Virus-Pandemie

Corona-Lockerungen: Ethikrat gegen vorzeitige Impfung von Lehrkräften und Erzieher:innen

Lehrer:innen und Erzieher:innen werden nun schneller gegen Corona geimpft als ursprünglich geplant.
+
Lehrer:innen und Erzieher:innen werden nun schneller gegen Corona geimpft als ursprünglich geplant.

Im Zuge der Corona-Lockerungen kehren Kinder in mehreren Bundesländern wieder in die Kitas und Grundschulen zurück. Der Deutsche Ethikrat sieht die schnelle Impfung von Lehrkräften kritisch. 

  • Grundschulen und Kitas starten schrittweise wieder mit Präsenzunterricht.
  • Das Corona-Kabinett beschließt, dass Lehrer:innen und Erzieher:innen nun in Gruppe 2 vorgezogen und zeitnah geimpft werden.
  • Trotz ansteigender Infektionszahlen mehren sich die Forderungen nach Lockerungen.

Update vom Dienstag, 23.02.2021, 9:00 Uhr: Nachdem sich Bund und Länder gestern darauf geeinigt haben, Lehrer:innen und Erzieher:innen schneller gegen das Coronavirus zu impfen, kommt Kritik vom Ethikrat. Sie könne das politische Ziel nachvollziehen, die Schulen und Kindertagesstätten möglichst schnell und sicher wieder zu öffnen, sagte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats Alena Buyx am Dienstag im Deutschlandfunk.

Doch diese politische Entscheidung sei eine Abkehr vom Prinzip, zunächst die besonders gefährdeten Gruppen zu impfen.
Buyx sagte, sie hätte sich gewünscht, man hätte für einen sicheren Schulbetrieb andere Mittel genutzt und nannte den Einsatz von Schnelltests. „Ich gönne das den Lehrerinnen und Lehrern von Herzen“, betonte die Münchner Medizinethikerin.

Auch diese seien besonderen Infektionsrisiken ausgesetzt, jedoch weniger als Beschäftigte zum Beispiel in Teilen des Gesundheitswesens oder Krebskranke, die eine Chemotherapie erhalten. Sie hoffe nun, dass die Zahl der verfügbaren Impfdosen kurzfristig so stark steige, dass ein „harscher Verteilungskampf“ ausbleibe. Die Kriterien zur Priorisierung bei den Covid-19-Impfungen waren vom Ethikrat mit entwickelt worden.

Corona-Lockerungen: Lehrer:innen und Erzieher:innen sollen zeitnah Impfung erhalten

Update vom 22.02.2021, 20:40 Uhr: Angesichts der Öffnungen von Schulen und Kitas in mehreren Bundesländern haben sich Bund und Länder auf schnellere Impfungen gegen das Coronavirus für Lehrer:innen und Erzieher:innen geeinigt.

Öffnungen von Schulen und Kitas: Lehrer:innen und Erzieher:innen sollen vorzeitig geimpft werden

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschloss am Montag (22.02.2021), Erzieher:innen und Mitarbeiter:innen an Grund- und Förderschulschulen in die Priorisierungsgruppe 2 aufzunehmen. Diese Änderung der Impfverordnung teilte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Montagabend in München mit. Lehrer:innen und Erzieher:innen waren bisher in der Priorisierungsgruppe 3 eingestuft. Sie sollen nun ein Impfangebot erhalten, soweit der nötige Impfstoff in den Ländern vorhanden sei.

Nach einem zweimonatigen Lockdown haben ab dem 22. Februar in mehreren Bundesländern wieder Schulen und Kitas unter bestimmten Hygienekonzepten geöffnet

Corona-Impfungen: Erzieher:innen und Lehrer:innen sollten vorgezogen werden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprach, dies im Schnellverfahren möglichst bis Mitte der Woche umzusetzen. Zu den Berufsgruppen mit einem hohen Risiko gehörten Erzieher und Beschäftigte an Grund- und Förderschulen, denn klar sei, dass auch Kinder sich mit Corona infizieren und andere Menschen anstecken könnten, begründete der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) den Schritt.

Coronavirus: Erzieher:innen und Lehrer:innen gehören zu der besonders gefährdeten Berufsgruppe

„Für Krippen- und Kita-Kinder sowie Grund- und Förderschüler ist es eine besondere Herausforderung, die notwendigen Hygieneregeln wie Abstand halten und Maske tragen vorschriftsmäßig einzuhalten. Deswegen müssen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich besonders schützen.“, so der bayerische Gesundheitsminister außerdem. Zuvor warnten sowohl RKI-Chef als auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach vor Mutanten des Coronavirus, die auch für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen.

