In den USA werden Schusswaffen verschenkt

Fahrräder, Festival- und Freizeitpark-Tickets – Gibt es bald Geschenke für die Corona-Impfung?

Kostenloser Eintritt zu Freizeitparks oder die Chance auf ein Fahrrad für eine Corona-Impfung? Künftig könnte es Anreize für einen Impftermin geben.

Kassel – Während die als besonders ansteckend geltende Corona*-Variante Delta sich immer weiter in Deutschland ausbreitet, macht auch das sinkende Impftempo Sorgen. Trotz der derzeitig relativ entspannt wirkenden Lage, äußern Experten und Politiker bereits Bedenken.

Sowohl Sabine Dittmar, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, als auch Parteikollege und Fachpolitiker Karl Lauterbach* sagten, dass man bei den Impfangeboten künftig kreativer werden müsse. Laut Lauterbach seien Lockerungen wie in England* in Deutschland undenkbar und man müsse sich etwa auf Ausgehmeilen und in Shisha-Bars gegen das Coronavirus impfen lassen können. Auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) schlug jüngst gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vor, Verlosungen für „beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder einen anderen schönen Preis“ zu veranstalten.

Auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund wünscht sich „etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden“, wie es Vorsitzende Susanne Johna in der Rheinischen Post ausdrückte. Man müsse die Menschen, die sich einer Impfung noch unsicher sind „auch direkt ansprechen und nicht warten.“ Entscheidend sei doch, dass all diejenigen erreicht werden, die bisher „aus welchen Gründen auch immer noch zögern oder überzeugt werden wollen.“

Geschenke für Corona-Impfung? „Mit materiellen Hilfen sollte man nicht anfangen“

Schaut man über den Atlantik auf die Vereinigten Staaten, beobachtet man auch dort eine stotternde Impfkampagne. Obwohl Millionen von Menschen noch nicht gegen Corona geimpft wurden, mangelt es in den USA an Freiwilligen. Dort werden Impfwillige nun mancherorts sogar mit Schusswaffen „belohnt“. Hierzulande scheint eine Debatte über mögliche Impfgeschenke hingegen gerade erst in Fahrt zu kommen.

FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sprach sich im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland ebenfalls für entsprechende Anreize aus, beispielsweise in Freizeitparks oder Museen. Die Idee dahinter: Wer sich an diesen Orten impfen lässt, kann die Attraktionen den restlichen Tag gratis nutzen. Wie sinnvoll eine Achterbahnfahrt nach einer Impfung ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Um mehr Menschen von der Corona-Impfung zu überzeugen, könnten künftig Anreize geschaffen und Geschenke verteilt werden. Die Meinungen sind gespalten.

Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland stellte sich Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, gegen Impfgeschenke. Es sei zwar wichtig, mit verunsicherten Bürgern und Bürgerinnen zu sprechen und ihnen mögliche Ängste zu nehmen, dies jedoch nicht von Geschenken abhängig zu machen: „Mit materiellen Hilfen sollte man nicht anfangen. Das wäre ungerecht gegenüber den anderen, die sich ohne solche Hilfen haben impfen lassen“, sagte Sofuoglu.

Bundesländer stellen verschiedene Ideen vor: Corona-Impfung auf Festivals und dem Marktplatz?

Der Anfang wurde aber schon gemacht, wenn bisher auch nur in Sachsen. Der Freistaat im Osten der Bundesrepublik bildet momentan mit einer Erstimpfquote von 49,4 Prozent (Stand: 09.07.2021) das bundesweite Schlusslicht der Corona-Impfkampagne. Um dem entgegenzuwirken, erhielten die ersten 100 Impflinge am Donnerstag (08.07.2021) und Freitag (09.07.2021) im Impfmobil des Deutschen Roten-Kreuzes (DRK) einen 10-Euro-Gutschein für ein Chemnitzer Einkaufszentrum.

Wie DRK-Sachsen-Sprecher Kai Kranich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte, handele es sich dabei allerdings um eine Aktion des Einkaufszentrums, das DRK selbst hätte dafür „auch nicht die Mittel“. Weiter sei Impfen eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, weswegen man gerne „weitere Kooperationspartner“ wie in Chemnitz mit an Bord hätte. Wie beispielsweise den Bundesliga-Zweitligisten Erzgebirge Aue. Die „Veilchen“ luden am vergangenen Wochenende 400 Fans ein, die sich am Erzgebirgsstadion eine Impfung abholen konnten. Zum zweiten Termin soll es noch eine Dankesgeste der Mannschaft geben.

In mehreren Bundesländern plant man zudem über das Sozialamt Impfungen anzubieten, um so direkt Sozialleistungsbezieher erreichen zu können. Parallel seien Impfangebote in Bürgerhäusern, Moscheen und Kirchen geplant. Rheinland-Pfalz prüft aktuell die Möglichkeit, Impfbusse auf Marktplätzen einzusetzen, wo sich Menschen ohne Registrierungen impfen lassen könnten. Dominik Lenz, Sprecher des Gesundheitsministeriums Brandenburg, erklärte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zudem, dass man vor allem junge Leute mit Impfmöglichkeiten auf Festivals, Parkplätzen und am Strand ansprechen möchte – und das ohne Termin. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze/dpa

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