Corona in Deutschland

Karl Lauterbach gegen Corona-Impfpflicht: „Glaubwürdigkeit wäre verloren“

Während Frankreich eine Corona-Impfpflicht für das Gesundheitspersonal ankündigt, lehnt Karl Lauterbach entsprechende Ideen ab. Auch der Ethikrat äußert sich.

Update vom Dienstag, 13.07.2021, 12.38 Uhr: Eine Impfpflicht wird es in Deutschland weiterhin nicht geben, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – auch nicht für einzelne Berufsgruppen. Deutschland werde ein Modell wie es beispielsweise in Frankreich eingeführt wurde nicht anstreben. Man setze weiterhin auf Freiwilligkeit, eine hohe Impfbereitschaft und intensive Werbung das Impfangebot anzunehmen.

RKI-Präsident Lothar Wieler bestätigte zudem, dass die Impfbereitschaft nach Umfragen des RKI bei über 80 Prozent liegt. Eine Impfpflicht sei daher auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht notwendig. Stattdessen müsse die Impfung „noch besser zu den Menschen gebracht werden“.

SPD-Politiker Karl Lauterbach spricht sich gegen eine Corona-Impfpflicht in Deutschland aus. Dadurch würde die Politik nur „wortbrüchig“. (Archivfoto)

Lauterbach äußert sich zu Corona-Impfpflicht in Deutschland

Erstmeldung vom Dienstag, 13.07.2021, 12.30 Uhr: Kassel – Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung der Delta-Variante führen Griechenland und Frankreich eine Corona-Impfpflicht für das Gesundheitspersonal ein. In Italien gibt es diese Impfpflicht bereits seit Mai. In Deutschland wurde zuletzt darüber diskutiert, ob eine Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen eingeführt werden sollte.

Geht es nach SPD-Politiker Karl Lauterbach*, sollte hierzulande jedoch weiterhin keine Pflicht zur Corona*-Impfung herrschen. „Unsere Politik“, so der Gesundheitsökonom auf Twitter, würde dadurch „wortbrüchig“.

Karl Lauterbach gegen Corona-Impfpflicht: „Glaubwürdigkeit wäre verloren“

Wie das ZDF berichtet, sieht das Infektionsschutzgesetz prinzipiell allerdings vor, in Ausnahmefällen auch eine Impfpflicht für Teile der Bevölkerung anzuordnen. Die Glaubwürdigkeit wäre dann aber „verloren“, meint Karl Lauterbach auf Twitter. Weiter argumentiert der Politiker, dass Impfgegner im Falle einer Impfpflicht sagen würden, „dass es so beginnt“.

Aktuell besteht in Deutschland keine Pflicht zur Corona-Impfung. Diese wurde von der Politik bislang auch generell abgelehnt. Nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) müssten sich mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen beziehungsweise 90 Prozent der über 60-Jährigen gegen das Coronavirus impfen lassen, damit eine Herdenimmunität erreicht werden könne. Das Bundesgesundheitsministerium befürchtet angesichts der sinkenden Impfzahlen indes, dass die Impfbereitschaft in der Bundesrepublik künftig weiter zurückgehen könnte.

Corona-Impfpflicht in Kitas und Schulen? Ethikrat und Lauterbach fordern Impfstoffzulassung für unter 12-Jährige

Ethikrat-Mitglied Wolfram Henn fordert eine verpflichtende Corona-Impfung für Lehrkräfte sowie für Erzieher und Erzieherinnen. Da die Ausübung dieser Berufe folglich nur noch mit Nachweis einer Covid-19-Impfung möglich wäre, wäre dies jedoch ein Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit und in die Berufsfreiheit. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob eine Impfpflicht nicht durch ein Interesse der Allgemeinheit gerechtfertigt werden könnte.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, lehnt das ab. In Deutschland seien die Impfraten unter Lehrenden besser als in vielen Nachbarländern, sagte sie im ZDF. Vielmehr brauche es eine gute Kommunikation und niedrigschwellige Impfangebote. Zudem müsse unbedingt ein Vakzin für die Altersgruppe unter zwölf Jahren zugelassen werden. Man könne das Coronavirus nicht unkontrolliert in Schulen und Kitas wüten lassen. Auch Karl Lauterbach hatte sich für Corona-Impfungen für Kinder ausgesprochen. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Eduard Bopp/Imago

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