Pandemie

Corona-Notbremse: Das ändert sich für Schulen – Lehrerverband kritisiert Regeln

Wie wirkt sich Merkels Corona-Notbremse auf Schulen aus? Aber einer Inzidenz von 165 drohen Schließungen. (Symbolbild)
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Wie wirkt sich Merkels Corona-Notbremse auf Schulen aus? Aber einer Inzidenz von 165 drohen Schließungen. (Symbolbild)

Der Entwurf der Corona-Notbremse wurde vom Bund verändert. Dieser sieht einen neuen Inzidenzwert für Schulen vor. Dem Lehrerverband reicht das allerdings nicht.

Update vom Dienstag, 20.04.2021, 15.45 Uhr: Das Notbremsen-Gesetz der Bundesregierung wurde nochmals angepasst. Demnach müssen Schulen in Regionen mit einer Inzidenz ab 165 schließen und zurück in den digitalen Unterricht kehren - mit Ausnahme der Abschluss- und Förderklassen. Ursprünglich war ein Inzidenzwert von 200 angesetzt. Das sei zwar ein Fortschritt, reiche aber nicht aus, kritisierte der Präsident des deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Auch eine Inzidenz von 165 ist noch deutlich zu hoch.“

„Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden“, forderte Meidinger. Er habe kein Verständnis dafür, dass man bei Schulen einen anderen Kurs fahre und einen gröberen Maßstab festlege als in anderen Bereichen. Dabei bezieht er sich vor allem auf die steigenden Corona-Fallzahlen in der Altersgruppe zwischen 10 und 19 Jahren. Die Corona-Notbremse tritt ein, sobald ein Landkreis oder eine Stadt in drei aufeinanderfolgenden Tagen einen Inzidenzwert von 100 überschreitet.

Corona-Notbremse: Was sich für Schulen ändert

+++ 12.24 Uhr: Offenbar haben sich Union und SPD im Bundestag auf verschiedene Änderungen in Hinblick auf das Notbremsen-Gesetz von Bundeskanzlerin Angela Merkel geeinigt. Der Entwurf sieht einen neuen Inzidenzwert für Schulen vor.

Nach Informationen der Welt soll in Regionen mit einer Inzidenz von 165 Distanzunterricht stattfinden. Ursprünglich wurde ein Wert von 200 angepeilt, der von vielen Seiten zunehmend kritisiert wurde.

Corona-Notbremse: Wenn Schulschließungen drohen - Politiker für Unterricht im Freien

Erstmeldung vom Montag, 19.04.2021: Kassel - Das geplante Notbremsen-Gesetz von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eindämmung der Corona-Pandemie sieht viele Beschränkungen vor. Darunter die viel kritisierte nächtliche Ausgangssperre. Ab einer Inzidenz von 200 sollen dann auch in Hotspot-Regionen Schulen schließen.

Nun fordern Politiker, statt zum regulären Distanzunterricht zurückzukehren, den Unterricht ins Freie zu verlegen. „Unterricht im Freien oder die weitere Reduzierung der Lerngruppengrößen sind zu durchdenken, bevor Schulen geschlossen werden“, erklärte Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, gegenüber der Bild-Zeitung.

Schulschließung wegen Corona-Notbremse: Politiker fordern Unterricht im Freien

Kinder und Jugendliche seien in Zeiten der Corona-Pandemie erschöpft, vor allem seelisch. „Ab Juni beginnt zudem die Ferienphase. Es wäre eine Katastrophe, wenn möglicherweise bis Mitte August die Kinder keine Kita oder Schule mehr besuchen könnten“, ergänzt Weinberg mit Blick auf die Veränderung des Infektionsschutzgesetzes.

Auch die stellvertretende FDP-Vorsitzende Katja Suding begrüßt die Verlegung des Unterrichts in Parks, den Schulhof oder auf den Sportplatz. „Ich unterstütze alle sinnvollen Maßnahmen, die Unterricht in Präsenz wieder möglich machen“, erklärt die Politikerin der Bild-Zeitung. Auch wenn Unterricht außerhalb des Gebäudes in Zeiten der Pandemie sinnvoll sein könnte, spricht sie sich zugleich für Luftfilter und Hygienekonzepte in geschlossenen Räumen aus.

Video: Einkaufen, Schule, Besuch - Wann mache ich einen Schnelltest?

Corona-Notbremse: Schulschließunge drohen - Unterricht draußen als Alternative

Wie die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas gegenüber der Zeitung mitteilt, sei durch die Wissenschaft belegt, dass „Aktivitäten unter freiem Himmel sicherer sind als in geschlossenen Räumen.“ Dahingehend spricht sie sich für Schulunterricht im Freien als Alternative aus.

Grünen-Abgeordneter Janosch Dahmen befürwortet ebenfalls den Vorschlag. „Unterricht im Freien oder Exkursionen in Parks und Wäldern sind bei sinkender Inzidenz dann ein sehr pragmatischer und sinnvoller Schritt von Öffnungen“, so der Grünen-Politiker. Angela Merkels Notbremsen-Gesetz soll am Mittwoch (21.04.2021) im Bundestag und am Donnerstag (22.04.2021) im Bundesrat beschlossen werden.

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Corona-Notbremse in der Kritik - GEW für Wechselunterricht

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte den Inzidenzwert von 200 scharf. Dieser sei eine „politisch motivierte Setzung, damit Schulen und Kitas geöffnet bleiben können“, so Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW. „Der Wert ist nicht wissenschaftsbasiert, er ist nicht am Gesundheitsschutz der Lehrenden und Lernenden orientiert.“

Dagegen spricht sich die GEW - wie das Robert-Koch-Institut (RKI) - ab einem Inzidenzwert von über 50 für Wechselunterricht aus. „Nur wenn der Unterricht in kleinen Gruppen oder mit zusätzlichem Personal in mehr Räumen stattfindet, kann der nötige Abstand eingehalten und damit ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz aller in der Schule geleistet werden“, ergänzt Tepe. Zuletzt kritisierte auch Epidemiologe Gérard Krause die Corona-Notbremse und die Fokussierung auf den Inzidenzwert. „Wir starren immer noch auf die falschen Indikatoren, setzen deswegen die falschen Prioritäten und wundern uns, dass wir kaum Fortschritt machen“, so der Professor.

Am Montag (19.04.2021) beginnt inmitten der dritten Corona-Welle auch in Kassel wieder die Schule. Das Kultusministerium hat dahingehend neue Bestimmungen für hessische Schulen bekannt gegeben - darunter auch regelmäßiges Testen. (Karolin Schaefer)

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