Corona-Pandemie

Corona-Lockdown an Weihnachten? Virologe mit bitterer Prognose

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind auf einem Rekordhoch. Was bedeutet das für Weihnachten und einen eventuellen Lockdown? Experten wagen eine Prognose.

Kassel – Die Corona-Fallzahlen in Deutschland* erreichen erneut einen neuen Höchststand. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Mittwoch (10.11.2021) fast 40.000 Neuinfektionen. Für Expertinnen und Experten kommt diese Entwicklung jedoch nicht überraschend. Bereits Anfang September hatte RKI-Chef Lothar Wieler vor einem „fulminanten Verlauf“ der Corona-Pandemie gewarnt, wenn die Impfquote nicht steige.

Mit Blick auf den bevorstehenden Winter und die drastisch steigenden Fallzahlen wächst die Angst vor einem erneuten Lockdown über Weihnachten. Intensivmedizinerinnen und Intensivmediziner sowie das RKI bitten um Reduzierung sozialer Kontakte. Ist die vierte Corona*-Welle in Deutschland überhaupt noch zu brechen? Nach den Plänen der Ampelparteien ist ein erneuter Lockdown nicht mehr vorgesehen. Das sagen die Fachleute.

Möglicher Lockdown: Die Corona-Prognose für Weihnachten

Ein erneuter Lockdown an Weihnachten sei nicht auszuschließen „wenn wir so weitermachen wie bisher“, sagte der Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ein Lockdown sei noch vermeidbar, bleibe aber im Bereich des Möglichen.

„Ohne deutlich verbesserte Impfquoten und mögliche Booster-Impfungen werden wir schon vor Weihnachten mit erhöhten Einschränkungen rechnen müssen“, befürchtet Friedemann Weber, Professor für Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen gegenüber focus.de. Ein nötiger Lockdown soll dem Experten zufolge jedoch „zunächst auf Ungeimpfte, die ein Impfangebot erhalten hatten, beschränkt bleiben.“

Weihnachten im Lockdown? Angesichts der drastisch steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland haben sich Fachleute zu möglichen Einschränkungen geäußert. (Symbolbild)

„Die Grundlage für das Niveau des Infektionsgeschehens zu Weihnachten wird gerade gelegt“, sagte Ralf Reintjes, Professor für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg im Gespräch mit focus.de. Die Zahl der Neuinfektionen zu Weihnachten hänge von jedem Einzelnen ab. Die Übertragung des Virus müsse laut Epidemiologen mit allen Möglichkeiten wie Impfen, Testen, Masken, Abstand und Kontaktreduktion eingedämmt werden.

Weihnachten 2021: Lauterbach und Drosten zeigen sich mit Blick auf die Corona-Fallzahlen pessimistisch

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* hat auf Twitter vor einer „Monster Welle“ gewarnt, die auf Deutschland zurolle. Nur mit einer konsequenteren Corona-Politik sowie einer 2G-Regelung könne man die Corona-Welle noch brechen und einen weiteren Lockdown verhindern, so Lauterbach. Schwere Krankheitsverläufe nach einer Ansteckung mit dem Virus würden mittlerweile auch bei bereits Geimpften stark zunehmen, heißt es im Twitter-Beitrag des SPD-Politikers. Größere Weihnachtsfeiern sollten daher vermieden werden.

Auch der Virologe Christian Drosten ist im Hinblick auf die drastisch steigenden Corona-Fallzahlen pessimistisch und spricht von einer „echten Notfallsituation“. Er erwarte in der Corona-Pandemie „einen sehr anstrengenden Winter“ und halte auch wieder Kontaktbeschränkungen für denkbar. „Wir müssen jetzt sofort etwas machen“, sagte der Leiter der Virologie in der Berliner Charité in seinem NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“.

Experten: Zahl der zu behandelnden Corona-Erkrankten auf Intensivstationen wird sich verdoppeln

Der aktuelle RKI-Wochenbericht, der die Lage als „sehr besorgniserregend“ bezeichnet, verdeutlicht die explosive Corona-Situation in Deutschland. Eine aktuelle Berechnung des Mathematikers Andreas Schuppert zusammen mit dem Vorsitzenden des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Christian Karagiannidis, gibt einen Ausblick auf Szenarien, die durch die steigende Zahl der Corona-Infektionen zu erwarten seien.

Nach derzeitigem Stand sei demnach bundesweit mit etwa 270.000 Patientinnen und Patienten zu rechnen, die im Zusammenhang mit Corona potenziell intensivpflichtig werden könnten, schreiben Schuppert und Karagiannidis laut Berichten des RND. Darunter seien 232.000 Nichtgeimpfte und 38.000 Geimpfte und Genesene mit Grunderkrankungen, Immunschwäche und/oder hohem Alter.

Wenn die Corona-Inzidenz in Deutschland weiter so steigt wie bisher und sich nicht nennenswert mehr Menschen für eine Impfung entscheiden, werden sich laut Vorhersage der Experten die Zahl der zu behandelnden Corona-Erkrankten auf der Intensivstation in den kommenden Wochen fast verdoppeln.

Geimpfte müssen sich in den meisten Fällen nicht mehr testen lassen, doch in Deutschland sind unter den positiven Covid-Infektionen auch immer mehr Impfdurchbrüche*. Für Infizierte, die den vollständigen Impfschutz haben, gelten besondere Regeln. (Helena Gries) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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