Pandemie

Dritte Corona-Impfung: Für wen eine Auffrischung sinnvoll ist

Die Meinungen zur Auffrischung der Corona-Impfung sind gespalten. Auch Experten sind sich uneinig. Für manche Menschen ist eine dritte Injektion aber sinnvoll.

Kassel – Der Streit um die Auffrischungsimpfung für vollständig Geimpfte reißt nicht ab. Der Virologe Christian Drosten ist überzeugt, dass die meisten Geimpften im Herbst keine dritte Corona-Impfung benötigen. Auch die WHO äußerte sich kritisch. Die deutsche Bundesregierung will schon ab September die Impfungen anbieten.

„Die Schutzwirkung der Corona-Vakzine ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“, sagte Drosten. Er erwartet auch nicht, dass in naher Zukunft neue Virusvarianten auftauchen.

Dritte Corona-Impfung: Auffrischung laut Drosten für Ältere und Risikogruppen sinnvoll

Durchaus sinnvoll seien die Auffrischimpfungen im Herbst aber für ältere Menschen und Risikogruppen. „Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter“, erklärte der Virologe. Künftig könne er sich vorstellen, dass ein Altersniveau definiert wird, ab dem eine Auffrischung sinnvoll werde. Jetzt komme es aber erstmal darauf an, „die Impflücken bei den über 60-Jährigen zu schließen.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die Auffrischungsimpfung bei gesunden Menschen kritisch. Zum jetzigen Zeitpunkt sei nicht einmal klar, ob diese überhaupt nötig sei, äußerte sich Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan am Mittwoch (18.08.2021). Während in Deutschland über eine dritte Impfung debattiert wird, würden in anderen Ländern noch Millionen Menschen auf ihre Corona-Impfung warten. WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan fand scharfe Worte für die Bundesregierung. Menschen eine Auffrischimpfung anzubieten sei so, als gebe man Menschen mit Rettungswesten noch eine weitere Weste dazu, während Millionen andere ohne jeglichen Schutz bleiben müssten.

BezeichnungCorona
KrankheitCovid-19
ErregerSars-CoV-2
Erster bekannter Fall1. Dezember 2019

Auffrischung der Corona-Impfung: Intensivmediziner äußert sich

Laut Christian Karagiannidis, Intensivmediziner in Köln, haben die meisten Covid-19-Patienten in Krankenhäusern keine Corona-Impfung. „Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen“, sagte der Experte.

Vereinzelt gebe es auch Fälle von Menschen mit Corona-Infektion trotz Impfung – sogenannte Impfdurchbrüche. Dabei handele es sich beispielsweise um Menschen mit eingeschränkter Immunantwort. Eine dritte Impfung sei Karagiannidis zufolge vor allem für diejenigen sinnvoll, die ein geschwächtes Immunsystem haben.

Auffrischung der Corona-Impfung: ja oder nein? Die Meinungen gehen auseinander.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sieht das etwas anders. Er begrüßt die Beschlüsse zur Corona-Impfung ab September – besonders in Hinblick auf die Delta-Variante. „Bei den Auffrischungsimpfungen hatte ich mir gewünscht, dass nicht nur Risikogruppen eine dritte Impfdosis erhalten“, sagte der Bundestags-Abgeordnete. Er rechne aber damit, dass künftig auch Geimpfte anderer Personengruppen ein Angebot zur Auffrischung erhalten werden.

Corona-Impfung: Bundesregierung reagiert auf WHO-Kritik

Die Bundesregierung hat auf die Kritik der WHO reagiert. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums erklärte Anfang August, dass mit den Drittimpfungen sichergestellt werden soll, dass besonders gefährdete Gruppen geschützt werden, etwa immungeschwächte oder ältere Menschen. Zugleich werde Deutschland bis Ende des Jahres mindestens 30 Millionen Impfstoff-Dosen an andere Länder spenden.

Die Grünen fordern dahingehend eine bessere Aufklärung über die Drittimpfung. „Es gibt Risikogruppen, die wegen bestimmter Vorerkrankungen oder der Einnahme von einigen Medikamenten ein abgeschwächtes Immunsystem haben, und bei denen die Impfstoffe nicht oder nur wenig zu wirken scheinen“, erklärte der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen gegenüber der Rheinischen Post. An dieser Stelle müsse die Bundesregierung die Impfwilligen durch die Förderung von Forschungen und durch transparente Aufklärungsarbeit vorbereiten.

In Deutschland haben Bund und Länder beschlossen, die dritte Corona-Impfung mit Biontech und Moderna ab September anzubieten. Die Zweitimpfung muss dafür mindestens sechs Monate zurückliegen. In Bayern wird schon jetzt die Corona-Auffrischung in Arztpraxen und Impfzentren verabreicht. (kas mit dpa)

Rubriklistenbild: © Sylvio Dittric/imago

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