Corona-Studie des RKI

Corona-Tod durch Armut? - Deshalb sterben sozial Benachteiligte öfter an Covid-19

Laut Studien des RKI erhöht ein niedriger sozialer Status das Risiko einer Corona-Erkrankung. Ärmere Menschen sterben weitaus häufiger an den Folgen des Virus. (Symbolbild)
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Laut Studien des RKI erhöht ein niedriger sozialer Status das Risiko einer Corona-Erkrankung. Ärmere Menschen sterben weitaus häufiger an den Folgen des Virus. (Symbolbild)

Laut Studien des RKI erhöht ein niedriger sozialer Status das Risiko einer Corona-Erkrankung. Ärmere Menschen sterben weitaus häufiger an den Folgen des Virus.

Kassel - Neuesten Studien des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge gibt es in Deutschland einen Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und dem Risiko, an Covid-19 zu erkranken und daran zu sterben. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, sei während der zweiten Welle der Corona-Pandemie die Zahl der Covid-19-Todesfälle in sozial benachteiligten Regionen am stärksten gestiegen.

Das Sterberisiko durch Corona sei dort um 50 bis 70 Prozent höher gewesen als in wohlhabenderen Regionen. Die Sozialverbände VdK und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband fordern daher, ärmere Menschen besser vor dem Virus zu schützen. Auch das Infektionsrisiko sei laut den Studien des RKI, welche Daten aus der zweiten Corona-Welle betrachten, ungleich verteilt.

Corona-Studie des RKI: Sterberaten in Regionen mit viel Armut höher

„In Regionen, wo Menschen überproportional an Armut leiden, ist das Risiko, an Corona zu sterben, höher“, äußert sich Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, zu den RKI-Studien. In den sozial benachteiligten Regionen Deutschlands stiegen die Corona-Todeszahlen während der zweiten Welle der Pandemie demnach am stärksten.

Die RKI-Studie zur Corona-Sterblichkeit und zu sozialen Unterschieden war eine der ersten ihrer Art in Deutschland, wie RND berichtet. Andere Untersuchungen aus den USA und Großbritannien haben bereits im vergangenen Jahr einen Zusammenhang zwischen Covid-Erkrankungen und sozialer Ungleichheit gezeigt. 

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Corona und Armut: Vorerkrankungen als zusätzlicher Risikofaktor

Den Studien zufolge seien auch Vorerkrankungen ein weiterer Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung. „Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Armut, Covid-Krankheitsverlauf und Vorerkrankung“, betont Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Ärmere Menschen litten häufiger an Vorerkrankungen und seien demzufolge einem höheren Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf ausgesetzt.

Video: Corona-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für psychische und neurologische Probleme

RKI-Studie zu Corona: Ausbreitung des Virus erst in bessergestellten Regionen

Eine weitere Erkenntnis der RKI-Studie: Zu Beginn der Corona-Pandemie waren es nicht die Menschen in sozial und finanziell schwachen Regionen, die am Corona-Virus erkrankten, sondern Menschen aus sozioökonomisch bessergestellten Regionen.

Die, die reisen konnten, brachten das Virus und die Armen baden es zunehmend aus.

Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands

Forscher vermuten, dass die Ausbreitung zu Pandemie-Beginn durch Pendler und Reiserückkehrer aus dem Skiurlaub vorangetrieben wurde. Bis August vergangenen Jahres habe der Anteil an Corona-Infizierten in sozial und finanziell stabileren Regionen rapide abgenommen.

Verpflichtende Corona-Tests in Unternehmen, in denen wenig Abstand gehalten werden kann

VdK-Präsidentin Verena Bentele forderte die Politik aus diesem Grund auf, verpflichtende Corona-Tests in Unternehmen zu ermöglichen, wenn die Beschäftigten viel Kontakt haben und wenig Abstand halten können. „Oft sind das Berufe, in denen nicht viel Geld gezahlt wird, etwa an Supermarktkassen, in der Pflege, in Großküchen, Fabriken und der Lebensmittelverarbeitung“, so Bentele.

Die Corona-Lage in Deutschland ist nach wie vor angespannt, die täglichen Fallzahlen des RKI zeigen weiter eine Tendenz nach oben und steigende Inzidenzen. Währenddessen hält die Kritik an dem umstrittenen Notbremse-Gesetz der Bundesregierung, um die Corona-Pandemie einzudämmen, weiter an. (Helena Gries)

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