Keine Empfehlung der Stiko

Corona-Impfung für Schwangere? Fachverband spricht sich dafür aus

Ein Ja zur Corona-Impfung für Schwangere – das gibt Fachverbandschef Christian Albring. Grund ist unter anderem die Ausbreitung der Delta-Variante.

Kassel – Der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, hat Schwangeren empfohlen, sich gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 impfen zu lassen. Die offiziellen Empfehlungen für Corona-Impfungen werden allerdings von der Ständigen Impfkommission (Stiko) ausgesprochen.

„Gerade da die inzwischen verbreitete Delta-Variante nach internationalen Berichten mit einer hohen Infektiosität und mit einer erhöhten Erkrankungsrate auch bei Schwangeren einhergeht, ist nach Ansicht der Gynäkologenverbände eine Impfung vor und in der Schwangerschaft sowie im Wochenbett und in der Stillzeit sinnvoll.“ Das sagte Albring gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

BezeichnungCorona
VirusSars-Cov-2
InfektionskrankheitCovid-19
Besorgniserregende Virusvarianten (variants of concern, VOC)Alpha, Beta, Delta, Gamma
Quelle: RKI

Christian Albring: Fachverbände fordern Empfehlung für Corona-Impfung für Schwangere

Fachgesellschaften sprechen sich für eine Corona-Impfung bei Schwangeren aus. Doch eine Empfehlung der Stiko gibt es bisher nicht: Wer haftet also bei Impfschäden von Schwangeren? Das Infektionsschutzgesetz bilde die rechtliche Grundlage – nach diesem seien auch Ärzte und Schwangere bei der Corona-Impfung rechtlich abgesichert, erklärte Albring.

Das Problem liege eher bei der Stiko, da die offizielle Empfehlung für eine Corona-Impfung fehle. Viele Ärztinnen und Ärzte seien dadurch verunsichert, sagte der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. Die fehlende Empfehlung gebe außerdem das Signal, „dass vielleicht doch ein Risiko in der Impfung verborgen sein könnte.“

Bis Ende August 2021 will die Stiko nach eigenen Angaben entscheiden, ob eine Corona-Impfung für Schwangere empfohlen werden soll oder nicht. Die Empfehlungen basieren auf den „derzeit besten verfügbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen“, welche „fortlaufend bewertet“ werden, erklärt das Robert Koch-Institut (RKI). Die Empfehlungen würden daher regelmäßig angepasst und aktualisiert. Wie die Ständige Impfkommission (Stiko) mitteilte, soll Schwangeren zunächst keine Corona-Impfung empfohlen werden.

Eine Schwangere erhält in Kolumbien eine Corona-Impfung. In Deutschland hat die Stiko noch keine Empfehlung dafür ausgesprochen - diese wird aber von Fachverbänden gefordet.

Stiko: Sicherheit und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe bei Schwangeren auf dem Prüfstand

Wie Gynäkologin Marianne Röbl-Mathieu dem RND erklärte, arbeite die Stiko „die vorliegenden Daten für eine Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft derzeit systematisch auf“. Untersuchungsschwerpunkte seien die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe sowie die Erkenntnisse zu Corona-Erkrankungen in der Schwangerschaft. Diese Aspekte würden dann einer Nutzen-Risiko-Bewertung unterzogen.

Im epidemiologischen Bulletin des RKI wird mit Stand vom 08.07.2021 keine Empfehlung einer Corona-Impfung für Schwangere ausgesprochen. Der Grund dafür: „Zur Anwendung der Covid-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft liegen aktuell limitierte Daten vor.“ Es gebe jedoch keine Anzeichen für einen Schwangerschaftsabbruch durch eine Impfung.

Stiko empfiehlt Corona-Impfung für Schwangere nur partiell

Schwangere mit einem erhöhten Risiko für eine Infektion mit Sars-Cov-2 und für eine schwere Covid-19-Erkrankung könnten sich ab dem 2. Trimenon (ab der 14. Schwangerschaftswoche) mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen. Davor müsse jedoch eine Nutzen-Risiko-Abwägung und Aufklärung erfolgen. Dasselbe gilt für Schwangere „mit einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände“.

Auch zu Impfungen während der Stillzeit würden derzeit nur wenige Daten vorliegen, hieß es im Stiko-Bericht. Es sei jedoch „äußerst unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt“.

Darüber hinaus fordern Intensivmediziner in Deutschland Klarheit bei der Anzahl der verabreichten Impfungen: Eine Umfrage soll die Diskrepanzen bei den RKI-Impfdaten beseitigen. (jey/dpa)

Rubriklistenbild: © Carlos Ortega/Imago

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