„Kein Grund zur Panik“

Steigende Corona-Inzidenz: Warum die aktuelle Entwicklung trotzdem nicht besorgniserregend ist

Corona-Krise: Die Delta-Variante dominiert jetzt auch in Deutschland.
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Corona-Krise: Die Delta-Variante dominiert jetzt auch in Deutschland.

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen aktuell rasant an. Laut einigen Experten besteht trotzdem kein Grund zur Panik.

Kassel – Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen seit Tagen an. Grund dafür scheint die neu aufgetretene Delta-Variante zu sein. Sie macht hierzulande inzwischen einen Großteil der Corona*-Neuinfektionen aus.

Stephan Becker vom Institut für Virologie der Universität Marburg macht die Delta-Variante allerdings Hoffnung, wie der Mediziner gegenüber der Bild-Zeitung erklärte. Der Grund: Die weltweit steigende Immunität der Menschen sorge dafür, dass sich das Coronavirus immer weiter abschwäche – und somit immer harmloser werde.

Coronavirus könnte sich mit zunehmender Zeit weiter abschwächen

Der Mediziner Christoph Specht stimmte seinem Kollegen im Interview mit dem TV-Sender RTL zu: „Viren wollen sich vermehren. Die Variante, die sich am besten vermehrt, verdrängt die anderen Varianten“, sagt Specht, der als Journalist tätig ist. Aus evolutionärer Sicht mache es für ein Virus keinen Sinn, gefährlicher zu werden. Denn: Wenn der Wirt durch eine Infektion stirbt, könne er die Erreger nicht mehr weiter verteilen. „Viren sind darauf angewiesen, dass der Organismus, in dem sie sich einnisten, lebt und hustet, damit sie sich verteilen können“, so Specht. Zuletzt hatten Forscher eine Studie zum Corona-Sterberisiko bei Kindern veröffentlicht.

Corona sei anfangs so gefährlich gewesen, weil es noch nicht an den Menschen als Wirt angepasst gewesen sei. Genau das passiere nun aber durch Mutationen. Diese Entwicklung könne laut Becker dafür sorgen, dass sich das Coronavirus immer weiter abschwäche.

Experten sind sich über die Zukunft des Coronavirus einig

„Gleichzeitig wird das Virus durch die zunehmende Immunität der Menschen im Zuge der weltweiten Verbreitung und der Impfkampagne weniger gefährlich“. Das bedeute allerdings nicht, dass man sich auf der Evolution des Virus ausruhen könne, ergänzte Specht: „Die Kombination aus den Maßnahmen, die man eingeführt hat - vor allem die Impfung – ist sehr wichtig und da sollte auch weiterhin das Augenmerk drauf liegen. Trotzdem: Es gibt überhaupt keinen Grund zur Panik“.

Becker und Specht zeigten sich einig bezüglich der Zukunft des Coronavirus und Covid-19: Es handle sich zwar um eine potenziell tödliche Krankheit – aber letztlich sei es ein Erkältungsvirus. „Auf lange Sicht wird sich das Coronavirus wunderbar in die Reihe der bestehenden Erkältungsviren einreihen und so bei uns bleiben“, meinte Specht.

Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, rechnet hingegen damit, dass Masken auch nach einer Eindämmung der Corona-Pandemie nicht mehr aus dem Alltag verschwinden werden. Montgomery erklärte im ARD-„Europamagazin“, dass man Corona als ganz normale Erkältung ansehen könne, wenn 85 Prozent der Bevölkerung durch Impfung und Durchmachen der Erkrankung immunisiert seien. „Wir werden aber Corona nie wieder los. Wir werden in bestimmten Situationen immer Maske tragen müssen, Hände waschen müssen, Abstand halten und wir werden regelmäßig nachimpfen müssen, wie wir das von der Grippe ja auch kennen“, fügte er an. (Jan Wendt) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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