Wegen Thrombosegefahr

Experten zur Corona-Zweitimpfung: Erst Astrazeneca, dann mRNA-Impfstoff? 

Unter 60-Jährige, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, sollen die Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin erhalten. Doch ist das empfehlenswert?

Kassel - Seit dem 31. März wird der Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca in Deutschland nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt. Nach Verdachtsfällen auf eine Hirnvenenthrombose änderte die Ständige Impfkommission (StiKo) die Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff. Laut dem Bundesgesundheitsministerium hatten aber zuvor rund 2,2 Millionen Bürger unter 60 Jahren eine Erstimpfung mit dem Vektorimpfstoff erhalten. Diese sollen nun nach der Empfehlung der Stiko ihre Zweitimpfung mit einem mRNA-Vakzin, etwa von Biontech oder Moderna, erhalten. Doch wie sicher ist diese Kreuzimpfung?

Im Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zeigt sich der Lungenfacharzt und Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Tobias Welte, verwundert über den Entschluss. Er plädiert dafür, erste Studienergebnisse aus England abzuwarten, bevor eine Zweitimpfung mit einem anderen Wirkstoff verabreicht wird. Diese würden nach seinen Angaben erst Mitte Mai vorliegen. Er glaube zwar schon, dass die Kreuzimpfung funktioniere, aber als Wissenschaftler stütze er sich vor dem Handeln gerne auf gesicherte Daten, so Welte.

Corona-Impfung mit Astrazeneca: Impf-Zurückhaltung nicht nachvollziehbar

Weiter sagte er im Gespräch: „Ich finde die Zurückhaltung, auch eine Zweitimpfung mit Astrazeneca bei Patienten unter 60 Jahren vorzunehmen, nicht zwingend nachvollziehbar. Wir brauchen jeden Impfstoff, nichts ist schlechter, als Impfstoff liegen zu lassen und nicht zu verimpfen. Wenn man die Situation in Indien sieht, dort wäre man für jede Impfung dankbar. Unsere Diskussion erscheint dort als Luxusproblem.“

Corona-Kreuzimpfung: Erst Astrazeneca, dann mRNA-Impfstoff - Experten sind sich uneinig über die Sicherheit.

Ähnlich sieht es auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie sprach Anfang April keine Empfehlung für Kreuzimpfungen mit Astrazeneca und mRNA-Vakzinen aus. Es lägen noch zu wenige Daten für mögliche Risiken einer ersten Impfdosis mit Astrazeneca und einem anderen Mittel als Zweitimpfung vor, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris der Deutschen Presse-Agentur.

Astrazeneca-Erstimpfung: Kombination der Impfstoffe kann vorteilhaft sein

Anders sieht es Leif Erik Sander, Infektiologe an der Charité Berlin. Er begrüßt die Empfehlung der Stiko: „Aus immunologischer Sicht kann eine solche Kombination sogar vorteilhaft sein und die Impfantwort des Immunsystems sogar verstärken. Ich erwarte mir von dieser Kombination daher eine gute Sicherheit und eine sehr gute Wirksamkeit mit einem exzellenten Schutz vor der Covid-19-Erkrankung“, sagt er in einem Twitter-Video.

Der Beschluss der Stiko empfiehlt für Personen unter 60 Jahren eine Zweitimpfung zwölf Wochen nach der Erstimpfung. Nur in Einzelfällen und nach einer individuellen Risikoanalyse mit einem Arzt solle Astrazeneca bei der Zweitimpfung verwendet werden.

Ein neuer Risiko-Rechner der Cambridge University soll nun zeigen, wie hoch die Thrombose-Gefahr nach der Corona-Impfung wirklich ist. (Luisa Ebbrecht)

Rubriklistenbild: © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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