Corona-Pandemie

Kommt die 2G-Regelung in Hessen? Branchen nicht begeistert von Bouffiers Corona-Plänen

Ist die 2-G-Corona Regel sinnvoll? Schließlich bringt nur ein negativer PCR-Test nahezu hundertprozentige Sicherheit.
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Ist die 2-G-Corona Regel sinnvoll? Schließlich bringt nur ein negativer PCR-Test nahezu hundertprozentige Sicherheit.

Hessens Landesregierung will einigen Branchen ermöglichen, das 2G-Modell zu wählen. Bei diesen hält sich die Begeisterung jedoch in Grenzen.

Kassel – Die geplante Zulassung des 2G-Modells stößt bei vielen betroffenen Anbietern und Anbieterinnen auf Skepsis. Sowohl das hessische Gastgewerbe als auch das Friseurhandwerk warfen der Landesregierung um Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor, sie verlagere die Debatte um Impfquoten und Impfbereitschaft zu den Betrieben.

Erste Bundesländer setzen bereits auf das 2G-Modell*. Baden-Württemberg etwa will die Regel bei einer steigenden Belegung der Krankenhäuser verbindlich einführen. Auch in Hamburg können Ungeimpfte von Veranstaltungen und vom Restaurant­besuch ausgeschlossen werden, Gastronomen entscheiden darüber selbst.

2G-Regelung in Hessen: Gäste sollen weitgehend von Corona-Einschränkungen befreit werden

Bouffier hatte ankündigt, dass das Corona*-Kabinett der Landesregierung in seiner nächsten Sitzung am Dienstag (14.09.21) voraussichtlich das Corona-2G-Modell für die Gastronomie, Veranstaltungen und Friseursalons in Hessen zulassen werde. Die neue Corona-Verordnung des Landes soll demnach privaten Anbietern und Anbieterinnen die Möglichkeit geben, nur Geimpften und Genesenen (2G) den Zutritt zu ihren Räumen zu erlauben, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit seien, sagte ein Regierungssprecher..

„Die Politik kann es nicht entscheiden, somit wird es auf die Wirtschaft abgewälzt über das Hausrecht“, sagte René Hain, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Friseurhandwerks Hessen, der Deutschen Presse-Agentur. Nicht wirklich erfreut über die Pläne ist auch der hessische Industrie- und Handelskammertag. Auch in der Region Kassel gehen die Meinungen zur 2-G-Regel* auseinander. Das zeigt eine HNA-Recherche.

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2G-Regelung in Hessen: Beim Besuch von Behörden und im ÖPNV bleibt es beim 3G-Modell

Veranstalter und Veranstalterinnen, Wirte und Wirtinnen sowie Friseure und Friserinnen sollen also in Hessen bald selbst entscheiden können, ob sie nur geimpfte und genesene Menschen einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit seien. Beim Besuch von Behörden und im ÖPNV bleibe es aber beim 3G-Modell, das auch negativ Getestete einschließt. Die aktuelle hessische Corona-Verordnung ist bis zum 16. September befristet.

Besonders interessant wird es, wenn man sich die Situation von Schwangeren, Vorerkrankten und andere Gruppen anschaut. „Kaum jemand möchte Kunden ausschließen, die nachweislich gesund oder aus unterschiedlichsten Gründen ungeimpft sind“, sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga in Hessen.

Ob die Mitgliedsbetriebe das Corona-2G-Modell anwenden werden, hänge sicher von der individuellen Situation ab, sagte Hain. Friseurläden, die es zu 90 Prozent mit doppelt geimpften Stammkunden und Stammkundinnen zu tun haben, könnten vielleicht von dem Wegfall der Corona-Einschränkungen profitieren, denn ihnen mache vor allem die Abstandsregel zu schaffen, weil dadurch derzeit deutlich weniger Kunden und Kundinnen als sonst bedient werden könnten.

2G-Regelung in Hessen: Großes Konfliktpotenzial scheinbar unausweichlich

Falls die Abstandsregel dank 2G-Modell fällt, könne das ein Wettbewerbsvorteil sein, sagte Hain. Bei einem geringeren Anteil geimpfter Stammkunden und Stammkundinnen bestehe hingegen das Risiko, dass zu viele Kunden und Kundinnen zur Konkurrenz abwandern und sich die Salons so durch 2G selbst das Geschäft verderben.

Julius Wagner stimmt Hain in vielen Punkten zu und meint: Hier werde „eine Grundsatzdebatte an die Schwelle der Restauranttür getragen. Nach Monaten, die bereits geprägt waren von unseligen Diskussionen mit vielen Gästen über die Maskenpflicht, die Kontaktdatenerfassung, Abstandsregelungen & Co., ist das nun eine Kerndebatte aus der Mitte der Gesellschaft. Denn schließlich steht hier die Frage, ob man sich impfen lässt oder nicht, auf einmal im Raum.“

Die 2G-Regel würde die Situation von Impfgegnern und Impfgegnerinnen verschlechtern, von Befürwortern und Befürworterinnen erleichtern – ein großes Konfliktpotenzial also. Daher seien einheitliche Regelungen der Politik so wichtig. (Luisa Weckesser mit dpa)

Das RKI gab kürzlich die tagesaktuellen Corona-Fallzahlen für Deutschland* bekannt. Am Montag (13.09.2021) wurden mehr als 5000 Neuinfektionen gemeldet. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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