Merkel äußert sich

Bremst die Corona-Variante aus Indien die Lockerungen in Deutschland aus?

Auch in Deutschland breitet sich die Corona-Variante B.1.617, die zunächst in Indien nachgewiesen wurde, weiter aus. Könnte die Mutante jetzt weitere Lockerungen in Gefahr bringen?

Kassel – Die indische Corona-Variante breitet sich immer stärker aus. Auch in Deutschland beobachtet das Robert-Koch-Institut eine steigende, wenn auch noch immer geringe Zunahme an Infektionen, die auf die Mutante B.1.617 zurückzuführen sind.

Vor guter einer Woche wurde die Corona-Mutation von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft. Damit hat die Variante denselben Status wie auch die britischen, südafrikanischen und brasilianischen Corona-Mutationen erreicht. Doch könnte die Variante B.1.617 den Kampf gegen die Pandemie behindern und mögliche Lockerungen bremsen?

Indische Corona-Variante B.1.617: Trotzdem Lockerungen dank wirksamer Impfungen?

Die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna erzielten nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine gute Wirksamkeit gegen die indische Corona-Variante. Es gebe „vielversprechende“ Hinweise darauf, dass sowohl das deutsche als auch das US-amerikanische Vakzin in der Lage sei, die Mutante B.1.617 „neutralisieren“ zu können. Doch auch beim vektorbasierenden Impfstoff Astrazeneca sei man optimistisch, müsse dazu aber noch weitere Daten zum Einsatz des Vakzins in Indien abwarten.

Bremst die indische Corona-Variante B.1.617 mögliche Lockerungen aus?

Im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ erklärt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zudem, dass die Corona-Mutation die Impfwirkung zwar schwächen, aber nicht ausschalten könne: „Die Varianten aus Indien haben einen leichten Immun-Escape, also eine leicht verminderte Wirksamkeit“, erläutert Ciesek. Was man beobachte, sei „eine leichte Einschränkung, aber kein vollständiges Versagen der Impfungen“.

Auch das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass die Impfungen allesamt eine gute Wirksamkeit gegen die indische Variante haben: „B.1.617 zeichnet sich durch Mutationen aus, die mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden, wobei erste laborexperimentelle Daten darauf hindeuten, dass die Impfstoffwirksamkeit nicht substanziell beeinträchtigt ist“, zitiert die Tagesschau das Berliner Institut. Bringen die Impfungen also im garantierten Fall die Lockerungen – trotz der in Deutschland neuen Mutation?

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Corona-Variante B.1.617 ist ein „Unruheherd“

In Großbritannien herrscht weiterhin die sogenannte britische Mutante B.1.1.7, das Expertengremium SAGE (Scientific Advisory Group for Emergencies) befürchtet allerdings, dass die indische Variante um bis zu 50 Prozent ansteckender ist und sich damit auch schon bald als dominant durchsetzen wird. Die Bundesregierung hatte das Vereinigte Königreich inzwischen als Corona-Risikogebiet eingestuft. In Deutschland hatte die Mutante B.1.617 zuletzt einen Anteil aller Infektionen von 2 Prozent ausgemacht – Tendenz steigend. Die indische Corona-Variante sorgte unter anderem dafür, dass bei Düsseldorf die Bewohner zweier Hochhäuser unter Quarantäne gestellt worden sind.

Ob die indische Variante mögliche Lockerungen gefährdet, lässt sich laut Ciesek aktuell noch nicht abschätzen. Dazu müsse erst beobachtet werden, wie sich die Mutation hierzulande weiter ausbreite oder ob die Zahlen stagnieren werden. Dabei könne man jedoch von den Daten aus Großbritannien profitieren, wo die Mutante B.1.617 weiter verbreitet sei und dementsprechend mehr sequenziert und untersucht werde, so die Virologin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach bei Online-Beratungen der Unionsfraktion darüber, dass Lockerungen gut durchdacht werden sollten. Je aggressiver eine neue Corona-Variante sei, desto mehr Menschen müssten geimpft sein, um eine Herdenimmunität zu bekommen. Die CDU-Politikerin bezeichnete die indische Variante als einen „Unruheherd“, der sich rasch ausbreite. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

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