Pandemie

In diesen Fällen ist eine Kündigung wegen Corona-Spätfolgen rechtens

Nach einer Corona-Infektion haben einige Betroffene mit Spätfolgen zu kämpfen. Kann der Arbeitgeber deswegen kündigen?

Kassel - Corona-Erkrankte leiden oft an Symptomen wie Husten, Fieber oder Störung des Geruchs- und Geschmacks­sinns. Dennoch ist auch nach Abklingen der Symptome die Corona-Infektion oft nicht überstanden. Diese Nachwirkungen wird von Forschern Long-Covid genannt. Laut der Bundesforschungs­ministerin Anja Karliczek (CDU) sollen schon mehr als 350.000 Menschen an diesen Spätfolgen leiden.

Auch wenn viele nur vereinzelte Nachwirkungen spüren, können Sie, je nach Verlauf, für längere Zeit arbeitsunfähig werden. In Deutschland ist dies dann wie folgt geregelt: In den ersten sechs Wochen Abwesenheit wegen Krankheit zahlt der Arbeitgeber den Lohn weiter. Danach springt die gesetzliche Krankenversicherung ein. Nun stellt sich bei vielen die Frage, ob der Arbeitgeber aufgrund von Long-Covid auch eine Kündigung aussprechen kann.

Corona-Spätfolgen: Eine Kündigung wegen Long-Covid ist nur unter besonderen Voraussetzungen möglich. (Symbolbild)

Corona-Spätfolgen: Kündigung nur aus drei Gründen rechtens

Nach Informationen von Bild ist eine Kündigung nur aus drei Gründen rechtens. Einerseits ist da die betriebliche Kündigung, also der Zwang zur Kündigung aufgrund von einer Rationalisierung oder einer Fusion. Zudem gibt es die verhaltensbedingte Kündigung. Diese Art kommt nur nach vorsätzlichem oder fahrlässigem Handeln, Krankheitsandrohung oder Geheimnisverrat zu tragen. Der dritte Grund ist die personenbedingte Kündigung bei Wegfall der Berufsausübungserlaubnis, Haftstrafe, langfristige Erkrankung mit negativer Prognose für die Zukunft und fehlender Arbeitserlaubnis.

Zudem sind Arbeitnehmer, die länger als sechs Monate in einem Betrieb tätig sind, durch das Kündigungsschutzgesetz abgesichert. Ausnahmen gelten nur in Kleinbetrieben mit 10 und weniger Mitarbeitern. Aber wann ist nun eine Kündigung durch Long-Covid rechtens?

Kündigung wegen Long-Covid: Drei Vorraussetzungen müssen für Corona-Kündigung erfüllt sein

Nach Informationen von Bild handelt es sich bei Kündigungen wegen Long-Covid um krankheitsbedingte, sogenannte personenbedingte Kündigungen. Folgende Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein:

  • Es müssen klare Tatsachen vorliegen, dass die Arbeitsunfähigkeit auch weiter besteht.
  • Die Fehlzeiten des Arbeitnehmers beeinträchtigen die betrieblichen oder wirtschaftlichen Interessen des Arbeitgebers erheblich.
  • Die Interessen des Arbeitnehmers müssen mit den des Arbeitgebers ins Verhältnis gesetzt werden. Dazu zählt die Dauer des Arbeitsverhältnisses, die Krankheitsursache, die Fehlzeiten vergleichbarer Arbeitnehmer und das Alter des Arbeitnehmers.

Corona-Kündigung wegen Long-Covid: Entscheidung im Einzelfall

Ob eine Kündigung wegen Long-Covid wirksam ist, lasse sich nach den Angaben von Bild nur im Einzelfall klären. Sie sei in jedem Fall unwirksam, wenn vor Ausspruch der Kündigung ein bestehender Betriebsrat nicht angehört wurde.

Wenn der betroffene Arbeitnehmer Betriebsratsmitglied, schwerbehindert sind oder wenn die Arbeitnehmerin schwanger ist, gelten wiederum besondere Kündigungsvoraussetzungen. Wem gekündigt wurde, der hat drei Wochen Zeit, dagegen vorzugehen. Nach Ablauf dieser Klagefrist ist die Kündigung wirksam. (Luisa Ebbrecht)

Rubriklistenbild: © Franziska Gabbert/dpa

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