Stiko teilt gegen Politik aus

Neue Empfehlung für Corona-Impfung bei Kindern: Was Eltern jetzt wissen müssen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfehlt eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche nur eingeschränkt. Bislang ist in der EU dafür nur das mRNA-Vakzin von Biontech zugelassen.
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Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfehlt eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche nur eingeschränkt. Bislang ist in der EU dafür nur das mRNA-Vakzin von Biontech zugelassen.

Die Stiko empfehlt eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche nur eingeschränkt. Stiko-Chef Mertens äußert sich und schießt gegen die Politik.

Kassel – Die Corona-Impfkampagne schreitet weiter voran. Mittlerweile haben 56,5 Prozent (Stand: 05.07.2021) der deutschen Bevölkerung mindestens eine Impfung der zugelassenen Vakzine von Biontech, Moderna, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson erhalten. In Deutschland sind die Impfstoffe für alle Altersgruppen ab 18 Jahren zugelassen.

Für Kinder und Jugendliche hat die Ständige Impfkommission (Stiko) hingegen bisher nur den mRNA-Impfstoff von Biontech zugelassen – und das auch erst ab 12 Jahren. Damit ist das Vakzin von Biontech/Pfizer der erste Impfstoff in der EU, der auch Personen unter 18 Jahren verabreicht wird. Eine Zulassung von Moderna, ebenfalls einem mRNA-Impfstoff, steht noch aus.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Stiko mit weiteren Empfehlungen

Grundsätzlich ist es auch hierzulande möglich, Kinder ab 12 Jahren impfen zu lassen. Die Stiko empfiehlt den Biontech-Impfstoff allerdings nur für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen. Wie Businessinsider.de berichtet, zählen dazu unter anderem Adipositas, chronische Lungen- und Nierenerkrankungen, neurologische oder muskuläre Erkrankungen, Herzkrankheiten sowie Trisomie 21. Eine Corona-Impfung soll in diesen Fällen mit zwei Dosen innerhalb von drei bis sechs Wochen durchgeführt werden.

Nun spricht die Stiko eine weitere Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von 12 Jahren aus: Personen, in deren Umfeld sich Kontaktpersonen oder Angehörige befinden, die ein erhöhtes Risiko auf eine schwere Covid-19-Erkrankung haben oder nicht geimpft werden können, sollen sich ebenfalls impfen lassen. Zudem wird Jugendlichen, die berufsbedingt einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, empfohlen, sich das Biontech-Vakzin verabreichen zu lassen.

Kindern und Jugendlichen ohne Vorerkrankungen wird aktuell noch von einer Impfung abgeraten. Die Datenlage sei bei dieser Altersgruppe derzeit noch zu gering. Möglich ist eine Impfung bei Personen zwischen 12 und 17 Jahren nach ärztlicher Aufklärung und Einverständnis jedoch sehr wohl. Für Kinder unter 12 Jahren wurde hingegen noch kein Impfstoff zugelassen.

Video: Wie gefährlich ist die Delta-Variante für Kinder und Jugendliche?

Impfung für Kinder: RKI weist auf geringe Corona-Datenlage hin

Das Robert Koch-Institut (RKI) weist indes darauf hin, dass bislang zu wenige Coronavirus-Impfstoffstudien mit Minderjährigen durchgeführt wurden, um eine allgemeine Empfehlung auszusprechen. Die Gesundheit der Kinder liege hier an erster Stelle, heißt es. Währenddessen betont auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: „Zusätzlich bleibt zu bedenken, dass angesichts der zwangsläufig noch fehlenden Daten der Impfstoffe zur mittel- und langfristigen Sicherheit gerade bei Kindern und Jugendlichen und gerade angesichts der neuartigen Impfstofftechnologien besonders hohe Ansprüche gestellt werden müssen, die derzeit nicht erfüllt werden können.“

Dem RKI zufolge sollen Covid-19-Erkrankungen bei Kindern ohne Vorerkrankungen meist ohnehin sehr milde oder asymptomatisch ab. Es käme in dieser Altersgruppen kaum zu Hospitalisierungen, so das Berliner Institut weiter. Eine zu schnelle Zulassung sei daher unverantwortlich, solange man nicht alle Gefahren für Minderjährige kenne.

Eine ausreichende Datenmenge zur Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen gibt es ebenfalls noch keine. In den bisherigen Studien erreichten die mRNA-Impfstoffe nach der zweiten Dosis bei Personen im Alter von 12 bis 15 Jahren allerdings eine Wirksamkeit von 100 Prozent. Feststeht aber auch, dass nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff vor allem nach der zweiten Dosis vermehrt Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost oder Kopfschmerzen auftreten.

Diskussionen um Corona-Impfung für Kinder: Stiko teilt gegen Politik aus

Inzwischen hat sich die Stiko bei der Debatte um Impfungen für Kinder gegen eine Einischung von außen gewehrt: „Die Stiko ist im Gesetz bewusst als unabhängige Kommission angelegt. Die laute Einmischung der Politik ist kontraproduktiv und nützt niemandem“, schrieb Stiko-Chef Thomas Mertens der Deutschen Presse-Agentur. SPD-Chefin Saskia Esken hatte die Ständige Impfkommission zuvor aufgefordert, ihre Haltung zur Impfung von Jugendlichen zu überdenken. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sich ebenfalls in diese Richtung. Auch Karl Lauterbach (SPD) bat die Stiko, ihre Impf-Empfehlung zu überdenken.

„Es gehört zur ständigen Aufgabe der Stiko, Empfehlungen zu überprüfen (nicht nur bei Corona), es bedarf dazu keiner Aufforderung von Politikern“, so Mertens weiter. Eine Aktualisierung der Impfempfehlung könne es erst geben, wenn aussagekräftige Daten vorliegen. „Dies erfordert Zeit und Sorgfältigkeit für die Sammlung der Daten, Analyse und Bewertung und Konsensbildung.“

Um die Coronavirus-Pandemie in den Griff zu bekommen, wird eine Herdenimmunität von 80 bis 85 Prozent Impfwilliger angepeilt. In Deutschland haben Kinder und Jugendliche einen Anteil von rund 15 Prozent der Bevölkerung. Das gesetzte Ziel zu erreichen, ohne dabei auch Minderjährige zu impfen, dürfte sich daher als recht schwierig gestalten. Eine Impfpflicht schloss Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuletzt allerdings aus. (Nail Akkoyun)

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