Neue Maßnahmen

Neuer Corona-Lockdown in den Niederlanden - Krawalle vor Justizministerium

In den Niederlanden steigen die Corona-Fallzahlen drastisch. Das Land befindet sich in einem neuen Lockdown.

Amsterdam – Seit Sonntag (14.11.2021) gelten in den Niederlanden neue Corona-Beschränkungen*. Unter anderem müssen nun alle nicht für den alltäglichen Bedarf notwendigen Geschäfte bereits um 18 Uhr schließen, Supermärkte spätestens um 20 Uhr. Für Geimpfte dürfen gastronomische Betriebe immerhin bis 20 Uhr geöffnet haben. Zudem sind für Fußballspiele der Eredivisie oder der WM-Qualifikation keine Zuschauer mehr zugelassen. In der Arbeitswelt ist Homeoffice wieder die Normalform.

Hinzu kommen Kontaktbeschränkungen: Im privaten Rahmen sind maximal vier Gäste täglich erlaubt – mit Ausnahme von Kindern unter zwölf Jahren. Die niederländische Regierung bezeichnet die neuen Maßnahmen als „Teil-Lockdown“, der vorerst bis Anfang Dezember gelten soll. Begründet werden diese in den dramatisch steigenden Corona-Fallzahlen im Land. „Das ist ein Paket, das wir jetzt für drei Wochen brauchen werden“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte auf einer Pressekonferenz.

Die Niederlande befinden sich derzeit in einem Lockdown. Hintergrund sind die rasant steigenden Corona-Fallzahlen. (Archivbild)

Corona in den Niederlanden: Regierung reagiert mit Lockdown auf steigende Fallzahlen

Die landesweite Inzidenz liegt bei einem Wert von 592,7 (Stand: 16.11.2021). In Relation zur Einwohnerzahl der Niederlande ist das eine ähnliche Zahl wie in Deutschland. Auch in Holland stellt sich die Frage, wie es erneut so weit kommen konnte. Laut Fokko de Vries, Hausarzt aus Amsterdam, liegt das vor allem an Infektionen bei Ungeimpften. „Es kommt in erster Linie durch Ungeimpfte. Das ist sehr enttäuschend. Bei der ersten Welle konnten wir noch nicht so viel tun. Doch dass jetzt wieder eine Überlastung des Gesundheitssystems droht und der Stress für das Personal zunimmt, hätte verhindert werden können“, so der Arzt gegenüber der Rheinischen Post.

Hinzu komme die erhöhte Ansteckungsgefahr in Innenräumen, die bereits aus dem vergangenen Herbst bekannt sei. Derweil liegt die Impfquote in den Niederlanden bei rund 85 Prozent. Die positive Impfrate nahm die Regierung um Ministerpräsident Mark Rutte Ende September zum Anlass, weite Teile der Corona-Beschränkungen aufzuheben. TV-Sender berichteten anschließend weltweit von vollen gastronomischen Betrieben und weiteren Events in den Niederlanden. Von einem „Freedom Day“ wurde gesprochen.

Niederlande: Rutte beschwört Zusammenhalt in Corona-Krise

Die hohen Corona-Fallzahlen führen in den Niederlanden unter anderem zu einer angespannten Lage in den Krankenhäusern. Die Intensivstation füllen sich laut Angaben der Gesundheitsbehörden vornehmlich mit gegen das Coronavirus ungeimpften Personen. Der Forderung der Politik im Oktober, die Zahl der Intensivbetten aufzustocken, konnten Kliniken weitestgehend nicht nachkommen, da das Pflegepersonal fehle, hieß es vielfach.

Ministerpräsident Rutte beschwor auf der Pressekonferenz nun die Gemeinschaft und den Zusammenhalt in der Bevölkerung. „Nur gemeinsam können wir Corona unter Kontrolle bringen.“ Vorerst soll ein „Teil-Lockdown“ die Fallzahlen senken. Was nach dem 4. Dezember passiert, ist bislang unklar.

In den Niederlanden protestierten zahlreiche Demonstranten gegen die neuen Corona-Maßnahmen.

Nachdem Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag den neuen „Teil-Lockdown“ angekündigt hatte, kam es vielerorts zu Protesten und teilweise auch zu Krawallen. Vor dem Justizministerium bildete sich eine spontane Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. Dabei wurden auch Feuerwerkskörper abgefeuert. Die Nachrichtenagentur AFP sprach von heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. (tu) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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