Corona in Deutschland

Kritik an fehlender Planung: Dritte Corona-Impfung doch schon fällig?

Die Corona-Impfungen werden uns noch einige Zeit begleiten. Aktuellen Studien zufolge ist schon nach sechs Monaten eine Auffrischung fällig - doch die Politik hat dafür noch keinen Plan.

Kassel ‒ Die Ärzte in Deutschland befürchten, dass das Impfsystem im Sommer mächtig unter Druck geraten könnte. Die Ursache für die Überlastung liegt demnach in den möglicherweise schon bald fälligen Auffrischungen der Corona-Schutzimpfung. Aktuelle Studien gehen nämlich davon aus, dass die dritte Impfung bereits sechs Monate nach der Zweitimpfung fällig wird, um den maximalen Schutz vor der Viruserkrankung aufrechtzuerhalten.

Die Chefin des Bundesverbands der Amtsärzte, Ute Teichert, erklärte der Rheinischen Post am Montag (10.05.2021), dass ab Ende Juni oder Anfang Juli die ersten Corona-Schutzimpfungen in Deutschland aufgefrischt werden müssten. Zusätzlich zu den laufenden Erst- und Zweitimpfungen wären dann also Auffrischungsimpfungen fällig. „Vonseiten der Politik höre ich diesbezüglich aber keinerlei Vorschläge, wie das organisiert werden sollte. Es scheint vielmehr, als liefe sie planlos in eine solche Situation hinein.“

Die deutsche Impfkampagne könnte im Sommer stark unter Druck geraten. Dafür wird jetzt Kritik an der Politik laut.

Dritte Corona-Impfung fällig: Politik in Deutschland ohne Plan zur Auffrischung

Andere Länder wie England seien schon dabei, sich darauf vorzubereiten, betont Teichert. Die Situation in Deutschland sei auch deshalb so besorgniserregend, weil parallel zur dritten Impfung oder Auffrischungsimpfung auch die Kinderimpfungen gegen das Coronavirus bereits im Sommer hinzukommen werden. Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben nach eigenen Angaben bereits im April die Zulassung ihres Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA beantragt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit der Zulassung spätestens im Juni.

„Zwar [starten die Kinderimpfungen im Sommer] erst einmal nur mit einer Zulassung für die Zwölf- bis Fünfzehnjährigen. Wenn es danach möglicherweise ab dem Herbst auch noch Impfungen von noch deutlich Jüngeren geben sollte, wird der Druck aus der Bevölkerung deutlich zunehmen, dass wir mit den Kindern und Jugendlichen endlich beginnen“, warnte Teichert.

Corona-Impfung in Deutschland: Kitas und Schulen müssen einbezogen werden

Eine Lösung könnte ihrer Ansicht nach sein, wenn sich die Politik dazu durchringe, die Kitas und Schulen bei der Impfung gezielt mit einzubeziehen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich ebenfalls für die frühe und organisierte Corona-Impfung für junge Menschen aus. Schulimpfungen müssten genauso wie Betriebs- und Familienimpfungen ein fester Baustein sein, wenn man schnell aus der Pandemie herauskommen wolle, erklärte er seine Idee künftig auch in Supermärkten und Schulen zu impfen.

Ute Teichert forderte zudem, die Impfzentren auch über den September hinaus zu betreiben. Anfang Mai war die Debatte aufgekommen, die Corona-Impfzentrum mit Aufhebung der Priorisierung zu schließen. „Wenn die Impfpriorisierung Ende Mai, Anfang Juni aufgehoben wird, wäre es sinnvoll, das Impfen den Ärzten zu überlassen“, sagte beispielsweise Erwin Rüddel, Chef des Gesundheitsschusses im Bundestag gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Teichert warnt dagegen: „Jetzt funktionierende Strukturen als Auslaufmodell zu deklarieren, halte ich für gefährlich. Das Impfen wird uns noch geraume Zeit weiter begleiten.“ Zusätzlich könnten auch die Gesundheitsämter in die weitere Cornoa-Impfkampagne in Deutschland eingebunden werden, indem man sogenannte Impfsprechstunden wieder einführe. Fakt ist: Es braucht einen Plan. (iwe mit AFP)

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP

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