Corona-Pandemie

Booster-Impfung für alle? Gesundheitsministerium bezieht jetzt Stellung

Corona-Impfstoff wird in eine Spitze aufgezogen.
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Eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus empfiehlt die Stiko in der Regel frühestens nach sechs Monaten. (Symbolbild)

Wann ist eine Booster-Impfung zum Schutz vor Corona möglich? Das Gesundheitsministerium gibt nun eine überraschende Erklärung ab.

Kassel – Die Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu. Manche Menschen werden infolge einer Infektion mit dem Coronavirus trotz Impfung krank. Das führen Fachleute auf einen mit der Zeit nachlassenden Impfschutz zurück. Seit September werden in Deutschland daher die ersten sogenannten „Booster“-Impfungen gegen Corona* verabreicht, die einen länger anhaltenden Schutz gewähren sollen.

Doch hat auch jeder, der will, Anrecht auf eine Booster-Impfung? Das Bundesgesundheitsministerium stellt klar, wer die Auffrischung bekommen kann.

Corona: Booster-Impfung für alle? Gesundheitsministerium bezieht Stellung

Bislang darf sich nur ein bestimmter Personenkreis den zusätzlichen Piks gegen Corona abholen. Im Einvernehmen mit Jens Spahn (CDU) haben die Gesundheitsministerinnen und -minister der sechzehn Länder entschieden, „dass Personen, bei denen nach einer vollständigen Impfung möglicherweise keine ausreichende oder eine schnell nachlassende Immunantwort vorliegt, eine Auffrischimpfung angeboten wird“. So heißt es auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Vonseiten der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es seit dem 7. Oktober eine Empfehlung der Booster-Impfung für Menschen ab 70 Jahren. Zudem soll Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen sowie Pflegepersonal und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit direktem Kontakt zu Betreuten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen eine Auffrischungsimpfung angeboten werden. Für Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt gelte das Gleiche, teilte die Stiko in Berlin mit. Doch: Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung haben sehr viele. Einer Empfehlung der Stiko bedarf es nicht.

  • Personen ab 70 Jahren
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen
  • Pflege- und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patientinnen und Patienten
  • Personen, die nach einer Corona-Infektion eine Dosis von einem Vektorimpfstoff bekommen haben
  • Personen, die den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson oder Astrazeneca erhalten haben
  • Personen mit Immunschwäche oder Immunsuppression
  • Enge Kontaktpersonen von Personen mit schwerer Immunschwäche
  • Menschen ab 60 Jahren nach individueller Abwägung
  • Quelle: Zusammen gegen Corona (Empfehlungen der Ständigen Impfkommission)

Booster-Impfung gegen Corona: Wann man sich impfen lassen kann

Theoretisch haben alle, die mindestens zwölf Jahre alt sind und ihren Wohnsitz in Deutschland haben, auch Anspruch auf eine Booster-Impfung. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Es müssen lediglich die von der Stiko empfohlenen Abstände zwischen den Impfungen eingehalten werden. Die Empfehlungen der Stiko sind nicht bindend. Die Rechtsgrundlage bildet die Corona-Impfverordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium, die entsprechend geändert worden ist. Auch eine Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) der Biontech- und Moderna-Impfstoffe zur Auffrischung war nicht zwingend erforderlich gewesen.

„Laut Impfverordnung ist für alle, deren Impfung länger als sechs Monate zurückliegt, eine Auffrischungsimpfung möglich. Auch für sie ist Impfstoff vorhanden“, hieß es am Dienstag (26.10.2021) von einem Ministeriumssprecher gegenüber der FAZ. Nach Ablauf dieser Zeit ließe sich also ein Termin für die Booster-Impfung beim Hausarzt vereinbaren. Das bedeutet auch, dass die Kosten übernommen werden und die Staatshaftung für mögliche Impfschäden gilt. Manche Virologen gehen davon aus, dass eine jährliche Auffrischungsimpfung gegen Corona* denkbar ist.

Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die 181.000 in Praxen tätige Ärzte und Psychotherapeuten vertritt, wird das Auffrischungsangebot gut angenommen. „Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, dass das Interesse an Booster-Impfungen gemäß der Stiko-Empfehlung durchaus groß ist“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Corona: Jens Spahn erhält Booster-Impfung und startet Appell

Auch Jens Spahn hat seine Auffrischungsimpfung erhalten. Der Bundesgesundheitsminister ruft Bürgerinnen und Bürger nun dazu auf, sich über das Thema Booster-Impfung zu informieren. „Meine Bitte an alle: Jetzt informieren & Impfschutz boostern!“, schrieb der CDU-Politiker am Donnerstag (28.10.2021) bei Twitter.

Auch Mediziner fordern angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen dazu auf, die Möglichkeit für eine Auffrischungsimpfung zu nutzen. „Grundsätzlich muss man sagen, guckt euch um: Es werden Leute krank, es sterben Leute. Es ist real, es ist nicht eingebildet. Und je weniger ihr geimpft seid, desto größer wird das Problem für euch“, so der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid in der RBB-Abendschau. „Impfstoff ist da, es gibt genügend Betriebsärzte, es gibt Hausärzte, es gibt Impfzentren, da braucht man sich nicht anstellen“, meint auch der Virologe Klaus Stöhr. Doch sein Kollege Christian Drosten hält Corona-Auffrischungsimpfungen bei den meisten Menschen in diesem Herbst für nicht nötig*.

Corona-Impfung: Welcher Impfstoff sich für den Booster eignet

Das organisatorische Vorgehen in Sachen Booster-Impfung ist den einzelnen Bundesländern überlassen. Sie kann beispielsweise in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder auch von mobilen Impfteams verabreicht werden. Für eine Booster-Impfung werden ausschließlich mRNA-Vakzine benutzt, also die Impfstoffe der Hersteller Biontech und Moderna. Das gilt auch die diejenigen Personen, die zuvor einen Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson oder Astrazeneca verabreicht bekommen haben.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* verweist auf Twitter hierbei auf Untersuchungen aus den USA. Demnach zeige sich, dass ein Wechsel des Präparats bei der Booster-Impfung empfehle. „Moderna für Biontech-Geimpfte, Biontech für Moderna-Geimpfte, und Moderna für J&J-Geimpfte“, heißt es von Lauterbach. Eine feste Regelung gibt es hierzulande nicht, doch die „Booster Impfung muss jetzt Tempo gewinnen.“ (lrg) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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