Heftige Kritik

Geöffnete Schulen trotz Corona-Pandemie? Lehrer werfen Ländern „russisches Roulette“ vor

Die Kultusminister der Länder haben sich darüber beraten, wie es hinsichtlich der Corona-Pandemie an Schulen weitergehen soll. Nun hagelt es heftige Kritik.

  • Am Donnerstag (08.04.2021) fand eine Kultusministerkonferenz zum weiteren Vorgehen nach den Osterferien statt.
  • Die Kultusminister haben sich darauf geeinigt, trotz Corona in Schulen so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten.
  • Corona-News: Aufgrund der drohenden Corona-Infektionsgefahr hagelt es nun Kritik.

Update vom Freitag, 09.04.2021, 11 Uhr: Der Öffnungskurs einiger Bundesländer wird vom Verband Bildung und Erziehung heftig kritisiert: „Dass es anscheinend immer noch Bundesländer gibt, die Schulen in Hochinzidenzgebieten offenhalten wollen, ist unverantwortlich“, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft, nach den Beratungen der Kultusminister am Donnerstag (08.04.2021).

Seitdem die Schulen geöffnet seien, stiegen die Corona-Neuinfektionen bei Schülerinnen und Schülern rapide. „Man muss fast den Eindruck haben, dass mit der Gesundheit von Lehrkräften, Kindern und Jugendlichen in einigen Ländern eine Form russisches Roulette gespielt wird“, so Beckmann weiter. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

RKI warnt vor Corona-Infektionen: Sorge angesichts steigender Fallzahlen an Schulen und Kitas

Unterstrichen wird die Sorge der Lehrer vom Robert Koch-Institut (RKI): Wie das RKI in seinem aktuellen Lagebericht schreibt, seien in der dritten Welle der Corona-Pandemie mit der britischen Mutante vor allem Kinder und Jugendliche stark betroffen. Der Infektionsort sei in vielen Fällen zwar unbekannt, allerdings seien Schulen und Kitas besonders häufig betroffen. In dem RKI-Bericht wird deutlich, dass eine Eindämmung der Corona-Infektionen nur mithilfe organisatorischer Maßnahmen, wie etwa der Reduzierung der Klassengrößen oder einer Maskenpflicht sowie Testpflicht zu verhindern seien.

Wie geht es mit den Schulöffnungen in Deutschland weiter? Die dritte Corona-Welle macht den Kultusministern sorgen (Archivfoto).

Kultusministerkonferenz verteidigt Öffnungen von Schulen

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), verteidigte den Öffnungskurs. Man wüsste, dass man in Form von weniger Präsenzunterricht einen Beitrag zum Infektionsschutz leisten müsse. Gleichzeitig komme es aber auch auf das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen an, denen das Bildungsrecht gewährleistet werden müsse, so Ernst gegenüber dem rbb. Die Kultusministerkonferenz hatte beschlossen, dass mithilfe einer umfassende Test- und Impfstrategie so viel Präsenzunterricht wie möglich angeboten wird.

Corona in Deutschland: Kultusminister wollen Schulen nach Osterferien offenhalten

+++ 21.03 Uhr: Wie aus einem gemeinsamen Statement nach der Kultusministerkonferenz hervorgeht, möchten die Minister die Schulen so weit wie möglich offen halten: „Die Bildungspolitik steht auch in dieser schwierigen Phase der Corona-Epidemie in der Verantwortung, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung und Unterricht zu gewährleisten“, so die Präsidentin der Konferenz, Britta Ernst (SPD). Es sei demnach ein „gemeinsames Ziel, so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten“.

Erreicht werden soll dieses Ziel mithilfe flächendeckender und umfassender Test- sowie Impfstrategien. „Die Testmöglichkeiten sollen so ausgebaut werden, dass allen Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften und sonstigen an Schulen Beschäftigten zweimal wöchentlich die Möglichkeit für einen Selbsttest angeboten werden kann“, so Ernst weiter. Zudem könne man den Abschlussjahrgängen mitteilen, dass diese ihre Prüfungen ablegen werden können.

