Kritik an Beschlüssen

„Beitrag zur Verunsicherung“: Ärzte in Hessen sind gegen Corona-Impfungen ab 12 Jahren

Entgegen der Stiko-Empfehlung sollen Kinder ab 12 Jahre in Hessen bald schon eine Corona-Impfung erhalten. Ärzte sehen aufgrund dieses Beschlusses eine Gefahr.

Kassel - Die Beschlüsse der Gesundheitsministerinnen und -minister zu den Corona-Impfungen stoßen sowohl auf Lob als auch Kritik - besonders die für Kinder ab 12 Jahren. Diese lehnen Kassenärztinnen und -ärzte sowie der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte (BVKJ) entschieden ab. Es lägen noch nicht genügend Daten für die Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren vor, um Risiko und Nutzen einer Impfung besser abwägen zu können - das berichtet fr.de

Trotz der fehlenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) und dem Widerspruch einiger Ärzte-Verbände will die hessische Landesregierung die Impfungen für über 12-Jährige bald schon in allen Impfzentren in Kooperation mit Arztpraxen umsetzen. In Einigen bekommen Jugendliche und Kinder bereits jetzt schon eine Spritze gegen Corona. Dafür muss ein Sorgeberechtigter entweder mit vor Ort sein oder eine schriftliche Zustimmung gegeben haben. Dies soll auch laut Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klos (Grüne) weiterhin so bleiben. Ab September sollen dann auch Personen aus Risikogruppen eine dritte Auffrischungsimpfung erhalten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt die Beschlüsse zu den Corona-Impfungen.

Hessen: Ärzte kritisieren Corona-Impfungen für Jugendliche - und äußern gefährliche Folgen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Hessen kritisiert allerdings, dass sich die Landesregierung gegen die Empfehlung der Stiko stellt und auch die Meinungen der Experten ignoriert. „Soll die Wissenschaft nur eine wichtige Rolle spielen, wenn sie den politischen Landeschefs passt?“, bemängelt KV-Sprecher Karl Roth. Der Beschluss sei ein „Beitrag zur Verunsicherung“ und ein Wechsel der Strategie, wie die Herdenimmunität in der Bevölkerung erreicht werden könne. Hessens Gesundheitsministerium sieht den Widerspruch zu der Stiko-Empfehlung jedoch nicht und verweist auf die „fundierte ausführliche ärztliche Aufklärung“, die stattfindet.

In Hessen sollen bald Kinder ab 12 Jahre gegen Corona geimpft werden. Ärzteverbände kritisieren diesen Beschluss scharf.

Der BVKJ sieht vor allem die Gefahr, dass Eltern die Entscheidung nicht mehr selber fällen können. „Ich habe die Sorge, dass in den Schulen ein Gruppendruck entsteht, um Quarantäne oder den nächsten Lockdown zu vermeiden“, sagte Pressesprecherin Barbara Mühlfeld, die in Bad Homburg praktiziert. Bisher werbe sie ausschließlich für Impfungen für unter 18-Jährige, wenn aufgrund einer Corona-Infektion ein gesundheitliches Risiko bestehe - beispielsweise wegen Adipositas oder einer Diabetes-Erkrankung. Dies betreffe circa 15 Prozent der entsprechenden Altersgruppe. (Alina Schröder)

Rubriklistenbild: © K. Schmitt/imago

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