Pandemie

Corona-Variante B.1.617: Mutante verbreitet sich schnell in Deutschland

In Indien dominiert die indische Corona-Variante B.1.617. Von der WHO wurde sie als „besorgniserregend“ eingestuft. In Deutschland steigt der Infektions-Anteil.

Update vom Donnerstag, 20.05.2021, 14.30 Uhr: Die indischen Variante B.1.617 macht bisher nur einen geringen Teil der Corona-Infektionen in Deutschland aus. Dies geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, für den ausgewählte Proben auf die Mutationen untersucht worden waren. Der Anteil der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuften Coronavirus-Variante lag in der Woche vom 3. bis zum 9. Mai allerdings bei zwei Prozent. In der Vorwoche bezifferte das RKI den Anteil noch auf nur 1,5 Prozent.

Auch wenn die Variante B.1617 erst einen geringen Teil der Infektionen in der Bundesrepublik macht, beobachtete das Robert Koch-Institut in den vergangenen Wochen einen kontinuierlichen Anstieg. Es wird befürchtet, dass die zuerst in Indien entdeckte Mutation ansteckender sein könnte als bisherige Varianten. Was die Corona-Impfungen angeht, sagte Virologin Sandra Ciesek, dass man „eine leichte Einschränkung, aber kein vollständiges Versagen der Impfungen“ bemerke.

Die indische Corona-Variante B.1.617 hat den asiatischen Subkontinent immer noch fest im Griff. Am Montag (17.05.2021) wurde hier ein neuer Höchststand mit 4077 Corona-Toten innerhalb eines Tages verzeichnet. (Archivbild)

Corona-Variante B.1.617: Sorge um Mutante aus Indien wächst weiter

Erstmeldung vom Montag, 17.05.2021, 11.22 Uhr: Kassel – Die Corona-Lage bleibt weltweit angespannt. Besonders Indien verzeichnet immer noch einen rasanten Anstieg der Fallzahlen. Seit Beginn der Pandemie wurden hier 24.965.463 Infektionen gemeldet (Stand 17.05.2021). Das geht aus den Daten der Johns-Hopkins-Universität hervor. Nun melden indische Medien übereinstimmend mit 4077 Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden einen neuen Höchststand. Insgesamt sind demnach bislang 270.000 Menschen in Indien im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 verstorben.

In vielen Fällen soll dafür die Corona-Variante B.1.617 verantwortlich sein. Inzwischen wurde die Mutante in 44 Ländern nachgewiesen – auch in Deutschland. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde sie mittlerweile als „besorgniserregend“ eingestuft. Obwohl sie in Deutschland nur in wenigen Proben nachgewiesen wurde, stieg ihr Anteil „in den letzten Wochen stetig an“, so das Robert-Koch-Institut in seinem Bericht am Mittwoch (12.05.2021). Der Anteil liege bei weniger als zwei Prozent und demnach rund 30 Fällen. In Deutschland dominiere laut RKI weiterhin die britische Corona-Variante B.1.1.7.

Corona-Variante B.1.617 aus Indien: Starker Anstieg in Großbritannien

Die indische Variante wird derzeit genau von Experten beobachtet, besonders die Unterlinie B.1.617.2. „In den vergangenen drei Wochen kam es zu einem starken Anstieg, der ähnlich steil wie im Vereinigten Königreich erscheint“, erklärt Professor Joachim Schultze, Direktor des Forschungsbereichs Systemmedizin am Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn (DZNE).

Trotz bereits überstandener Corona-Infektion rät Schultze zur Vorsicht. „Alle nicht geimpften Personen und auch Personen, die bereits im vergangenen Jahr – insbesondere während der ersten Welle – an Covid-19 erkrankt waren, sollten weiterhin sehr vorsichtig bleiben, wenn jetzt eine weitere, sich schnell ausbreitende, neue ‚Variant of Concern‘ wie B.1.617 auftritt.“ In Großbritannien wurden nach Informationen der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) bisher 1300 Fälle der Unterlinie B.1.617.2 nachgewiesen.

Experten geben Entwarnung: Corona-Mutante setzt sich offenbar nicht gegen Impfung durch

Roman Wölfel, Oberarzt und Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, erklärte, dass sich die Mutationen durchsetzen, „die in der jeweiligen Bevölkerung für das Virus besonders nützlich sind.“ Ist in einer Bevölkerung kaum Immunität vorhanden, seien laut Wölfel Mutationen, „die seine Übertragbarkeit verbessern, für das Virus von Vorteil.“

Wissenschaftlichen Daten zufolge sei es allerdings nicht zu erwarten, dass sich Corona-Varianten gegen den Schutz einer Covid-19-Impfung durchsetzen. Endgültige Sicherheit gebe es allerdings noch nicht, so Schultze. „Weitere Studien müssen nun folgen, um dies weiter zu verifizieren“, erklärte der Experte. Eine Anpassung der Impfstoffe schließe er aber aus.

Corona-Pandemie
ErregerSars-CoV-2
ErkrankungCovid-19
Erklärung zu Pandemie11. März 2020

Corona-Variante aus Indien: Ausbreitung weiterhin eindämmen

Eine ähnliche Ansicht vertritt auch Professor Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien an der Universität Basel. Sollte sich herausstellen, dass eine Corona-Variante bei Genesenen oder Geimpften zu schweren Krankheitsverläufen führt, gelte eine Mutante erst als besorgniserregend. Als Warnsignal sei auch eine dauerhaft erhöhte Zahl an schweren Covid-19-Erkrankungen zu verstehen. Hinweise darauf gebe es dem Experten zufolge zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht.

Die Ausbreitung der indischen Mutante müsse dennoch genau beobachtet werden. „Ich wäre nicht überrascht, wenn sich am Ende herausstellt, dass diese Variante nicht so besorgniserregend ist, wie das manche im Moment befürchten. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass man nicht doch versuchen sollte, alles zu unternehmen, um die Ausbreitung einzudämmen“, so Neher. (kas und Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Amit Sharma/dpa

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