Präsenzunterricht während Corona: Schule nach den Osterferien? Kultusminister beraten

Erstmeldung vom Donnerstag, 08.04.2021, 14.26 Uhr: Kassel - Angedacht war, dass Schüler nach den Osterferien wieder vermehrt in den Präsenzunterricht dürfen. Viele Schüler, Lehrer, Psychologen, (Kinder-)Ärzte und Politiker hatten diesen Schritt schon seit längerem gefordert. Nun steht er allerdings wieder auf der Kippe. Der Grund dafür ist die dritte Corona-Welle.

Am Sonntag (11.04.2021) enden in neun von 13 Bundesländern in Deutschland die Osterferien. Die Entscheidung, wie es weitergeht, sollte also so schnell wie möglich fallen. Lehrer fordern einheitliche Corona-Regelungen für ganz Deutschland, darüber berichtet auch die Frankfurter Rundschau.* In welche Richtung der Corona-Kurs gelenkt wird, ist dabei noch nicht abzusehen. Einige Regionen kündigten bereits an, wieder verschärfte Regeln für den Präsenzunterricht anwenden zu wollen. Das berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Schulen trotz dritter Corona-Welle offen? So geht es nach den Osterferien weiter

Demnach sei Brandenburg dazu übergegangen Schüler in höheren Schulklassen (Grundschule ausgenommen) wegen der dritten Corona-Welle wieder vom Präsenzunterricht auszuschließen. Einen Schritt weiter geht Baden-Württemberg. Dort bleiben selbst die Grundschüler nach den Osterferien zu Hause. Einheitlichkeit in den Öffnungen und Schließungen, generell in den herrschenden Regeln, sucht man im Schulsystem in Deutschland vergeblich.

Erst im Februar waren die ersten Schüler wieder in ihre Schulen zurückgekehrt: Den Anfang hatten dabei die Grundschüler gemacht. Auch Abschlussklassen war es bereits länger möglich, den Präsenzunterricht in der Schule wahrzunehmen. Im März trat dann der Stufenplan für Schulen in Kraft, nachdem auch die anderen Schüler nach und nach zurück in den Präsenzunterricht gebracht werden sollten.

In vielen Fällen wurden schon an dieser Stelle Kompromisse in Form von Wechselunterricht gemacht. Darüber hinaus war der Prozess vor den Osterferien noch nicht abgeschlossen, sodass es noch immer Schüler gibt, die seit Monaten keinerlei Form von Präsenzunterricht hatten.

Schule in der Corona-Pandemie: Schnelltests sollen helfen, Infektionsketten zu unterbrechen

Eine Erleichterung könnte das Testsystem an Schulen sein - doch es ist nicht überall verpflichtend. In Hessen und Rheinland-Pfalz wird auf Freiwilligkeit gesetzt, während viele andere Bundesländer eine Corona-Testpflicht für den Präsenzunterricht verhängt haben. Ein Mangel an Schnelltests besteht wohl nicht mehr. Schließlich wurden in den vergangenen Wochen Millionen Testkits beschafft. Zweimal die Woche sollten sich Schüler und Lehrer testen lassen.

Kritik an den Tests gibt es immer wieder. Die sichere Durchführung sei nicht gewährleistet und die Ergebnisse nicht verwertbar. So genau wie der PCR-Test sind die Schnelltests nicht, dass muss er aber offensichtlich auch nicht sein. Es gehe mehr darum, Infektionsketten zu unterbrechen. Mehr Informationen zu Corona in Deutschland gibt es in unserem News-Ticker.

Corona-Impfungen für Lehrer: Keine einheitliche Regelung für Schulen in Deutschland

Neben den Schnelltests sollen auch Impfungen zur Entspannung der Corona-Situation an Schulen führen. Die bundesweite Impfreihenfolge wurde im Laufe der Pandemie zugunsten der Grundschullehrer verändert. In einigen Bundesländern wurde diese Veränderung auch für Lehrer anderer Klassenstufen übernommen.

Udo Beckmann, der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, fordert eine Einschränkung des Präsenzunterrichts: Solange nicht alle Lehrkräfte geimpft seien, soll in Region mit 50er-Inzidenz der Unterricht nur im Wechselbetrieb stattfinden. „Unverantwortlich“ nannte er Sachsens Plan. Dort sollen die Schulen unabhängig von der Inzidenz offen bleiben. (Jennifer Greve, Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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