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Impfpflicht-Alleingang: Virologe Streeck springt Söder bei

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Von: Marvin Ziegele

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Der Bonner Virologe Professor Dr. Hendrik Streeck äußert sich zu Bayerns Impfpflicht-Sonderweg. (Archivbild)
Der Bonner Virologe Professor Dr. Hendrik Streeck äußert sich zu Bayerns Impfpflicht-Sonderweg. (Archivbild) © dpa

Keine Impfpflicht für Pflegekräfte in Bayern lautet der Beschluss von Markus Söder (CSU). Hendrik Streeck lobt den „pragmatischen Vorstoß“

München – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Montag (07.02.2022) überraschend angekündigt, die ab Mitte März greifende Corona-Impfpflicht in Pflegeheimen und Gesundheitseinrichtungen vorerst nicht anzuwenden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hofft im Streit um die Impfpflicht für die Beschäftigten in Gesundheit und Pflege auf ein Einlenken Bayerns. „Wir können das Land Bayern kaum zwingen, sich an die Absprachen zu halten“, sagte Lauterbach am Dienstagabend im ZDF. Er hoffe, dass dies auch nicht notwendig werde und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch einlenke.

Hendrik Streeck: Virologe pflichtet Markus Söder bei

Zur Begründung verwies Söder auf die personelle Situation in den Heimen. Es wird befürchtet, dass es dort zu Engpässen kommen könnte, wenn ungeimpfte Pflegekräfte nicht mehr an ihren Arbeitsplatz dürfen. Bayerns Schritt ist aber auch unter den Ländern umstritten.

Im Interview mit ntv wurde Virologe Hendrik Streeck zu dem Schritt aus Bayern befragt. „Ich kann die emotionalen Argumente um die Impfpflicht wirklich verstehen. Aber wir können die Schutzwirkung vor zukünftigen Varianten nicht vorhersagen.“ Es sei noch nicht einmal bekannt, wie lange der Schutz der Booster-Impfung anhalte.

Man habe sich mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht in einer „Impffalle“ verrannt. „Man hat ein Personalproblem in einigen Bereichen“, wo zu wenig Personal geimpft sei. „Daher finde ich es von Herrn Söder einen pragmatischen Vorstoß (…), dass diese Impfpflicht erstmal ausgesetzt wird.“ Auch der Virologe Klaus Stöhr riet kürzlich von einer allgemeinen Corona-Impfpflicht ab. Für die Omikron-Welle käme sie „zu spät“.

Coronavirus: Hendrik Streeck über die Impfpflicht

Auf die Frage hin, ob er zustimme, dass die Impfpflicht in ihrem derzeitigen Planungsstatus „wenig Sinn“ habe, sagt Streeck: „Ich denke, man muss über die Impfpflicht mal die wissenschaftlichen Gründe Für und Wider gegeneinander stellen – das wird bei der Debatte viel zu wenig gemacht.“ Er verwies auf historische Beispiele von Impfpflichten, wie etwa bei den Masern und den Pocken. Grundvoraussetzung für eine effektive Impfpflicht sei eine „sterile Immunität, also ein Schutz vor der Infektion“, das sei bei Corona nicht gegeben. Man könne ein Virus auch ausrotten, wie vergangene Krankheiten gezeigt hätten. Aber man sehe, dass das Coronavirus „überall“ sei und es deswegen nicht möglich sei, das Virus auszurotten.  (Marvin Ziegele)

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