-Erkrankungen und Todesfälle bei den über 80-Jährigen verzeichnet wurden.

Der Virologe Thomas Mertens kritisiert die Abweichung der Bundesländer von der Corona-Impfreihenfolge. (Symbolbild)

Coronavirus in Deutschland: Impfstart in Arztpraxen steht fest

Update vom Dienstag, 09.03.2021, 10.43 Uhr: Die Corona-Impfungen in Deutschland gehen nur schleppend voran. Allerdings soll sich das noch im März ändern. Ab Anfang April soll dann auch in Arztpraxen geimpft werden. Darauf einigten sich die Minister von Bund und Ländern auf der Gesundheitsministerkonferenz am Montag (08.03.2021), wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zufolge können künftig in rund 75.000 Praxen die Corona-Impfstoffe verabreicht werden. Auf normalem Weg soll der Impfstoff über den Großhandel und Apotheken in die Praxen kommen. In diesem Zusammenhang erklärte Vizekanzler Olaf Scholz: „Wir müssen jede Woche Millionen impfen.“ Und das schon Ende März.

Corona in Deutschland: Priorisierung vorerst beibehalten

Wer den Impfstoff zuerst bekommt, also die Priorisierung einzelner Gruppen, soll zunächst beibehalten werden. Danach sollen Ärzte selbst entscheiden können, wer in Hinblick auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission die Impfungen verabreicht bekommt.

Auch die Impfzentren sollen vorerst bestehen und bereits vereinbarte Termine beibehalten werden. Bisher wurden in Deutschland drei Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, also rund 2,5 Millionen Menschen. 5,2 Millionen haben schon ihre erste Corona-Impfdosis erhalten. (Stand: 07.03.2021)

Das Impftempo gegen Corona soll in Deutschland drastisch erhöht werden - jetzt steht fest: Ab Anfang April soll auch in Arztpraxen geimpft werden. (Symbolbild)

Corona-Pandemie in Deutschland: EU erwartet mehr Impfstoff

+++ 15.31 Uhr: Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) dürften sich die Impfkampagne in den EU-Staaten ab April deutlich beschleunigen. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung erzählt die Kommissionschefin, dass sich die Impfstoff-Liefermengen im kommenden Monat „nach den Plänen der Hersteller nochmal verdoppeln, auch weil weitere Impfstoffe vor der Zulassung stehen“. Pro Monat erwarte man im zweiten Quartal eine Lieferung von rund 100 Millionen Impfstoff-Dosen.

Nach Berechnungen der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten müssten bei einer Lieferung von monatlich 100 Millionen Impfstoff-Dosen nach Deutschland etwa 20 Millionen Dosen ausgeliefert und verimpft werden. Dafür müssten die hiesigen Impfkapazitäten jedoch deutlich hochgefahren werden. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge wurden seit dem 28. Dezember insgesamt erst circa 7,3 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland verabreicht.

Corona in Deutschland: Olaf Scholz (SPD) verspricht extremen Impfanstieg

Update vom Montag, 08.03.2021, 11.29 Uhr: Das Corona-Impftempo geht in Deutschland nach wie vor schleppend voran, in der EU ist die Bundesrepublik nur Mittelfeld. Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) verkündet nun jedoch, dass man die Impfkapazitäten verstärken wolle: „Es wird bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche geben“, verspricht der Vizekanzler im ZDF.

Doch ab wann soll das möglich sein? Geht es nach Scholz, soll es schon Ende März so weit sein. „Dafür habe ich gesorgt. Ich tue, was notwendig ist, damit wir gut durch diese Krise kommen“, so der SPD-Spitzenkandidat.

Olaf Scholz (SPD) kündigt an, dass bald schon „bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche“ gegen das Coronavirus in Deutschland geben wird.

Corona in Deutschland: Ministerpräsident geht von Urlaub über Ostern aus

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) geht indes von Hotelöffnungen zu Ostern aus: „Wenn sich die Situation nicht dramatisch verändert, gehe ich davon aus, dass wir Hotels in Schleswig-Holstein über Ostern öffnen“, so Günther gegenüber der Rheinischen Post. „Warum sollen die Menschen an Ostern nicht in Hotels und Ferienwohnungen sein können - unter der Voraussetzung eines aktuellen Negativ-Tests und einer Nachverfolgung über Apps“, fragte der CDU-Politiker. 

Laut dem Regierungschef gebe es „jetzt genug verfügbare Schnelltests“. Lösungen zu finden sei demnach ein „Gebot des Respekts der Branche und den Menschen gegenüber, die dort arbeiten“. Überhaupt könne Günther „die Scheu vor innerdeutschem Reiseverkehr kann ich angesichts der derzeit moderaten Inzidenzwerte nicht nachvollziehe“. Zu erwähnen sei jedoch, dass Schleswig-Holstein im Vergleich zu anderen Bundesländern in vielen Regionen relativ niedrige Inzidenzwerte vorweisen kann.

Darüber hinaus ist es durchaus fraglich, ob bis Ostern genug Schnelltests verfügbar sind - insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass verfügbare Tests eventuell an anderen Stellen gebraucht werden, wie bereits SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte.

