Karl Lauterbach entsetzt

60 Millionen Corona-Impfdosen fehlen – Was Karl Lauterbach jetzt plant

Nach einer Impfstoff-Inventur zeigt sich Gesundheitsminister Lauterbach „überrascht“ – im negativen Sinne. Nun will der Bund 2,2 Milliarden Euro für Nachschub hinlegen.

Update vom Donnerstag, 16.12.2021, 09.15 Uhr: Gesundheitsminister Karl Lauterbach will Impfdosen für 2,2 Milliarden Euro nachkaufen. 80 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer sollen davon über EU-Verträge beschafft werden. Weitere zwölf Millionen Dosen soll Deutschland direkt kaufen. Das teilte das Ministerium am Mittwoch (15.12.2021) mit. Den Milliarden-Betrag hat der Haushaltsausschuss im Bundestag bereits freigegeben. Finanzminister Christian Lindner hat die Nachbestellung bestätigt.

Es gehe in erster Linie darum, „den Jahresbeginn vernünftig zu gestalten“ – und dann auch das ganze erste Quartal, heißt es vom Ministerium. Mit dem Kauf könne „die Impfkampagne auch im nächsten Jahr mit hoher Intensität weiter fortgesetzt werden“, sagte FDP-Chef Lindner. Auch der Impfstoff von Moderna sei in der Bestellung mit dabei.

60 Millionen Impfdosen fehlen – Corona-Impftermine drohen auszufallen

Erstmeldung vom Mittwoch, 15.12.2021: Berlin - Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat einen Medienbericht bestätigt, dass für das erste Quartal 2022 ein Mangel an Corona-Impfstoff droht. „In der Tat, wir haben zu wenig Impfstoff. Das hat viele überrascht – mich auch“, sagte Lauterbach am Dienstagabend (14.12.2021) in den Tagesthemen (ARD).

Lauterbach hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sich einen Überblick über die vorrätigen Impfstoff-Mengen zu verschaffen. Das Ergebnis dieser Inventur ist ernüchternd: Die Reserven und Bestellungen werden für Januar bis März – gerade in Anbetracht der kommenden einrichtungsbezogenen Impfpflicht und der nun angelaufenen Kampagne zur Booster-Impfung – nicht ausreichen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: "Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal".

Karl Lauterbach warnt: Es wurde „viel zu wenig“ Corona-Impfstoff gekauft

„Die Situation ist ausgesprochen schwierig“, zitiert das Nachrichtenmagazin Spiegel den neuen Gesundheitsminister. „Wir haben einen erheblichen Impfstoffmangel im kommenden Jahr. Das ist das Ergebnis unserer Inventur“, soll Lauterbach während der Videokonferenz der Gesundheitsminister der Länder gesagt haben.

Für das gesamte erste Quartal sei „viel zu wenig Impfstoff gekauft worden“, so Lauterbach weiter. Die Mengen reichten demnach nicht, „um die Booster-Impfkampagne zu fahren“. Im Februar und März sei die Situation nicht besser. Auch einen Einblick in die Zahlen soll Lauterbach seinen Kollegen aus den Bundesländern gegeben haben. In den letzten beiden Dezember-Wochen gebe es von Biontech demnach nur 1,2 Millionen beziehungsweise 0,8 Millionen Dosen. In der ersten Kalenderwoche 2022 sollen nur 1,2 Millionen Impfstoffdosen dazukommen. Moderna könne in diesen Wochen immerhin je 10 Millionen Booster-Impfungen pro Woche liefern. In der zweiten, dritten und vierten Woche im Januar werde es insgesamt nur 3,6 Millionen Booster-Dosen pro Woche geben, berichtet der Spiegel weiter.

Medienbericht zum Impfstoff-Mangel: 60 Millionen Impfdosen sollen fehlen

Einem Bericht des Magazins Business Insider zufolge fehlen rund 60 Millionen Impfdosen. Ab Januar 2021 drohen deshalb zahlreiche Impftermine in Deutschland auszufallen. Berechnungen des Gesundheitsministeriums ergaben laut Bericht, dass rund 30 Millionen Dosen für Booster-Impfungen fehlen. Zudem sind demnach 30 Millionen Impfstoff-Dosen als Backup, um Erst- sowie Zweitimpfungen durchzuführen, nicht vorhanden. Das ist besonders problematisch, da aus der internen Berechnung des Ministeriums hervorgeht, dass man im Februar und März 2022 mit einem Impfansturm rechnet. Den Schätzungen des Ministeriums betrifft der Impfstoffmangel laut Bericht 15 bis 18 Millionen Menschen in Deutschland.

Karl Lauterbach arbeitet an Lösung des Impfstoff-Mangels: „Nutze alle Kanäle“

Lauterbach arbeite bereits an einer Lösung und hoffe, in den kommenden Tagen eine positive Botschaft übermitteln zu können, so der Gesundheitsminister in der ARD. „Das läuft über alle Kanäle, die zur Verfügung stehen, wir können hier nichts auslassen. Ich nutze auch die Kanäle, die wir direkt zu den Unternehmen haben, aber es muss alles EU-konform funktionieren“, sagte der Minister.

Offenbar fehlen rund 60 Millionen Impfstoff-Dosen für das erste Quartal des Jahres 2022. (Archivfoto)

Kassenärztliche Vereinigung: Impfstoff-Mangel ist „fatales Signal“

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, übte Kritik an der Regierung. Schon das Eingeständnis des Mangels sei ein „fatales Signal“ an alle, die gerade mit vollem Einsatz die Pandemie bekämpfen. Es sei „niemandem zu erklären, dass im Land der Impfstoffentwicklung zu wenig Impfstoff gekauft wurde“, sagte er der Bild-Zeitung.

Bis ein Impfstoff entwickelt sei, der an die neue Corona-Variante angepasst ist, dauere es noch „drei bis vier Monate“, erklärte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek. Biontech und Moderna hätten signalisiert, innerhalb von wenigen Wochen Millionen Dosen herstellen zu können, sagte Cichutek der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Karl Lauterbach hatte sich am Dienstag (14.12.2021) mit den Gesundheitsministern der Länder über die aktuelle Corona-Situation beraten. Im Laufe der Konferenz einigten sich die Minister darauf, dass bei der Corona-Regel „2G+“ dreifach Geimpfte künftig keinen Corona-Test nachweisen müssen. Ausnahmen soll es unter anderem für medizinische Einrichtungen geben. (tab/kh)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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