Corona-Beschlüsse

Virologe Streeck: „Kein seriöser Politiker wird einen Lockdown ausschließen können“

Prof. Dr. Hendrik Streeck
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Die neuen Corona-Beschlüsse sehen erneute Einschränkungen vor - besonders für Ungeimpfte. Virologe Hendrik Streeck hält wenig davon. Seine Pläne würden anders aussehen.

Die neuen Corona-Beschlüsse sehen erneute Einschränkungen vor – besonders für Ungeimpfte. Virologe Streeck hält wenig davon. Seine Pläne würden anders aussehen.

Berlin – Nach dem jüngsten Beschluss des Bund-Länder-Gipfels steht die Debatte um eine sogenannte „indirekte Impfpflicht durch die Hintertür“ im Raum. Denn nur wer gegen Corona* geimpft, genesen oder getestet ist, kann künftig bestimmte Freiheiten genießen. Kostenlose Corona-Tests wird es ab Mitte Oktober* nicht mehr geben.

Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) davon ausgeht, dass es bestimmte Freiheiten in absehbarer Zeit nur noch für Geimpfte und Genesene geben werde und „2G“ (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) so oder so ab einem bestimmten Zeitpunkt kommen werde, hält Virologe Hendrik Streeck wenig von diesen Plänen.

Streeck: „Neue Corona-Regeln sind eine Impfpflicht für finanziell schwächere Menschen“

Im Interview mit Focus erklärt der Virologe Streeck*, dass es zwar richtig sei, dass die Menschen durch eine Impfung besser geschützt und etwa ein Restaurantbesuch damit sicherer sei. Aber es gebe auch Gründe dagegen: „Durch so eine Vorgabe treffen sich Ungeimpfte mehr privat und es kann dort eher zu Ansteckungen kommen, als wenn sie sich mit Geimpften mischen. Auch kann sich nicht jeder Mensch die ständige Testung leisten, damit ist dies eine Impfpflicht für finanziell schwächere Menschen.“

Streeck ist der Meinung, dass in Deutschland zunächst nicht auf die Testungen verzichtet werden sollte, besonders im Hinblick auf den Herbst. Deutschland sei in der Übergangsphase von einem pandemischen in ein endemisches Geschehen. „Gerade in dieser Phase können die Tests hilfreich sein, um das Infektionsgeschehen gut zu kontrollieren. Kombiniert mit guten Hygienekonzepten in Restaurants und Geschäften könnten wir die Infektionsgefahr so relativ gering halten“, sagt Streeck im Interview mit Focus. So könnten die gefürchteten Superspreading-Events verhindert werden – auch ohne den Zwang zur Impfung.

Corona-Pandemie: Streeck hält Art der bisherigen Lockdowns für Zukunft für falsch

„Kein seriöser Politiker wird einen Lockdown ausschließen können. Aber wir müssen so denken, dass wir den in jedem Fall verhindern wollen.“ Gute Hygienekonzepte könnten eine Garantie dafür sein, dass trotz hoher Infektionszahlen alles offen bleibt.

Das würde auch die Eigenverantwortung der Gastronomen fördern, glaubt Streeck. Hier würde es bestimmte Erkenntnisse geben, die diese gut umsetzen können. „Abstand zwischen den Tischen, ausreichende Luftzufuhr, Filteranlagen oder Ähnliches. Dass wir stattdessen, wie in bisherigen Lockdowns, Öffnungen von bestimmten Bereichen oder zeitlichen Begrenzungen abhängig machen, etwa die Schließung der gesamten Gastronomie oder Sperrstunden, halte ich für falsch.“

Dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gehen indes die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz nicht weit genug*. Er kritisiert die neuen Corona-Regeln. (Carolin Eberth)*hna.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA

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