Betrüger handeln mit Fälschungen

Handel mit gefälschten Corona-Impfnachweisen steigt - EU-Parlament besorgt: „Alarmlichter müssen leuchten“

Ein Smartphone, auf dem ein Impfzertifikat in der Corona Warn App angezeigt wird, liegt auf einem Impfbuch (gestellte Szene). In Baden-Württemberg ist für den Nachweis des Corona-Impfstatus in allen Bereichen, in denen ein Impfnachweis benötigt wird, ein auslesbarer QR-Code notwendig, die gelben Impfausweise reichen nicht mehr aus.
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Laut einem Bericht nimmt der Handel mit gefälschten digitalen Impfnachweisen europaweit zu.

Gefälschte Corona-Impfnachweise sind besonders bei Impfgegnern beliebt. Offenbar erfolgt nun eine EU-weite Zunahme des Handels mit den gefälschten Papieren.

München - Die Corona*-Eskalation bringt in vielen europäischen Ländern erhebliche Verschärfungen der Regeln mit sich. 2G, neue Lockdowns und somit besonders weitere Einschränkungen für Ungeimpfte werden zur Normalität. Zudem könnten viele Länder angesichts der Lage eine Impfpflicht einführen. Auch in Deutschland läuft die Debatte auf Hochtouren, wobei die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag (2. Dezember) Schritte in diese Richtung machen könnte.

Impfgegner protestieren heftig dagegen und nutzen teils auch eine Alternative, um sowohl Beschränkungen als auch der Impfung auszuweichen: gefälschte Impfnachweise und Tests. Zuletzt wurden die Strafen hierfür mit dem neu eingeführten Infektionsschutzgesetz erhöht, doch trotzdem lassen sich viele nicht davon abhalten, gefälschte Zertifikate zu besorgen. Offenbar nimmt der Handel mit den gefälschten Dokumenten zu - und das nicht nur in Deutschland.

Corona-Impfzertifikate: Fälschungen nur schwer erkennbar - knapp 1000 gefälschte Nachweise in Münchner Apotheke

EU*-weit nimmt der Handel mit gefälschten digitalen Impfnachweisen einem Medienbericht zufolge zu - und grenzüberschreitende Überprüfungen gibt es kaum: Laut dem ARD-Politmagazin "report München" gibt es in in- und ausländischen Internet-Foren derzeit einen schwunghaften Handel mit gefälschten Covid-Codes, mit deren Hilfe dann QR-Codes für Impfnachweise erhältlich sind. Diese Fälschungen würden weder von deutschen Prüf-Apps noch von Apps aus dem EU-Ausland zuverlässig als solche erkannt, berichtete das Magazin.

Nach den Recherchen von "report München" verschaffen sich Betrüger über Komplizen in Apotheken Zugang zu den Systemen und stellen QR-Codes auf Bestellung aus. Diese ließen sich meist problemlos in die deutsche Corona-Warn-App sowie die CovPass-App einlesen. Bei digitalen Kontrollen erschienen sie als "valide". Als Beispiel nannte das Politmagazin eine Münchner Apotheke, die im vergangenen Oktober von der Polizei durchsucht worden sei. Allein in dieser einen Apotheke seien knapp tausend gefälschte Impfnachweise festgestellt worden.

Bei der Recherche in einem Online-Forum empfahl ein Anbieter von gefälschten digitalen Impfnachweisen den Reportern, auf Nachweise aus dem EU-Ausland auszuweichen. In einer Stichprobe erkannten danach weder die Corona-Warn-App noch die CovPassCheck-App die ausländischen Fälschungen. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte laut "report München", bisher gebe es noch keine Lösung für das Problem des grenzüberschreitenden Einsatzes digitaler Impfnachweise.

Corona-Impfnachweise: EU-Parlament schlägt Alarm wegen Fälschungen - Forderung nach „zentralem Sperr-Register“

Das EU-Parlament* ist besorgt über das Ausmaß der Fälschungen. „Ein Blick auf die Zahlen in manchen deutschen Regionen zeigt, wir bewegen uns da in Sachen Fälschung im mittleren dreistelligen Bereich – da müssen alle Alarmlichter leuchten: die Lage ist europaweit derart zugespitzt, wir können uns schlicht nicht erlauben, dass sich einige den Impfnachweis mit drei Klicks im Internet erschleichen und erkaufen“, beklagte EU-Parlaments-Vizepräsidentin Nicola Beer gegenüber report München.

Sie forderte für die EU-Kommission ein zentrales Sperr-Register: „So könnten Mitgliedsstaaten jeweils auf national gelistete Fälschungen reagieren und im eigenen Land auch aus dem Verkehr ziehen.“ Damit würde man „europaweit nötige Schrauben anziehen in der Sicherheitsstruktur“, so Beer. (bb mit Material von afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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