„Tödlich falsch“

Konzentration auf Zweitimpfungen: Professor sieht fatalen Fehler

Die ersten Corona-Impfungen geraten aktuell in vielen deutschen Impfzentren ins Stocken. Der Fokus wird dort eher auf die zweiten Impfdosen gelegt.
+
Die ersten Corona-Impfungen geraten aktuell in vielen deutschen Impfzentren ins Stocken. Der Fokus wird dort eher auf die zweiten Impfdosen gelegt.

Einige Bundesländer fokussieren in den Impfzentren derzeit die zweite Corona-Impfung und stellen die Erste hinten an. Ein Professor kritisiert dieses Vorgehen.

Göttingen - Immer mehr Menschen haben bereits eine Erstimpfung gegen Corona erhalten und warten nun auf ihren Termin für die zweite Spritze. Allerdings stockt es aktuell wieder in zahlreichen Impfzentren in Deutschland. Der Grund: Viele Bundesländer konzentrieren sich derzeit hauptsächlich auf die noch ausstehenden Zweitimpfungen, anstatt zunächst die ersten Termine durchzuführen.

Laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind mittlerweile mehr als 40 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft. 16,4 Prozent haben bereits eine zweite Impfung erhalten, das ist dem offiziellen Impfdashboard zu entnehmen.

„Tödlich falsch“ - Professor kritisiert Fokus auf zweite Corona-Impfung

In Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg wurde nun angeordnet, die gelieferten Impfdosen in Impfzentren vorrangig für zweite Corona-Impfungen zu verabreichen, das berichtet merkur.de. Bei den Erstimpfungen sollte die Bevölkerung in Bayern laut Gesundheitsminister Klaus Holetschek besser auf Hausarztpraxen setzen.

Professor Klaus-Dieter Zastrow, Facharzt für Hygiene, bezeichnet die nun gebremsten Erstimpfungen als „tödlich falsch“. „Die erste Impfung bringt in jedem Fall eine Schutzwirkung hervor. Je mehr Erstimpfungen, desto besser“, sagt Zastrow gegenüber bild.de. Der aktuelle Fokus auf die Zweitimpfungen seien für den 71-jährigen Mediziner „ein Unding, denn es ist wichtig, dass wir so viele Leute wie möglich erreichen.“

Im Video: Wie gut schützt bereits die erste Corona-Impfung?

Corona in Deutschland: Mediziner fordert möglichst viele Erstimpfungen

Professor Zastrow fordert daher die Erstimpfungen über die zweiten zu stellen. Wer die erste Impfung hat, hat einen Impfschutz. Fertig“, so der Mediziner. Der Fokus auf die erste Impfdosis sei für ihn der Weg zu einer Herdenimmunität. In Niedersachsen habe man sogar noch überlegt, ob man zunächst so viele Erstimpfungen durchführt wie möglich. „Die Überlegung war anfangs auch, ob wir Impfstoff zurücklegen für die Zweitimpfung, damit wir kontinuierlich bei den Erstimpfungen durchimpfen können. Das haben wir bewusst nicht getan, um möglichst viele Menschen erst zu impfen (...), jetzt müssen wir natürlich die Zweitimpfungen durchführen“, erklärte die stellvertretende Leiterin des niedersächsischen Corona-Krisenstabs Claudia Schröder Mitte Mai im NDR.

Einige Impftermine mussten aufgrund der Zweitimpfung schließlich verschoben werden. Fast 600.000 Menschen standen Mitte Mai in Niedersachsen auf der Warteliste für den ersten Corona-Impftermin. Ab Anfang Juni sollen dann laut Gesundheitsministeriumssprecher Oliver Grimm die nächsten Erstimpfungen wieder möglich sein.

Erste Corona-Impfungen stocken - Apotheker empfiehlt Impfabstand zu lockern

Wie der Apotheker Dr. Martin Allwang gegenüber bild.de erklärt, könnten die Zeiträume zwischen dem ersten und dem zweiten Impftermin jedoch flexibler ausgelegt werden. „Der empfohlene Impfabstand hat den Hintergrund, dass möglichst viele Menschen ihre Erstimpfung bekommen und in zweiter Linie so viele Menschen wie möglich vollständig immunisiert werden.“ Ob man nach bereits sechs oder erst nach zwölf Wochen die zweite Impfung bekommt, würde laut Allwang immunologisch keinen Unterschied machen. „Bei mRNA-Impfstoffen sind wahrscheinlich noch größere Abstände möglich“, so der Apotheker. Einige Experten sind bereits der Meinung, dass sogar eine dritte Corona-Impfung nötig werden könnte.

Ab dem 7. Juni wird die Impfreihenfolge schließlich offiziell aufgehoben. Ab dann dürfen sich alle Impfwilligen für einen Corona-Impftermin anmelden und diesen auch wahrnehmen, ohne Teil einer Prioritätengruppe zu sein. (Alina Schröder).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.