Pläne des Bundesgesundheitsministers

Ab April: Spahn will Freiheiten für Corona-Geimpfte - Sind sie tatsächlich nicht mehr ansteckend? 

Jens Spahn (CDU) fordert mehr Freiheiten für Personen, die bereits vollständig gegen Corona geimpft wurden. Der Vorschlag soll schon bald durchgesetzt werden.

Update vom Freitag, 09.04.2021, 16.18 Uhr: Am Freitag (09.04.2021) äußerte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin zu möglichen Freiheiten für Corona-Geimpfte. Noch im Laufe des Aprils sollen diese von einigen Einschränkungen befreit werden. Der CDU-Politiker sagte, dass man plane, die Verordnungen nach einer Rücksprache mit den Gesundheitsministern der Bundesländer in den kommenden Wochen anzupassen.

Wie auch fr.de berichtet, stütze sich Spahn nach seinen Worten auf vielversprechende Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI). Demnach sei das Risiko einer Corona-Übertragung durch vollständig Geimpfte* geringer, als bei negativ getesteten Personen. „Das heißt, wir können jeden, der die zweite Dosis erhalten hat, zwei Wochen später so behandeln, als hätte er gerade aktuell einen negativen Test gemacht“, so der Bundesgesundheitsminister. Dennoch gebe es keine Sonderbehandlung für Geimpfte. Diese müssten lediglich in bestimmten Situationen keinen Test mehr vorweisen.

Jens Spahn äußert sich über mögliche Freiheiten nach einer Corona-Zweitimpfung

Beispielsweise entfalle die Testpflicht bei Flugreisen. Bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet, in dem die hochansteckenden Virus-Varianten im Umlauf sind, sei ein Test allerdings weiterhin obligatorisch. Des Weiteren sollen die Quarantäne-Regelungen für Geimpfte künftig geändert werden. Laut Spahn sollen Kontaktpersonen von Infizierten, die vor mehr als zwei Wochen vollständig geimpft worden sind und keine Symptome aufweisen, demnach nicht mehr in häusliche Quarantäne. Die Abstands- und Hygieneregeln gelten jedoch nach wie vor für alle.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert nach einer Impfung gegen das Corona-Virus mehr Freiheiten. (Archivbild)

Corona in Deutschland: Spahn fordert weniger Einschränkungen für Geimpfte

Erstmeldung vom Donnerstag, 08.04.2021, 7.41 Uhr: Kassel - Winken den Personen, die bereits gegen Corona geimpft sind oder sich demnächst impfen lassen bald schon mehr Freiheiten? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht sich deutlich für weniger Einschränkungen aus und stößt dabei sowohl auf Lob als auch auf Kritik. Doch, können Geimpfte das Virus tatsächlich nicht mehr übertragen?

Laut den Plänen des Bundesgesundheitsministers sollen vollständig geimpfte Personen von der Test- und Quarantänepflicht demnächst befreit werden - das berichtet unter anderem die Tagesschau. Dabei bekommt er auf der einen Seite Unterstützung von der SPD und den Linken, auf der anderen Seite aber Kritik von der AfD sowie von Patientenschützern.

Jens Spahn verlangt Freiheiten nach Corona-Impfung - Kritik seitens der AfD

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Vorstellungen von Spahn für sinnvoll. Es habe sich gezeigt, dass Geimpfte sich nur noch sehr selten mit dem Virus anstecken würden. Daher seien sie zudem nach der zweiten Impfung höchstwahrscheinlich nicht mehr ansteckend für weitere Personen. Lauterbach hat sich bereits selbst gegen Corona impfen lassen. Auch Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken, zeigt seine Zustimmung. „Natürlich müssen, wenn die wissenschaftlichen Daten die Unbedenklichkeit bestätigen, Geimpfte alle Rechte wieder in Anspruch nehmen können“, so Bartsch gegenüber der Funke Mediengruppe.

AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel sieht Spahns Vorstoß allerdings anders. Auf Twitter spricht sie von einer „Impfpflicht durch die Hintertür“. Stattdessen fordert sie die sofortige Aufhebung der „Grundrechtseinschränkungen für alle Bürger“. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert die Pläne, da sie zu vage wären. „Die österliche Botschaft des Bundesgesundheitsministers von mehr Freiheiten löst sich bei genauem Hinschauen schnell in Rauch auf“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Beispielsweise sei weiterhin unklar, ab welchem Inzidenzwert die dritte Welle überstanden sei.

„Erleichtert den Alltag enorm“: Spahn teilt Pläne für Corona-Geimpfte - Sind sie wirklich nicht mehr ansteckend?

Jens Spahn fordert, dass Personen nach der zweiten Impfung schon bald gewisse Freiheiten zurückbekommen sollen. „Wer vollständig geimpft wurde, kann beim Reisen oder beim Einkaufen wie jemand behandelt werden, der ein negatives Testergebnis hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis und erleichtert den Alltag enorm.“ Doch, sind die Pläne des Bundesgesundheitsministers tatsächlich unbedenklich? Stimmt es wirklich, dass Corona-Geimpfte das Virus nicht mehr übertragen können?

Laut aktuellen Erkenntnissen geht das Robert-Koch-Institut (RKI) davon aus. In einem Bericht heißt es: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.“

Spahn fordert mehr Freiheiten für Geimpfte - Studien klären über Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe auf

In der Vergangenheit haben zudem einige Studien bereits gezeigt, dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna hochwirksam sind und somit vor einem schweren Corona-Krankheitsverlauf schützen. Einem Bericht des SWR zufolge belegt eine israelische Studie, dass das Vakzin von Biontech/Pfizer sogar die Infektionsrate bei Geimpften im Schnitt um rund 90 Prozent senken konnte.

Und auch Untersuchungen der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bestätigen die Wirksamkeit beider Impfstoffe: Wie Focus berichtet wiesen Personen, die eine zweite Dosis bekommen haben, schon zwei Wochen später ein um 90 Prozent geringeres Infektionsrisiko auf. Nach der ersten Impfung mit Biontech oder Moderna hatten die Probanden bereits ein um 80 Prozent niedrigeres Risiko. Diese Ergebnisse zeigen, dass diese mRNA-Vakzine Corona-Infektionen fast vollständig verhindern können.

Im Video: So wirksam ist der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer

„Keine hundertprozentige Sicherheit“: Spahn äußert sich zu Corona-Infektionsrisiko - Diese Regeln gelten trotzdem für Geimpfte

Bei dem umstrittenen Vektor-Impfstoff Astrazeneca sieht es ähnlich aus. Wissenschaftler fanden heraus, dass der britisch-schwedische Wirkstoff das Infektionsrisiko nach der ersten Dosis um 67 Prozent herabsetzt und selbst vor asymptomatischen Covid-19-Übertragungen schützt. Doch, obwohl so viele Wirkstoffe einen schwerwiegenden Verlauf abwehren und das Infektionsrisiko erheblich senken, können Geimpfte trotzdem das Virus in sich tragen.

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Trotz der geplanten Freiheiten sollen sich Geimpfte daher auch künftig an manche Regeln halten. Jens Spahn betont, dass die Abstandsregelungen, Hygienemaßnahmen und Maskenpflicht weiterhin für alle Bürgern gelten. „Denn sowohl der tagesaktuelle Test als auch die vollständige Impfung reduzieren das Infektionsrisiko zwar deutlich, aber sie geben keine hundertprozentige Sicherheit davor, andere zu infizieren“, sagte der CDU-Politiker gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch seien Kontaktbeschränkungen weiter nötig. (Alina Schröder) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Political-Moments/imago

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