Update vom 22.02.2021, 15:44 Uhr: Mehrere Bundesländer öffnen Schulen und Kitas wieder für den Präsenzbetrieb. Je nach Corona-Lage - abhängig von den Inzidenzzahlen - bleiben in bestimmten Landkreisen und Städten die Einrichtungen aber auch weiterhin zu.

Wie instabil die Lage ist, zeigte sich dann gleich am Montag: Nach nur einem Tag erfuhren etwa die meisten Schülerinnen und Schüler in Nürnberg, dass sie ab Dienstag wieder von zu Hause aus lernen müssen, weil die Corona-Zahlen zu hoch sind. Planungssicherheit ist für Familien und Beschäftigte in Schulen und Kitas also weiterhin kaum zu haben.

Zehn Bundesländer öffnen Kindertagesstätten und Grundschulen

Erstmeldung vom 22.02.2021, 13:50 Uhr: Berlin - Nach rund zweimonatiger Schließung und Notbetreuung öffnen an diesem Montag in weiteren zehn Bundesländern wieder Kindertagesstätten und Grundschulen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterstützt das: „Es ist gut, dass viele Schulen in Deutschland jetzt schrittweise wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen“, sagte sie. Präsenzunterricht sei durch nichts zu ersetzen. „Kinder, besonders jüngere, brauchen einander.“

Angesichts der Infektionslage rief die CDU-Politikerin aber dazu auf, „alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Prävention einer Virenübertragung zu ergreifen“, um den Schulbetrieb auch in den nächsten Wochen aufrechterhalten zu können. Die jüngste Entwicklung der Infektionszahlen verdiene höchste Aufmerksamkeit, sagte Karliczek und verwies auch auf die Ausbreitung neuer Virusvarianten. „Das muss auch beim Schulbetrieb bedacht werden. Ich bin mir aber sicher, dass die Länder dies bei ihren Öffnungsentscheidungen berücksichtigen.“

Corona-Impfung: Lehrkräfte und Erzieherinnen sollen priorisiert werden

Karliczek hat sich auch für eine höhere Priorisierung bei der Impfung von Grundschullehrkräften und Kita-Erzieherinnen ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will darüber am Nachmittag mit seinen Länderkolleginnen und -kollegen beraten. Und noch etwas steht in Sachen Corona-Bekämpfung auf der Agenda dieses Tages: Das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung berät über Schnelltests durch geschultes Personal für alle.

Kinder warten sehnsüchtig darauf, zurück in Schulen und Kitas zu können, doch die Corona-Zahlen steigen wieder.

Überlagert werden die Entscheidungen am Montagnachmittag vom Anstieg wichtiger Corona-Kennziffern. Die Sorge vor einer dritten Corona-Welle wächst. Die Kurve der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zeigte am Sonntag den vierten Tag in Folge nach oben* - trotz des seit Mitte Dezember geltenden Lockdowns. Am Montag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) hier wiederum kaum Veränderung: Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 4369 Neuinfektionen, vor einer Woche waren es 4426 gewesen.

Corona-Krise in Deutschland: Zahl der Neuinfektionen steigt wieder

Zugleich stieg aber die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) weiter an: und zwar auf bundesweit 61,0. Am Vortag hatte sie noch bei 60,2 gelegen. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag nach dem RKI-Lagebericht vom Sonntagnachmittag bei 1,10 (Vortag 1,07). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten rascher ausbreiten.

Corona-Kabinett tagt zu Schul- und Kita-Öffnungen
Angela Merkel (Bundeskanzlerin)Helge Braun (Kanzleramtsminister)
Olaf Scholz (Finanzminister)Horst Seehofer (Innenminister)
Annegret Kramp-Karrenbauer ( Verteidigungsministerin)Jens Spahn (Gesundheitsminister)
Heiko Maas (Außenminister)Anja Karliczek (Bildungsministerin)
Franziska Giffey (Familienministerin)

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnt dann auch dringend vor weiteren Lockerungen: „Wer in Zeiten steigender R-Werte über Lockerungen spricht, handelt absolut unverantwortlich“, sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Der Inzidenzwert zeigt, wo wir aktuell stehen. Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen. Bei einem Wert klar über 1,0 droht wieder exponentielles Wachstum - und genau das ist jetzt der Fall.“ Dennoch mehren sich in allen Parteien die Stimmen, erste Lockerungen zuzulassen. Auch wächst die Kritik am Neuinfektionswert als Richtschnur politischen Handelns. (Tobias Möllers mit dpa, epd) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.