Niedersachsen

Arzt weigert sich Corona-Impfgegnerin zu behandeln ‒ und wird bedroht

Ein Arzt aus Niedersachsen rät einer Corona-Impfgegnerin, sich einen anderen Hausarzt zu suchen. Jetzt steht der Mann unter Polizeischutz. 

Osnabrück - Ein Arzt aus dem Landkreis Osnabrück muss aktuell von der Polizei geschützt werden. Der Grund: Er weigert sich eine Corona-Impfgegnerin zu behandeln und bekommt daraufhin täglich Nachrichten mit Gewaltdrohungen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, würden ihn im Stundentakt mehrere Telefonanrufe und E-Mails mit verstörenden Gewaltfantasien gegen ihn und sein Team erreichen. „Wir nehmen die Bedrohung ernst, sodass wir zum Schutz des Arztes und seines Teams Maßnahmen eingeleitet haben“, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Arzt aus Niedersachsen weigert sich Corona-Impfgegnerin zu behandeln - und wird bedroht

Einem Bericht von braunschweiger-zeitung.de zufolge habe sich eine der Patientinnen vor einigen Tagen an die Presse gewandt. Der Arzt wolle sie nicht mehr behandeln, weil sie aufgrund eines Kinderwunsches eine Corona-Impfung ablehne. Der Mediziner könne laut eigener Aussage aus Gründen der ärztlichen Schweigepflicht nichts zu diesen Vorwürfen sagen. Es sei jedoch ein legitimer Grund, ein Verhältnis zwischen Arzt und Patient zu beenden, wenn ein gestörtes Vertrauensverhältnis vorliege.

Auf die vielen Gewaltdrohungen reagiert er schockiert. Für seine Familie und seine Mitarbeiterinnen sei dies sehr belastend. „Ich habe nicht damit gerechnet, wie wir inzwischen in dieser Republik miteinander umgehen.“

Ein Arzt aus Niedersachsen muss von der Polizei geschützt werden. Er weigert sich eine Corona-Impfgegnerin zu behandeln und erhält daraufhin Gewaltandrohungen. (Symbolbild)

Corona in Niedersachsen: Bedrohter Arzt will Skeptiker von Impfung überzeugen

Gegen die Verfasser der Nachrichten wurde laut Angaben der Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Wir warnen ausdrücklich davor, sich dieser Form der Hasskriminalität anzuschließen. Das ist keine Form der Meinungsfreiheit“, sagte die Polizeisprecherin.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) informierte, dass bereits eine Beschwerde einer Patientin über den betroffenen Hausarzt aus dem Landkreis Osnabrück vorliege. Es werde nun geprüft, ob ein Verstoß gegen das Vertragsarztrecht vorliegt, das eine Behandlungspflicht vorsieht. Alle Beteiligten würden zu diesem Fall befragt.

Aktueller Impfstatus in Deutschland
Mindestens eine Impfdosis erhalten51.750.882 (62,2 Prozent)
Vollständige Impfung44.999.521 (54,1 Prozent)
Verabreichte Impfdosen94,3 Mio.
Täglich verabreichte ImpfdosenDonnerstag, 05.08.21: + 485.195
Quelle: Impfdashboard.de (Stand: 06.08.2021, 9.25 Uhr)

Der bedrohte Mediziner sei indes davon überzeugt, dass sich ein Großteil der noch ungeimpften und skeptischen Personen mit entsprechenden Argumenten von einer Corona-Schutzimpfung überzeugen lasse. „Wir müssen gucken, dass wir von den Skeptikern die Vernünftigen kriegen“, sagte er. Denjenigen biete er den direkten Dialog und Austausch an. „Ich glaube, dass ich im Kern für das Richtige stehe, und deshalb muss die Stimme, die aus dieser Richtung kommt, lauter sein als das Krakeelen der Idioten.“ (Alina Schröder)

Ein Arzt aus dem Kreis Kassel ärgert sich über einen respektlosen Umgang während der Corona-Pandemie.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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