Corona in Deutschland: Keine kostenlosen Schnelltests ab Montag? Kritik an Spahn wächst

Update vom Sonntag, 07.03.2021, 9.42 Uhr: Kostenlose Schnelltests durch geschultes Personal sollen in Deutschland ab Montag in Apotheken, Testzentren und auch bei Hausärzten verfügbar sein. Zum Start wird das jedoch wohl nicht überall der Fall sein. Die Koalitionspartner SPD und auch CSU machen dafür Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verantwortlich und attackieren ihn hart.

„Mitte Februar hat Gesundheitsminister Jens Spahn kostenlose Schnelltests für alle versprochen. Und er hat behauptet, er habe für Deutschland 500 Millionen Tests vertraglich gesichert. Das war ein großes Versprechen und hat sehr hohe Erwartungen geweckt, die er nicht einhalten konnte“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Vertraglich gesichert“ meinte allerdings auch lediglich die Zusagen von Herstellern, Bestellungen bedienen zu können.

Schwesig kritisiert Spahn: Selbsttests bei Aldi und Co. „verramscht“

Spahn verteidigte die Teststrategie der Bundesregierung. „Es war nie vereinbart, dass der Bund diese Tests beschafft“, sagte er bei einer digitalen Gesprächsrunde mit dem rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten Christian Baldauf. „Was vereinbart war, ist, dass wir mithelfen, dass sie zugänglich sind, dass sie verfügbar sind.“ Schnelltests seien „mehr als genug verfügbar“, bekräftigte er. 

„Wir wissen nicht einmal ansatzweise, wann diese Schnelltests in welchem Umfang von wem geordert und zu wem geliefert werden sollen“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Bild am Sonntag: Und: „Was wir nicht anbieten können, ist ein Tag der offenen Tür für alle, die sich mal eben spontan testen lassen wollen.“

Am Samstag waren Corona-Selbsttests beim Discounter Aldi erhältlich - und waren sofort vergriffen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warf dem Bund auch dabei Versagen vor. Ihr Land (rund 1,6 Millionen Einwohner) hat nach ihren Angaben zwei Millionen dieser Selbsttests geordert. „Ich will an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich sehr verärgert bin darüber, dass der Bund es zulässt, dass zunächst Aldi und Co. Selbsttests verramschen können und wir die Selbsttests erst Mitte März geliefert bekommen“, sagte sie am Samstag in Schwerin.

Corona in Deutschland: Impfung aller Erwachsener bis Mitte August - So soll es funktionieren

Erstmeldung vom Samstag, 06.03.2021, 17.29 Uhr: Kassel - Sie ist die am stärksten diskutierte Frage in Deutschland: Wie kann das Tempo der Corona-Impfungen erhöht werden? Länder beklagen, dass der Bund zu wenig Impfstoff und auch zu langsam eingekauft habe. Im Bund zeigen etliche mit dem Finger auf die Länder. Denn: Heiß begehrte Dosen lägen in Kühlschränken herum.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollte jede zweite Dosis in Deutschland für die notwendigen Zweitimpfungen in den Impfzentren bleiben, weil die Hersteller zeitweise keine zuverlässigen Liefertermine zusagen konnten. Mittlerweile ist der CDU-Politiker von seiner Strategie abgerückt. Für den am häufigsten verwendeten Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer hält sein Ministerium nun kleinere Reserven für ausreichend.

800.000 Menschen in Deutschland könnten täglich ein Impfangebot gegen Corona bekommen

Auch die Astrazeneca-Lieferung können komplett verbraucht werden. Das Problem: Viele wollten sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff nicht gegen Corona impfen lassen. Tausende Dosen blieben in Deutschland ungenutzt. Verantwortliche in den Bundesländern beteuern, dass sich dies bald ändern werde.

Bereits im März sollen die Impfstoff-Lieferungen deutlich steigen, berichtet spiegel.de. Den Plänen zufolge könnten Ende März täglich fast 330.000 Menschen eine Dosis verabreicht bekommen. Die Kapazitäten könnten durch mobile Impfteams zeitnah auf mehr als 550.000 Impfungen pro Tag erhöht werden.

Ab April sollen rund viermal so viele Dosen nach Deutschland kommen wie in den ersten drei Monaten. Damit könnten täglich circa 800.000 Menschen ein Impfangebot erhalten.

Corona in Deutschland: Ärzte sollen das Impftempo deutlich erhöhen

Niedergelassene Mediziner und Betriebsärzte sollen bei den Impfungen helfen. Die Hausärzte sollen nach Spahns Plänen größere Freiheiten bei der Priorisierung bekommen als die Impfzentren. Bei den Ärztevertretern kommt das wohl gut an.

Fachärzte werden vermutlich noch im März mit dem Spritzen starten. Hausärzte sollen die Impfungen in Deutschland ab April unterstützen. Bis zu 70.000 Praxen könnten mitmachen - radiologische und psychotherapeutische nicht mitgezählt.

Wenn etwa 50.000 Praxen täglich circa 20 Dosen an Patienten verteilen könnten, käme man auf eine Kapazität von einer Million Impfungen pro Tag. Theoretisch könnten damit in gut 80 Tagen alle Menschen in Deutschland geimpft werden. So könnten bis spätestens Mitte August alle Erwachsenen in Deutschland gegen Corona geimpft sein.

Kanzleramtsminister Helge Braun hält es für möglich, dass der Sommer 2021 in Deutschland trotz Corona wieder „ganz normal“ werden kann. (Jan Wendt, Sarah Neumeyer und Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer

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