Pandemie

Indische Corona-Variante: So schätzt Virologin Ciesek die Gefahr ein

Corona-Pandemie: Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek äußert sich zu einer möglichen Gefährdung durch die indische Variante. (Archivbild)
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Corona-Pandemie: Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek äußert sich zu einer möglichen Gefährdung durch die indische Variante. (Archivbild)

Die indische Corona-Variante breitet sich derzeit rasant aus. Doch welche Folgen könnte sie auf die Corona-Bekämpfung haben? Sandra Ciesek schätzt die Lage ein.

Kassel/Frankfurt – Die Corona-Mutation B.1.617 breitet sich derzeit auch über die Landesgrenze Indiens weiter aus. Aus diesem Grund schauen zahlreiche Wissenschaftler und Experten mit einem besorgten Blick auf die sich rasant entwickelnde Mutante, um dessen Gefahr besser einschätzen zu können. Sandra Ciesek, Virologin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, hat sich zu möglichen Auswirkungen geäußert.

Wie inFranken.de berichtet, kann die indische Variante nach Einschätzungen der Virologin die Wirkung der Corona-Impfung schwächen. In mehr als 40 Ländern, unter anderem in Großbritannien, wurde die Mutation bereits nachgewiesen. In Deutschland hatte sie zuletzt allerdings einen noch sehr geringen Anteil von weniger als 2 Prozent der Infektionen - dieser könnte jedoch weiter steigen. Aus diesem Grund wächst auch die Sorge um die hochansteckende Corona-Mutante aus Indien.

Indische Corona-Variante: Virologin Ciesek rechnet mit „leichten Einschränkungen“ der Impfungen

„Die Varianten aus Indien haben einen leichten Immun-Escape, also eine leicht verminderte Wirksamkeit“, sagte Ciesek im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Man könne demnach eine „leichte Einschränkung“, aber kein vollständiges Versagen der Impfungen beobachten. In Großbritannien kam es in einem Seniorenheim laut Berichten trotz vollständiger Impfung zu Neuinfektionen mit der Mutante. Dies beunruhige Ciesek allerdings nicht, denn kein Impfstoff würde, gerade bei älteren Menschen mit einem schwächeren Immunsystem, vollständig wirken. Daher seien erneute Corona-Infektionen nicht verwunderlich. „Das Wichtige ist, dass diese Menschen nicht schwer erkranken“, so die Virologin.

Name: Sandra Ciesek
Posten: Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt
Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität.

Allerdings müsse man in Deutschland genau beobachten, ob und wie schnell sich die indische Variante ausbreitet. Welche Auswirkung dies auch auf den internationalen wiederkehrenden Tourismus haben könnte, bleibe zunächst abzuwarten. „Wir sehen ja gerade in Indien und auch in anderen Ländern wie Brasilien, dass dort neue Varianten entstehen, die dann wieder mit nach Deutschland gebracht werden und hier auch wieder zu einer Gefährdung führen können.“

Im Video: Studien zeigen, dass das Vakzin von Biontech auch gegen die indische Variante schützt

Corona: Indische Variante breitet sich weiter aus - Ciesek mit klarem Appell

Falls sich die Lage in Deutschland entspannen sollte, dürfe man trotzdem nicht den Rest der Welt vergessen, betonte die Frankfurter Expertin. „Wir sitzen nicht in einer Glaskugel, sondern sind eine Welt. Deswegen wird die Pandemie auch erst beendet sein, wenn sie weltweit beendet wird.“ Dass viele Länder nur in ihrem eigenen „Radius denken“ würden, kritisiert die Virologin. Sie wünsche sich, dass die Welt nach dem Ende der Pandemie „wirklich versucht, daraus zu lernen und zwar nicht nur vor Ort, sondern auch weltweit.“ (Alina Schröder)

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