Wie viele Impfungen wirklich?

Diskrepanzen bei RKI-Daten zur Corona-Impfung: Intensivmediziner fordern Klarheit

Das RKI bestätigt Diskrepanzen bei den durchgeführten Impfungen und ihrer Meldung - DIVI-Präsident Marx fordert nun Klarheit. (Symbolbild)
+
Das RKI bestätigt Diskrepanzen bei den durchgeführten Impfungen und ihrer Meldung – DIVI-Präsident Marx fordert nun Klarheit. (Symbolbild)

Intensivmediziner in Deutschland fordern Klarheit bei der Anzahl der verabreichten Impfungen. Eine Umfrage soll die Diskrepanzen bei den RKI-Daten beseitigen.

Kassel – Wie viele Menschen sind in Deutschland gegen Corona geimpft? So genau kann das wohl keiner sagen. Intensivmediziner haben nun Klarheit gefordert. Der Grund: Das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) berichtete unlängst über Diskrepanzen bei den Zahlen der Corona-Erstimpfungen in Deutschland. Die verschiedenen Erhebungssysteme hätten unterschiedliche Daten herausgegeben.

„Das Impfen ist der entscheidende Erfolgsfaktor der Pandemie. Wir müssen alles dafür tun, das Vertrauen in die Impfkampagne zu stärken“, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Diskrepanz zwischen Corona-Impfdaten: Mehr Menschen erstgeimpft als angenommen

Intensivmediziner haben deshalb eine unabhängige, repräsentative Bevölkerungsumfrage gefordert. Diese soll den aktuellen Stand des Impfens in Deutschland prüfen. Die Differenz der RKI-Daten bei Corona-Impfungen zwischen offiziellen Meldedaten (Digitales Impfquotenmonitoring – DIM) und den Werten aus Umfragen (Covid-19 Impfquoten-Monitoring – Covimo) trat vor allem bei unter 60-jährigen Personen auf.

Das RKI bestätigte offiziell eine Diskrepanz zwischen den gesammelten Daten. Es sei anzunehmen, dass mehr Menschen in Deutschland eine Erstimpfung bekommen hätten, als die Meldedaten zeigen.

  • Impfdaten der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen
  • DIM: Circa 59 Prozent
  • Covimo: Circa 79 Prozent
  • Quelle: RKI (Datenstand bis 13.07.2021)

Akzeptanz der Corona-Maßnahmen könnte sinken – wegen nicht „verlässlicher Zahlen“

Von offizieller Stelle heiß es, dass die Wahrheit der Impfzahlen in Deutschland wohl zwischen diesen beiden Werten liege. Marx sprach auch davon, dass „verlässliche Zahlen [...] die Basis für die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen“ sind. „Sollte die Impfquote in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen tatsächlich viel höher liegen als gemeldet, hätten wir gerade mit Blick auf den Herbst eine viel entspanntere Lage“, führte er weiter aus.

Diese Unsicherheit über die tatsächliche Impfquote sei „ein erneutes Ärgernis im Management dieser Krise“, sagte FDP-Generalsekretär Volker Wissing gegenüber den Funke-Zeitungen. Bei der Entscheidung über Corona-Maßnahmen und -Regeln spielten vor allem Inzidenz und Impfungen eine Schlüsselrolle. Weil die Bundesregierung nicht über gesicherte Zahlen verfüge, stehe nun die „für die Herdenimmunität der Bevölkerung so wichtige Impfquote infrage“, sagte Wissing weiter.

Corona-Impffortschritt in Deutschland vom Mittwoch

Dem DIM zufolge wurden am Mittwoch (11.08.2021) 511.428 Impfdosen verabreicht. Insgesamt verabreicht wurden in Deutschland 96,3 Millionen Impfdosen. Die Gesamtzahl der Erstimpfungen stieg dadurch auf 52.240.943. Das sind 62,8 Prozent der Gesamt­bevölkerung. Als vollständig geimpft gelten 46.653.588 Personen, was 56,1 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Die meisten vollständig geimpften Personen finden sich in Bremen (65,5 Prozent), im Saarland (60,6 Prozent) und in Schleswig-Holstein (59,7 Prozent). In Thüringen (53 Prozent), Brandenburg (51,9 Prozent) und Sachsen gibt es hingegen die niedrigsten Impfquoten. Als vollständig geimpft gelten Personen, die alle notwendigen Impfungen erhalten haben. Weitere Informationen gibt es auf dem Corona-Impfdashboard. (jey/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.